Expertin warnt vor weiteren Anschlägen in Putins „Energiekrieg“-Drehbuch

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Von: Julia Volkenand, Andreas Schmid, Patricia Huber

Schweden meldet das nächste Nord-Stream-Leck in der Ostsee. Damit gibt es nun vier Beschädigungen. Alle Infos im News-Ticker.

Update vom 29. September, 13.01 Uhr: Litauens Außenminister Gabrielius Landsbergis hat die mutmaßliche Sabotage an den Gasleitungen Nord Stream 1 und Nord Stream 2 als „Terrorakt“ bezeichnet. „Ein weiteres Leck ist ein weiterer Beleg dafür, dass dies eine vorsätzliche Tat ist, eine Aktion, die meiner Meinung nach sicherlich das Recht hat, als terroristischer Akt bezeichnet zu werden“, sagte der Chefdiplomat des baltischen EU- und Nato-Landes am Donnerstag im Parlament in Vilnius.

Nach Einschätzung des litauischen Außenministers zielten solche Aktionen darauf ab, Angst zu schüren und die Versorgung Europas mit Gas zu erschweren. „All dies entspricht zumindest aus politischer Sicht der Definition eines terroristischen Aktes, die rechtliche Bewertung wird später erfolgen“, sagte Landsbergis einem Bericht der Agentur BNS zufolge.

Energieexpertin Claudia Kemfert warnt vor weiteren Anschlägen auf die Energieversorgung

Update vom 29. September, 11.26 Uhr: Die Energieexpertin Claudia Kemfert warnt nach den vermutlich durch Sabotage herbeigeführten Lecks an den Gas-Pipelines Nord Stream 1 und 2 vor künftigen Anschlägen auf die Energieversorgung in Europa. „Wir sind in einem fossilen Energiekrieg. Die Mittel, die da gewählt werden, sind drastisch“, sagte Kemfert im Fernsehsender phoenix. Dass es jetzt Sabotage-Akte gebe und die Energieversorgung in Gefahr geraten könne, entspreche voll und ganz dem Drehbuch des russischen Präsidenten Putin. „Wir sollen in Angst und Schrecken verfallen und müssen jetzt damit rechnen, dass es Anschläge auf alle möglichen Bereiche gibt“, so die Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Konkret nannte sie die Gefahr von Cyber-Angriffen auf Atomkraftwerke. Schon jetzt beobachte man Versuche der Destabilisierung von Energieversorgungssystemen. „Das muss uns in große Sorge versetzen und das müssen wir sehr ernst nehmen.“ Auch seien enorme Umweltschäden zu befürchten. „Aus Klimasicht ist das hochproblematisch, weil Methan, das entweicht, ein sehr gefährliches Klimagas ist“, meinte Kemfert. Hinzu komme die Unsicherheit, bei Anschlägen auf Pipelines nicht mehr zu wissen, ob und wie viel Gas künftig noch in Europa zur Verfügung stehe.

Viertes Leck in den Nord-Stream-Pipelines entdeckt

Update vom 29. September, 7.56 Uhr: In der Ostsee ist ein viertes Leck in Nord-Stream-Pipelines entdeckt worden. Das teilte die schwedische Küstenwache am Donnerstagmorgen mit.

„Es gibt zwei Lecks auf schwedischem Gebiet und zwei auf dänischem“, erklärte ein Verantwortlicher der schwedischen Küstenwache gegenüber der Nachrichtenagentur AFP – die beiden Lecks auf schwedischem Gebiet lägen „nahe beieinander“.

Schwedische Medien berichteten, dass sich das neu festgestellte Leck an der Pipeline Nord Stream 2 befinde. Die schwedische Küstenwache machte zunächst keine genauen Angaben zur Lage des neu festgestellten Lecks und dazu, weshalb es erst jetzt entdeckt wurde. Beide Schadstellen in der schwedischen Wirtschaftszone befänden sich aber „im selben Sektor“.

