Gewalt bei Demonstrationen: Erneut Tote bei Protest im Iran

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Stand: 18.11.2022 11:46 Uhr

Im Iran sind während landesweiter Proteste erneut Tausende Menschen gegen das autoritäre Regime auf die Straße gegangen. Bei Demonstrationen zum Gedenken an den “blutigen November” 2019 gab es viele Tote.

Im Iran sind erneut Tausende Menschen gegen die autoritäre Politik der Islamischen Republik auf die Straßen gegangen. In Dutzenden Städten gab es Berichten zufolge Proteste, die teils gewaltsam niedergeschlagen wurden. Vielerorts war das Internet eingeschränkt. Alleine gestern sollen mindestens 18 Menschen getötet worden sein. Die Zahlen ergeben sich aus Informationen von Menschenrechtsorganisationen und offiziellen Angaben.

Im Nordwesten wurden nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen am Mittwoch mindestens fünf Demonstranten von Sicherheitskräften getötet. Sowohl in der Stadt Bukan der Provinz West-Aserbaidschan sowie in Sanandasch, Hauptstadt der Provinz Kurdistan, seien Sicherheitskräfte mit scharfer Munition gegen Protestierende vorgegangen.

Angriff auf das Geburtshaus von Khomeini

In der zentralen Metropole Isfahan sollen Unbekannte drei Mitglieder der Basidsch-Milizen getötet haben, wie Staatsmedien berichteten. Die Mehrheit der Proteste in der Stadt war Augenzeugen zufolge jedoch friedlich.

Protestierende sollen zudem in der Stadt Khomein das Geburtshaus von Ajatollah Ruhollah Khomeini, dem Gründers der Islamischen Republik, in Brand gesteckt haben. In dem Haus befindet sich heute ein Museum.

Wut und Entsetzen über Anschlag in Iseh

Für Wut und Entsetzen sorgte auch der Tod eines kleinen Jungen in der südwestlichen Stadt Iseh am 16. November. Dort hatten Unbekannte mit Sturmgewehren auf eine Menschenmenge geschossen. Dabei waren auch mindestens neun weitere Menschen ums Leben gekommen. Der Staat sprach von einem “Terrorakt” unbekannter Angreifer.

Einwohner und Familien der Opfer in der Stadt wiesen diese Darstellung deutlich zurück. Sie machten die Basidsch-Milizen und Revolutionsgarden dafür verantwortlich. Für die Beerdigung des Jungen am Freitag wurden wieder neue Proteste erwartet.

Landesweites Gedenken an “blutigen November ” 2019

Augenzeugen in Teheran beschrieben die Straßenproteste in der Hauptstadt als zunehmend furchtloser. In den Provinzen spielten sich nach Schilderungen von Einwohnern “bürgerkriegsähnliche” Szenen ab. Für die Zeit vom 15. bis 17. November hatten Aktivisten zu landesweiten Protesten und Streiks aufgerufen. Anlass war das Gedenken an den “blutigen November” 2019, als der Sicherheitsapparat Proteste gewaltsam niederschlug. Mehrere hundert Menschen sollen damals getötet worden sein.

Bereits mindestens 360 Tote und 16.000 Festnahmen

Die jüngste Welle des Protests gegen die autoritäre Politik der Islamischen Republik war vom Tod der iranischen Kurdin Mahsa Amini ausgelöst worden. Sie starb am 16. September in Polizeigewahrsam, nachdem sie wegen Verstoßes gegen die islamischen Kleidungsvorschriften festgenommen worden war.

Nach Schätzungen von Menschenrechtlern wurden im Zuge der Proteste bisher mindestens 360 Menschen getötet. Unter den Toten seien auch 56 Minderjährige und 46 Sicherheitskräfte, berichtete die Organisation Human Rights Activists News Agency (HRANA) mit Sitz in den USA. Rund 16.000 Menschen seien zudem festgenommen worden. Die Proteste erfassten seit ihrem Beginn demnach mehr als 140 Städte.

Iranische UNICEF-Botschafterin gibt Amt auf

Der bekannte und in Kanada ansässige Aktivist Hamed Esmaeilion rief für Samstag zudem zu internationalen Demonstration auf. Unterdessen kündigte die bekannte iranische Schauspielerin Mahtab Keramati auf Instagram an, ihr Amt als Botschafterin des UN-Kinderhilfswerks UNICEF niederzulegen. Der 52-Jährigen war in den vergangenen Wochen vorgeworfen worden, sich zu wenig zu den Protesten im Iran geäußert zu haben.

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