Bei vielen Klimaprojekten gilt: kleiner ist schneller
Wie ist das möglich? Ndiarka Mbodji aus Senegal plädiert für einen Perspektivwechsel bei der Finanzierung von Klimaprojekten. Ihr Unternehmen Kowry Energy Services installiert Solarstromanlagen in ländlichen Regionen in Subsahara-Afrika. „Wir müssen in einem kleineren und lokaleren Maßstab denken“, sagt sie. „Die üblichen Finanzierungswege über ausländische Förderfonds dauern mit durchschnittlichen Bewilligungsfristen von 12 bis 36 Monaten viel zu lange. Stattdessen müssen wir lokale Banken befähigen, Kredite für lokale Projekte zu vergeben.“ Eine große Anzahl zügig genehmigter kleinerer Projekte würde letztendlich bessere Ergebnisse bringen als langwierige Großprojekte. Kowry installiert derzeit solarbetriebene Wasserpumpen im ländlichen Gambia: 1.000 dieser Einheiten sind inzwischen in Betrieb. „In diesem Fall gilt: kleiner ist schneller“, sagt sie. Auch der Nigerianer Glory Oguegbu setzt sich für eine niederschwellige Bereitstellung erneuerbarer Energien im lokalen Kontext ein. Ihr Unternehmen Renewable Energy Technology Training Institute (RETTI) bildet Fachkräfte für die Installation von Solaranlagen aus und hat bisher rund 25.000 Familien mit Strom versorgt.
Ein Wort fällt in diesem Zusammenhang immer wieder: Derisking. Als Hauptgrund für die immer noch erschreckend niedrige Kapazität an erneuerbaren Energien in Afrika wurde das ebenso geringe Volumen an Investitionen des privaten Sektors in diesem Bereich identifiziert. Bhupinder Singh Bhalla, Staatssekretär im indischen Energieministerium, sagt, dass Erfolg nur dann erzielt werden kann, wenn das mit dieser Art von Kapitalflüssen verbundene Risiko verringert wird. Einer der Gründe, warum sein Land bei der Entwicklung erneuerbarer Energiekapazitäten so erfolgreich war, liegt darin, dass es ihm gelungen ist, die Investitionszurückhaltung des privaten Sektors zu verringern, indem es die Kapitalflüsse hochtransparent gestaltet hat.
IRENA: Expansion noch zu langsam
Ein weiterer Grund, warum neue Finanzierungsmöglichkeiten dringend benötigt werden, liegt darin, dass der Ausbau grüner Energien immer noch zu langsam voranschreitet – obwohl 2023 ein Rekordjahr war. Statt der bisher erreichten 473 Gigawatt Leistung sind bis 2030 sogar 1.000 GW pro Jahr nötig, um die globale Erwärmung unter 1,5 Grad zu halten. Dies sagt die Internationale Agentur für Erneuerbare Energien IRENA in einem Sonderbericht, der beim BETD vorgestellt wurde.
Bei BETD24 sieht übrigens kaum jemand die Atomkraft als Option. „Uns läuft einfach die Zeit davon“, sagt IRENA-Direktor Francesco La Camera. „Wir brauchen schnelle Ergebnisse, und die können uns nur erneuerbare Energien liefern.“