Russland und USA beschuldigen einander der Sabotage

Update vom 29. September, 6.44 Uhr: Wer steckt hinter den Angriffen auf die Nord-Stream-Pipelines? Diese Frage ist derzeit nicht seriös zu beantworten. Klar scheint, dass es sich um einen staatlichen Sabotageakt handelt. Häufig als Verursacher genannt werden die USA und Russland. Beide Staaten machen sich zumindest gegenseitig Vorwürfe.

Laut einem russischen Medienbericht könnte ein US-Hubschrauber an den Lecks in den beiden Gas-Pipelines Nord Stream 1 und 2 beteiligt sein. „Der Mehrzweck-Helikopter MH-60R Strike Hawk hat neun Stunden lang – von 19:30 Moskauer Zeit am Sonntag, dem 25. September bis 4:30 Uhr Moskauer Zeit am Montag, dem 26. September über der Ostsee gekreist; etwa 250 Kilometer von der dänischen Insel Bornholm entfernt, wo der Gasaustritt festgestellt wurde“, schrieb die Internetzeitung lenta.ru am Mittwoch unter Berufung auf Daten von Flightradar. Der Kampfhubschrauber könne unter anderem auch Unterwasserziele bekämpfen, betonte das als kremlnah geltende Medium.

Die US-Zeitung New York Times wiederum berichtete, dass es sich bei den Pipeline-Lecks offenbar um geplante Detonationen von russischer Seite handelt. Laut einer Quelle aus Verteidigungskreisen ist die Pipeline „wahrscheinlich vorsätzlich und geplant“ unter Verwendung eines Sprengsatzes sabotiert worden. Der Sprengsatz sei schon Wochen vor der Detonation ins Meer geworfen worden.

Das Nord Stream 1-Gasleck in der Ostsee, fotografiert aus einem Flugzeug der schwedischen Küstenwache. © Swedish Coast Guard/dpa

Nord-Stream-Leitungen wohl am Sonntag leer

Update vom 28. September, 22.05 Uhr: Nach den drei Lecks in Nord-Stream-Pipelines ist nach Angaben der dänischen Energiebehörde bereits mehr als die Hälfte des Gases aus den betroffenen Leitungen entwichen. Voraussichtlich am Sonntag sollen die Leitungen leer sein, wie Behördenchef Kristoffer Böttzauw bei einer Pressekonferenz am Mittwoch sagte.

Nach Berechnungen der Behörde entspricht die Klimabelastung des Gasaustritts etwa einem Drittel der gesamten Klimabelastung Dänemarks in einem Jahr. Ein konkretes Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung – besonders auf der Ostsee-Insel Bornholm – bestehe aber nicht, hieß es. Die dänischen Behörden teilten die Einschätzung der EU und Nato, dass es sich bei den Lecks um Sabotage handelte.

Russland leitet wegen Nord-Stream-Beschädigung Terrorismus-Ermittlungen ein

Update vom 28. September, 20.16 Uhr: Die russische Generalstaatsanwaltschaft hat nach eigenen Angaben wegen der mutmaßlichen Sabotage an den Pipelines Nord Stream 1 und 2 ein Verfahren wegen internationalen Terrorismus eingeleitet. „Nicht später als am 26. September 2022 wurden im Bereich der Insel Bornholm vorsätzliche Handlungen zur Beschädigung der auf dem Ostseeboden verlegten Gasleitungen Nord Stream 1 und Nord Stream 2 verübt“, teilte die russische Generalstaatsanwaltschaft am Mittwoch auf ihrem Telegram-Kanal mit.

Moskau begründete den Schritt damit, dass mit der Beschädigung der Pipelines „Russland erheblicher wirtschaftlicher Schaden zugefügt“ worden sei. Gazprom hat bis Ende August durch die Pipeline Nord Stream 1 Gas nach Europa gepumpt, diese Lieferungen dann aber unter Verweis auf technische Probleme, die sich wegen Sanktionen angeblich nicht lösen ließen, eingestellt. Die Bundesregierung nannte die Begründung vorgeschoben und vermutete politische Beweggründe hinter dem Lieferstopp.

