Seit seinem NATO-Beitritt im Mai 1955 war Deutschland fest in das westliche Bündnis integriert. Während des Kalten Krieges folgte die Bundeswehr dem „Prinzip der Abschreckung“. Wehrpflichtige dienten in einer Armee, deren Gesamtstärke in den 1980er Jahren fast eine halbe Million Soldaten erreichte. Es war Teil eines strategischen Gleichgewichts zwischen Ost und West – bereit zur Verteidigung, konzentriert auf die Wahrung des Friedens.
Die Bundeswehr nach der deutschen Wiedervereinigung
Mit der deutschen Wiedervereinigung 1990 wandelte sich die Wehrmacht: Teile der Nationalen Volksarmee der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) wurden in die Bundeswehr integriert, Strukturen wurden zusammengelegt und Personal reduziert. Die parlamentarische Armee blieb bestehen, aber ihre interne Neuausrichtung war dramatisch: Aus einer Frontarmee des Kalten Krieges wurde eine gesamtdeutsche Armee in einem vereinten Europa.
Gleichzeitig übernahm Deutschland Verantwortung in internationalen Missionen der Vereinten Nationen (UN). Ab Mitte der 1990er Jahre beteiligten sich deutsche Soldaten an Friedenseinsätzen – zunächst in Bosnien und Herzegowina, später im Kosovo. Die Bundeswehr ist seit 1999 Teil der von der NATO geführten Kosovo Force (KFOR). Das Bundesverfassungsgericht stellte 1994 klar, dass solche Einsätze im Rahmen kollektiver Sicherheitssysteme zulässig sind, sofern der Bundestag zustimmt.
