Studie zeigt Überraschendes

Warum Musiker Schmerzen anders spüren als andere Menschen


01.10.2025 – 13:27 UhrLesedauer: 2 Min.

Wissenschaftlich bewiesen: Eine langjährige Erfahrung als Musiker verändert das Gehirn. (Quelle: Tom Merton/getty-images-bilder)

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Wer ein Instrument spielt, trainiert nicht nur die Finger, sondern auch das Gehirn. Eine neue Untersuchung zeigt: Musizieren kann sogar beeinflussen, wie stark wir Schmerzen empfinden.

Viele Menschen verbinden Musik mit Entspannung und Emotionen. Doch wie tief diese Verbindung ins Gehirn reicht, überrascht selbst Fachleute. Eine neue Studie zeigt: Musiker verarbeiten Schmerzen im Gehirn anders als Nichtmusiker. Ihr Vorteil: Sie fühlen weniger Schmerz und bleiben im Denken klarer, selbst wenn es wehtut.

Die Ergebnisse deuten auf eine bislang unterschätzte Schutzfunktion langjähriger Übung hin. Die Fähigkeit, ein Instrument zu spielen, verändert offenbar nicht nur motorische und kognitive Prozesse, sondern auch die Schmerzwahrnehmung.

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Musizieren trainiert das Gehirn. Das ist gut belegt. Wer regelmäßig ein Instrument spielt, verbessert unter anderem Feinmotorik, Gedächtnis und Sprachverarbeitung. Doch die Forschergruppe um Neurowissenschaftlerin Anna Zamorano von der Edith Cowan University in Australien wollte wissen: Was passiert, wenn wir gezielt Schmerz auslösen? Wie reagieren Musiker und Nichtmusiker darauf?

Dafür führten die Wissenschaftler ein kontrolliertes Experiment mit 40 Personen durch: die eine Hälfte mit langjähriger Musikerfahrung, die andere ohne. Um die Auswirkungen von Schmerzen zu testen, injizierten sie den Teilnehmern einen Wirkstoff in die Handmuskulatur. Dieser löst vorübergehende, muskelkaterähnliche Schmerzen aus, ist aber ungefährlich.

Vor der Injektion erstellte das Team mithilfe sogenannter Transkranieller Magnetstimulation (TMS) eine Karte der motorischen Hirnaktivität, die zeigt, wie genau das Gehirn einzelne Muskelbewegungen der Hand steuert. Diese Karte wurde an Tag 2 und Tag 8 nach der Schmerzauslösung erneut gemessen.

Das Ergebnis: Bereits vor dem Eingriff zeigte sich bei Musikern ein deutlich feiner abgestimmtes Gehirnmuster für Handbewegungen. Je mehr Stunden sie in ihrem Leben geübt hatten, desto präziser war diese Hirnkarte.

Nach der Schmerzinduktion wurden die Unterschiede noch deutlicher: Während sich bei Nichtmusikern die motorische Hirnaktivität deutlich verringerte – ein typisches Schutzsignal des Gehirns bei Schmerzen –, blieben die Muster bei den Musikern nahezu unverändert. Und mehr noch: Die Musiker berichteten insgesamt über deutlich weniger Schmerzempfinden.

Mit Musik gegen Schmerzen: Wer ein Instrument beherrscht, stärkt auch seinen Körper. (Quelle: chabybucko/getty-images-bilder)

Die Forscher vermuten, dass die jahrelange, hoch konzentrierte Übung beim Musizieren das Gehirn langfristig umstrukturiert, und zwar insbesondere in den Bereichen, die für Bewegung, Aufmerksamkeit und Schmerzverarbeitung zuständig sind. Dadurch kann das Gehirn Schmerzen besser ausgleichen oder sogar unterdrücken. Ähnliches wurde bereits bei professionellen Sportlern und Tänzern beobachtet.

Die Studienautoren betonen: Musik ersetzt keine Schmerztherapie. Aber sie zeigt eindrucksvoll, wie stark Training und Erfahrung unser Gehirn formen können, selbst in einem so grundlegenden Bereich wie dem Schmerzempfinden.

Langfristig könnte dieses Wissen helfen, neue Behandlungsansätze für Menschen mit chronischen Schmerzen zu entwickeln. Die Idee: Wenn gezielte Bewegung, etwa durch Musik, Tanz oder andere Formen der Körperarbeit, das Gehirn „umtrainieren“ kann, könnten solche Strategien fester Bestandteil moderner Schmerztherapien werden. Die Forschung dazu steht jedoch noch am Anfang.

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