Sabotage? Moskau wirft Washington Einflussnahme an Nord-Stream-Leck vor

Update vom 28. September, 18.03 Uhr: Angesichts der Lecks an den Nord-Stream-Röhren deutete das russische Außenministerium an, US-Präsident Joe Biden könnte eine Sabotage der Ostsee-Pipelines Nord Stream 1 und Nord Stream 2 angeordnet haben. „Der US-Präsident muss auf die Frage antworten, ob die USA ihre Drohung umgesetzt haben“, schrieb Maria Sacharowa im Online-Dienst Telegram.

Sacharowa verwies dabei auf Äußerungen Bidens im Februar bei einem Washington-Besuch von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). Biden hatte mehrere Wochen vor Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine gewarnt, sollte Russland im Nachbarland einmarschieren, „dann wird es kein Nord Stream 2 mehr geben“. Das „verspreche“ er, betonte der Präsident, ohne nähere Angaben zu machen. „Wir werden dem ein Ende bereiten.“

Die US-Regierung wies die Andeutungen Russlands als „lächerlich“ zurück. „Wir alle wissen, dass Russland eine lange Geschichte der Verbreitung von Falschinformationen hat, und es tut es hier jetzt wieder“, sagte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates des Weißen Hauses, Adrienne Watson.

Schäden an Nordstream-Gasleitungen: Reparatur noch offen

Update vom 28. September, 16.26 Uhr: Ob die Nord-Stream-1-Pipeline wieder repariert werden kann, ist derzeit noch nicht klar. Für eine genaue Beurteilung müssten zunächst die Schäden begutachtet werden, erklärt der Betreiber der Gasleitung. Es gebe Erfahrungen und Anbieter für mögliche Arbeiten. Bevor ein Vorgehen festgelegt werden könne, müssten allerdings die Schäden untersucht werden. Es gebe bisher keine Bilder der eigentlichen Lecks. Man wolle die Schäden so schnell wie möglich inspizieren, das setze aber voraus, dass die Behörden die verhängten Sperrzonen aufhöben. Dies könne nach Angaben der dänischen Regierung jedoch noch ein bis zwei Wochen dauern.

Auch der Nord Stream 2 AG sind die genauen Schäden an ihrer weitgehend parallel verlaufenden Pipeline nach eigenen Angaben noch unbekannt. Es könne „kein Mensch momentan seriös sagen, wie es da unten aussieht“ und welche technischen Möglichkeiten es nun gebe, sagte Sprecher Ulrich Lissek. Das Ausmaß könne man nur anhand der umfangreichen Blasenbildung einschätzen. „Die strukturelle Integrität der Pipeline muss massiv beschädigt sein.“ Er sprach von einem möglichen „Riesenriss“.

Russland besitzt technische Möglichkeiten zur Sabotage

Update vom 28. September, 15.10 Uhr: Mit Vermutungen zur Schuldfrage bei den Gaslecks halten sich Regierungsvertreter bisher größtenteils zurück. Der Verdacht, dass Russland hinter der Sabotage steckt, ist jedoch groß. Wie die Daily Mail berichtet, hätte das Land auf jeden Fall die technischen Möglichkeiten, solche Leitungen zu beschädigen. Russland besitzt die größte Spionage U-Boot-Flotte der Welt. Hinzu kommen Unterwasserdrohnen. Beide dieser Möglichkeiten könnten genutzt werden, um Unterwasserinfrastruktur zu beschädigen.

Doch der Kreml hat Vorwürfe einer angeblichen Verantwortung Russlands für die Lecks an den Gas-Pipelines Nord Stream 1 und 2 zurückgewiesen. „Es ist ziemlich vorhersehbar, dumm und absurd, solche Annahmen zu treffen“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Mittwoch nach Angaben der Agentur Interfax. In der Ukraine gab es Vorwürfe, Russland habe die Pipelines gezielt sabotiert, um die Energiekrise in Europa zu verschärfen und Panik vor dem Winter auszulösen.

