Eine Woche vor der Bluttat

Für 4.000 Euro: Schütze von Stade deckte sich wohl in Berlin ein


Aktualisiert am 02.07.2026 – 10:30 UhrLesedauer: 2 Min.

Stade: Ein Polizeiauto steht nahe einem Gebäude einer Jugendeinrichtung. In der Einrichtung waren gestern mehrere Menschen durch Schüsse gestorben.

Stade: Ein Polizeiauto steht nahe einem Gebäude einer Jugendeinrichtung, in der sechs Menschen erschossen wurden. (Quelle: Kai Moorschlatt/dpa)

Nach der Bluttat von Stade verdichten sich die Erkenntnisse der Ermittler. Neue Informationen zum Waffenkauf zeichnen ein genaueres Bild der Vorgeschichte.

Die Waffe, mit der in Stade sechs Menschen getötet worden sein sollen, ist nach Informationen des NDR von dem mutmaßlichen Schützen offenbar erst wenige Tage vor der Tat in Berlin gekauft worden. Demnach soll der 45-jährige Tatverdächtige eine Woche vor den Schüssen eine Pistole des Typs Beretta Modell 70 am Kurfürstendamm erworben haben. Für die Waffe und 21 Schuss Munition habe er rund 4.000 Euro bezahlt.

Der Mann sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Er soll am 29. Juni in einer Mutter-Kind-Wohngruppe in Stade vier Frauen und zwei Männer erschossen haben. Unter den Toten sind drei Mitarbeitende der Jugendhilfeeinrichtung sowie drei Beschäftigte des Jugendamtes der Region Hannover. Diese hatten sich zu einem Hilfeplangespräch in der Einrichtung aufgehalten. Die Mutter der gemeinsamen Tochter sowie das Kind blieben unverletzt.

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Mutmaßlicher Schütze von Stade soll Ärzte bedroht haben

Nach bisherigen Erkenntnissen gehen die Ermittler davon aus, dass ein Sorgerechtsstreit das Motiv des Schützen war. Der 45-Jährige hatte in der Einrichtung einen Termin, bei dem es um das Sorgerecht für seine drei Monate alte Tochter gehen sollte.

Die Staatsanwaltschaft Hannover beschäftigt zudem ein weiteres Ermittlungsverfahren gegen den Beschuldigten von Stade. Nach Angaben der Behörde soll der Mann am 22. April im Zusammenhang mit der Behandlung seiner Tochter wegen eines Schütteltraumas Ärzte der Medizinischen Hochschule Hannover verbal bedroht haben. Die Ermittlungen dazu dauern an.

Eine E-Mail, die der Beschuldigte am 5. Mai an Ärzte der MHH geschickt hatte, erfülle dagegen nicht den Straftatbestand der Bedrohung. Dieses Verfahren sei eingestellt worden.

Im Video | Video zeigt Festnahme des Tatverdächtigen

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Ermittlungen auch gegen Mutter und Patentante

Parallel dazu ist das familiengerichtliche Verfahren noch nicht abgeschlossen. Nach Angaben des Oberlandesgerichts Celle haben beide Eltern Beschwerde gegen eine Eilentscheidung des Amtsgerichts Neustadt am Rübenberge eingelegt. Das Amtsgericht hatte unter anderem angeordnet, dass Mutter und Tochter gemeinsam in einer Mutter-Kind-Einrichtung untergebracht werden. Außerdem blieb den Eltern die Gesundheitssorge für das Kind entzogen.

Weiterhin offen sind die Rollen der Mutter des Kindes und dessen 65-jähriger Patentante, die mutmaßlich den Fluchtwagen des Schützen fuhr. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wird geprüft, ob eine Beteiligung an der Tat vorliegt. Einen dringenden Tatverdacht gegen die beiden Frauen gebe es derzeit jedoch nicht. Deshalb seien bislang auch keine Haftbefehle beantragt worden. „Ob und welcher Tatvorwurf angeklagt wird, kann erst nach Abschluss der Ermittlungen entschieden werden“, erklärte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

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