Die neuen starken Männer in Putins Russlands

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Zwei Männer, die als Wladimir Putins Ausputzer auftreten, suchen die Öffentlichkeit. Der eine ist Ramsan Kadyrow. Der Tschetschenenführer veröffentlicht Videos seiner Söhne, 14, 15 und 16 Jahre alt, halbwüchsige Burschen in Flecktarn. Erst schießen sie auf einem Übungsplatz mit Gewehren und einem Schützenpanzer. Dazu läuft Musik wie aus einem Actionfilm. Dann sieht man die Jungen in einem Graben zwischen Büschen, angeblich in der Ukraine. Jetzt schießen sie in Richtung eines unsichtbaren Feindes, feuern eine Panzerfaust ab. „Zum Schutz von Familie, Volk und Vaterland“, kommentiert Kadyrow.

Der andere ist Jewgenij Prigoschin. Der Geschäftsmann zeigt sich in einem Video mit vier Sträflingen im Dunkeln auf einer Terrasse. Als Einzigem in dem Clip fehlen ihm keine Gliedmaßen. Die Sträflinge sind für Prigoschin in Putins Krieg gezogen, wurden verstümmelt und begnadigt. Einer der Männer wurde verurteilt, weil er einen Richter mit Hantel und Schürhaken erschlagen hat. Jetzt fehlt ihm das rechte Bein unterhalb des Knies. „Der Rechtsbrecher wurde zum Kriegshelden“, sagt Prigoschin zu ihm.

Seit es für Russland in der Ukraine immer schlechter läuft, werden die Stimmen der beiden Gefolgsleute des Präsidenten immer lauter. Kadyrow und Prigoschin lassen keine Gelegenheit aus, einander zu verstärken, wenn einer von ihnen eine Meinung zu Putins „Spezialoperation“ äußert. „Völlig einverstanden mit der Meinung von Herrn Prigoschin“, kommentierte Kadyrow gerade dessen Beifall für die Entscheidung, Russlands Streitkräfte aus den nördlich des Dnipros gelegenen Teilen bei Cherson auf das südliche Flussufer zurückzuziehen. Prigoschin habe „sehr treffend bemerkt, dass Surowikin Tausende Soldaten gerettet hat, die faktisch umzingelt waren“.

General Sergej Surowikin ist der im Oktober vorgestellte Kommandeur der Invasionstruppen. Formal war der Rückzugsbefehl nicht seine Entscheidung und auch nicht die Putins, der sie eigentlich getroffen haben muss. Sondern die von Verteidigungsminister Sergej Schojgu. Doch Kadyrow und Prigoschin hatten Surowikins Ernennung vor einem Monat gepriesen. Zuvor hetzten beide gemeinsam gegen Russlands Militärführung, unterhalb des Oberbefehlshabers, Putin. Ein anderer in der Ukraine maßgeblicher, von Prigoschin und Kadyrow als unfähig dargestellter General soll gerade seinen Posten verloren haben.

Putins selbst ernanntem Fußsoldaten traut man alles zu

Beide Männer sind schon für sich genommen gefürchtet. Ihr über soziale Medien geführter Paarlauf lässt manche schon von einem „Tandem“ sprechen. Den 46 Jahre alten Tschetschenen und den eineinhalb Jahrzehnte älteren Russen eint mehr, als der erste Blick vermuten ließe. Beide sind Günstlinge in Putins System, mit Sonderstatus und direktem Draht zum Präsidenten. Beide verfügen faktisch über Privatarmeen. Beide sind machthungrige Außenseiter. Kadyrows Vater Achmat kämpfte einst für ein unabhängiges Tschetschenien, rief zum Dschihad gegen Russland auf. Im zweiten Tschetschenienkrieg, den Putin als Ministerpräsident 1999 begann, wechselte Achmat Kadyrow die Seiten und erhielt dafür die Macht in Grosny. 2004 wurde er im Fußballstadion der tschetschenischen Hauptstadt bei einem Bombenanschlag getötet.

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