Energie-Experte äußert „besorgniserregende“ Schlussfolgerung

Update vom 28. September, 12.15 Uhr: Wer war es? Das ist wohl die Frage, die sich seit der Entdeckung der Gaslecks am meisten aufdrängt. Experten und Regierungsvertreter etlicher Länder sind sich sicher, dass es sich nicht um einen Unfall, sondern um gezielte Sabotage handelt. Auch der Energie-Professor Lion Hirth von der Hertie Universität in Berlin sieht das so. Auf seinem Twitter-Account hat er die Lage analysiert – und ist zu einem recht eindeutigen Schluss gekommen.

Für Hirth ist es äußerst unwahrscheinlich, dass die Ukraine die beiden Pipelines beschädigt hat. Schließlich könnte das Auswirkungen auf die Unterstützung der Ukraine durch die EU-Mitglieder haben. Auch NATO-Mitglieder schließt der Professor aus. „Es ist schwer vorstellbar, dass ein NATO-Mitglied so etwas tut, selbst diejenigen, die den Pipeline-Projekten am kritischsten gegenüberstehen.“

Somit bliebe also nur noch Russland. „Wenn das stimmt, ist das ziemlich besorgniserregend. Zumindest bedeutet es, dass Russland die Brücken abbrennt: Es sendet das deutlichste Signal, dass es in nächster Zeit kein Gas mehr liefern wird“, schreibt Hirth auf Twitter. Noch viel kritischer sieht er aber die Verwundbarkeit der Energieinfrastruktur, welche mit diesem Gasleck offengelegt wurde. „Ein ähnlicher Angriff auf eine Pipeline von Norwegen nach Großbritannien, Deutschland oder Polen hätte enorme Auswirkungen auf die europäische Gasversorgung.“

Schwedische Küstenwache liefert neue Gasleck-Bilder

Update vom 28. September, 11.40 Uhr: Die schwedische Küstenwache hat neue Bilder von einem der Gaslecks im Meer gepostet. Darauf ist deutlich zu erkennen, mit welcher Wucht das Gas aus dem Wasser sprudelt. Auf Twitter zeigen sich die Nutzer schockiert von dem Videoclip. Ein User schreibt: „Das sieht schrecklich aus“. Doch die Küstenwache gibt zumindest vorübergehend Entwarnung. Auf ihrer Website schreibt sie: „Aufgrund der aktuellen Situation ist es nicht möglich, die Freisetzung zu begrenzen oder zu bekämpfen, aber das Gas löst sich nach und nach sowohl im Wasser als auch in der Luft auf.“

FDP-Politiker fordert Schutz der Gaspipelines nach Norwegen

Update vom 28. September, 10.19 Uhr: Nach den Lecks an den Osteee-Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 hält der FDP-Energiepolitiker Michael Kruse einen wirksamen Schutz anderer Pipelines für notwendig. Sie müssten vor „Sabotage und Angriffen“ geschützt werden, sagte Kruse am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. „Im Nord- und Ostseeraum müssen die Gaspipelines nach Norwegen gesichert werden, weil sie für die deutsche und europäische Gasversorgung von überragender Bedeutung sind. Wir müssen aber auch Pipelines im Mittelmeer und auf dem Festland wirksam schützen, denn sie sind ebenfalls wichtig für die Energieversorgung Europas.“

Pipelines und LNG-Terminals müssten Tag und Nacht überwacht, geschützt und vor möglichen Angriffen gesichert werden, so Kruse. „Ein Angriff auf unsere Energie-Infrastruktur ist ein Angriff auf unser Land und auf die Europäische Union.“

EU hält Sabotage für wahrscheinlich und droht mit Gegenmaßnahmen

Update vom 28. September, 08.54 Uhr: Die EU hält Sabotage als Ursache für die Lecks an den Gas-Pipelines Nord Stream 1 und 2 für wahrscheinlich und hat mit Gegenmaßnahmen gedroht. „Alle verfügbaren Informationen deuten darauf hin, dass diese Lecks das Ergebnis einer vorsätzlichen Handlung sind“, erklärte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell am Mittwoch im Namen der 27 Mitgliedstaaten. Jede vorsätzliche Störung der europäischen Energieinfrastruktur werde „mit einer robusten und gemeinsamen Reaktion beantwortet werden“.

Update vom 28. September, 06.49 Uhr: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hält die Lecks an den Ostsee-Pipelines Nord Stream 1 und 2 von Russland nach Deutschland für einen „Sabotageakt“, wie aus einem Beitrag am Dienstagabend bei Twitter hervorging. Es sei nun von größter Bedeutung, die Vorfälle zu untersuchen, um „vollständige Klarheit“ über die Geschehnisse und den Hintergrund zu erhalten. „Jede absichtliche Störung von aktiver europäischer Energieinfrastruktur ist inakzeptabel und wird zu der stärksten möglichen Reaktion führen“, warnte die Kommissionspräsidentin.

Polen, Dänemark, Schweden, aber auch Russland führen die Lecks in den Gas-Pipelines Nord Stream 1 und 2 ebenfalls auf Sabotage zurück. Die Ukraine bezeichnete die Vorfälle als „von Russland geplanten Terroranschlag“ und sprach von einem Akt der „Aggression gegenüber der EU“, wie der Berater des ukrainischen Präsidentenbüros, Mykhailo Podolyak, am Dienstag mitteilte.

CIA soll Bundesregierung schon vor Wochen vor Anschlägen auf Ostsee-Pipelines gewarnt haben

Update vom 27. September, 21.43 Uhr: Der Geheimdienst CIA habe die deutsche Bundesregierung laut einem Bericht des Spiegels schon vor Wochen vor möglichen Anschlägen auf die Ostsee-Pipelines gewarnt. Ein solcher Hinweis des US-Auslandsgeheimdienstes sei im Sommer in Berlin eingegangen, hieß es in dem Bericht am Dienstag unter Berufung auf „mit dem Sachverhalt vertrauten Personen“.

Der Seismologe Peter Schmidt von der Universität Uppsala sagte AFP, das schwedische Nationale Seismische Netzwerk habe zwei Ereignisse mit „massiven Energiefreisetzungen“ in der Nähe von Bornholm aufgezeichnet. Die Ursache „kann nur eine Explosion sein“.

Update vom 27. September, 19.13 Uhr: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck äußerte sich am Dienstag zunächst vorsichtig zu den Lecks an den Ostsee-Pipelines Nord Stream 1 und 2. Spekulationen über die Ursachen verbieten sich so lange, wie die Aufklärung noch nicht erfolgt sei, betonte der Grünen-Politiker.

Gasleck bei Nord Stream 2
Das vom dänischen Verteidigungskommando zur Verfügung gestellte Foto zeigt das Nord-Stream 2-Gasleck in der Nähe von Bornholm aus der Luft. © Danish Defence Command/dpa

Auf die Frage, wie besorgt er generell sei über Attacken auf das Energienetz, sagte Habeck: „Wir sind natürlich in einer Situation in Europa und auch in Deutschland, wo kritische Infrastruktur – und die Energieversorgung darf man dazu insgesamt zählen – potenzielle Ziele sind.“ Dies habe man in einem kleineren Umfang schon gesehen, sagte er mit Blick auf Windparks. „Natürlich ist die kritische Infrastruktur ein potenzielles Ziel, aber das wissen wir nicht erst seit gestern, sondern das ist Grundlage der Arbeit seit Monaten gewesen.“

Ukraine macht Russland für Lecks an Nord Stream 1 und 2 verantwortlich

Update vom 27. September, 18.12 Uhr: Die Ukraine macht Russland für die Lecks an den beiden Nord-Stream-Pipelines verantwortlich. „Das ist nichts anderes als ein von Russland geplanter Terrorakt und ein Aggressionsakt gegen die EU“, schrieb der externe Berater des ukrainischen Präsidentenbüros, Mychajlo Podoljak, beim Kurznachrichtendienst Twitter am Dienstag. Moskau wolle damit die wirtschaftliche Situation in Europa destabilisieren und „Panik vor dem Winter“ erzeugen.

Nach gleich drei Lecks in nur kurzer Zeit an den Ostsee-Gaspipelines Nord Stream 1 und Nord Stream 2 wird ein Sabotageakt nicht ausgeschlossen. In Polen, Russland und Dänemark wird ein gezielter Anschlag auf die europäische Gasinfrastruktur als Ursache für die als beispiellos geltenden Schäden an beiden Pipelines für denkbar gehalten. Die genaue Ursache für die Schäden ist bisher noch offen.

Deutsche und dänische Behörden verwiesen darauf, dass die Vorfälle keine Auswirkung auf die Gasversorgung hätten, da die Leitungen zuletzt nicht für den Gasimport benutzt worden seien.

Update vom 27. September, 16.12 Uhr: Messstationen in Schweden und Dänemark haben einem Medienbericht zufolge vor dem Entstehen der Nord-Stream-Gaslecks in der Ostsee kräftige Detonationen unter Wasser verzeichnet. „Es gibt keinen Zweifel daran, dass es sich um Sprengungen handelt“, sagte der Seismologe Björn Lund vom Schwedischen Seismologischen Netzwerk (SNSN) am Dienstag dem schwedischen Rundfunksender SVT. „Man kann sehr deutlich sehen, wie die Wellen vom Meeresgrund an die Oberfläche springen.“

Es habe am Montag zwei deutliche Detonationen in dem Gebiet gegeben, berichtete der Sender unter Berufung auf das Netzwerk – eines in der Nacht um 2.03 Uhr und ein zweites um 19.04 Uhr am Abend.

Erste Bilder zeigen Ausmaß der Schäden an den Pipelines

Update vom 27. September, 15.43 Uhr: Neue Aufnahmen der dänischen Marine zeigen, wie das Gas im Meer entweicht. Auf der Website der dänischen Marine heißt es dazu: „Nachdem die drei Gaslecks an den Nord Stream Gaspipelines in der Ostsee aufgetreten sind, wurden aus Gründen der Sicherheit des Schiffs- und Flugverkehrs Sperrzonen um die Lecks eingerichtet.“

Ein Gasleck
Die Bilder der dänischen Streitkräfte zeigen, wie das Gas im Meer entweicht. © Screenshot/Twitter @forsvaretdk

Schiffe und Hubschrauber sind in der Gegend unterwegs, um die Sperrzonen zu überwachen. Zu einem Video, welches aus einem Hubschrauber aufgenommen wurde, heißt es: „Das größte Gasleck verursacht Turbulenzen an der Oberfläche mit einem Durchmesser von etwas mehr als 1 Kilometer. Der kleinste macht einen Kreis von ungefähr 200 Metern.“

Selenskyj-Berater sieht Gasleck als „geplanten Terroranschlag“

Update vom 27. September, 15.25 Uhr: Ein Berater des ukrainischen Präsidenten Selenskyj bezieht auf Twitter deutlich Stellung zu den Gaslecks in den beiden Pipelines. „Das ‚Gasleck‘ von NS-1 ist nichts weiter als ein von Russland geplanter Terroranschlag und ein Akt der Aggression gegenüber der EU“, schreibt Mykhailo Podolyak auf dem Kurznachrichtendienst. Weiter schreibt er: „Russland will die Wirtschaftslage in Europa destabilisieren und eine Vorwinterpanik auslösen.“ Die beste Antwort und Investition für die Sicherheit wäre die Lieferung von Panzern in die Ukraine. „Vor allem die deutschen …“, ergänzt er.

Gaspreis steigt in Folge der Probleme mit den Nord Stream Pipelines

Update vom 27. September, 14.14 Uhr: Die Probleme mit den russischen Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 sorgen auch an der Gasbörse für Bewegung. In Folge der Meldungen über den Druckabfall stieg der Gaspreis wieder an. Der europäische Future stieg am Dienstag um gut zehn Prozent auf 191,70 Euro. Zwischenzeitlich sprang der Preis sogar auf 194,74 Euro. Die Probleme an den Leitungen haben wohl Bedenken bezüglich der Gasinfrastruktur in Europa geweckt. Zuvor hatte sich der Markt ein wenig beruhigt und der Preis erreichte einen Tiefstand.

Kreml „äußerst beunruhigt“ über den Vorfall

Update vom 27. September, 13.07 Uhr: Russland schließt angesichts der Lecks an den Nord-Stream-Gaspipelines Sabotage oder andere Gründe nicht aus. „Jetzt kann keine Variante ausgeschlossen werden“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Dienstag auf die Frage, ob Sabotage der Grund sein könne für den Druckabfall. „Offensichtlich gibt es eine Zerstörung der Leitung. Und was der Grund dafür ist – da kann man bis zu dem Zeitpunkt, bis die Ergebnisse der Untersuchungen auftauchen, keine Variante ausschließen“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge.

Erdgasleitung aus Russland
Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 2 in Lubmin. © Stefan Sauer/dpa

Der Kreml sei „äußerst beunruhigt“ über den Druckabfall in den Ostseepipelines Nord Stream 1 und 2. Die Nachrichten seien alarmierend. Die Schäden an den Leitungen müssten untersucht werden. „Das ist eine absolut nie dagewesene Situation, die einer schnellen Aufklärung bedarf“, sagte Peskow.

Sicherheitsexperten vermuten Sabotage an Nord Stream Pipelines

Update vom 27. September, 11.45 Uhr: Die Lecks in der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 1 sind in dänischen und in den schwedischen Hoheitsgewässern aufgetreten. Wie bereits bei der Nord-Stream-2-Pipeline tritt das Gas in der Nähe der zu Dänemark gehörenden Insel Bornholm aus, wie die Behörden beider Länder am Dienstag mitteilten. Ein Leck in Nord Stream 1 befindet sich demnach auf dänischem und das andere auf schwedischem Gebiet.

Die Behörden in Deutschland und Dänemark suchen weiter nach der Ursache für die beiden Lecks. Die dänische Marine und deutsche Spezialisten bemühten sich um Aufklärung, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Dienstagmorgen aus Sicherheitskreisen. Bislang sei die Ursache für die Vorfälle nicht geklärt. Jedoch spreche einiges für Sabotage. Sollte es sich um einen Anschlag handeln, würde angesichts des technischen Aufwands eigentlich nur ein staatlicher Akteur infrage kommen.

Nach Nord Stream 2: Auch Druckabfall in Schwesterpipeline Nord Stream 1

Erstmeldung vom 26. September, 13.32 Uhr: Lubmin – Einen Tag nach der Gaspipeline Nord Stream 2 ist nun auch in der deutsch-russischen Energietrasse Nord Stream 1 der Druck stark gefallen. Betroffen sind beide Röhren von Nord Stream 1, wie das Unternehmen am Montagabend mitteilte. Demnach sank die Kapazität der Pipeline ungeplant auf null. Die Ursache werde untersucht.

Bundeswirtschaftsministerium (BMWK) und Bundesnetzagentur teilten übereinstimmend mit, man stehe miteinander und mit den betroffenen Behörden im Austausch, um den Sachverhalt aufzuklären. „Aktuell kennen wir die Ursachen für den Druckabfall nicht“, hieß es.

Nord Stream 2 als erstes von Druckproblemen betroffen

In der Nacht auf Montag war zuvor bereits in der Schwesterpipeline Nord Stream 2 ein solcher Druckabfall festgestellt worden, jedoch nur in einer der beiden Röhren. Im Laufe des Montags wurde hierfür von den zuständigen Marinebehörden ein Leck südöstlich der dänischen Insel Bornholm als wahrscheinliche Ursache identifiziert.

Nord Stream 2
Die Ostseepipeline Nord Stream 2 ist seit langem umstritten – jetzt gab es einen nächtlichen Zwischenfall in einer der Röhren. © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Die zuständige dänische Behörde gab am Montagnachmittag einen entsprechenden Hinweis heraus. Es sei ein Gasleck beobachtet worden. Das Leck sei gefährlich für die Schifffahrt und das Fahren innerhalb eines Bereichs von fünf Seemeilen von der besagten Position verboten. Eine große Gefahr für die Umwelt besteht aus Sicht der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zumindest kurzfristig nicht.

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