Die Deutschen trinken immer weniger Bier. Die Brauerei Veltins wächst dennoch. Das Erfolgsrezept besteht nicht nur aus Pils.

Wenn man ein Unternehmen in der sechsten Generation führt, ist das ein Balanceakt zwischen Herkunft und Zukunft. Bei der Sauerländer Privatbrauerei C.&A. Veltins ist es nicht anders – und doch schafft es das Familienunternehmen derzeit als eines der wenigen der Bierbranche, gegen den Trend zu wachsen.

Zum 200-jährigen Bestehen 2024 gab es sogar ein Rekordergebnis: 3,36 Millionen Hektoliter Ausstoß und ein Umsatz von 459 Millionen Euro. Gegründet 1824 als kleine Landbrauerei in Grevenstein, ist Veltins bis heute vollständig in Familienbesitz. 1994 übernahm Susanne Veltins, Ururenkelin des Gründers Clemens Veltins, die Führung des Unternehmens, unterstützt von einem Geschäftsführerteam.

Ende 2024 zog sie sich aus der Geschäftsführung zurück, bleibt aber weiter alleinige Gesellschafterin und Inhaberin der Brauerei. Diese Eigentümerstruktur wird in Grevenstein als Vorteil gegenüber manch börsennotiertem Wettbewerber gesehen.

Die Hauptmarke der Privatbrauerei bleibt das klassische Veltins Pilsener, von dem rund 2,5 Millionen Hektoliter Ausstoß pro Jahr erzeugt werden – Tendenz steigend. Das spiegelt die generelle Vorliebe der Biertrinker für das Pils wider; laut dem Deutschen Brauer-Bund ist es immerhin mit etwa 50 Prozent Anteil der unangefochtene Marktführer unter den Bieren in Deutschland.

Bei Veltins kommen dazu Sorten wie die Biermix-Serie V+, alkoholfreie Biere und das Sauerländer Landbier Grevensteiner, mit dem die Brauerei dem Trend zu regionaler Authentizität entsprechen möchte.

Dass dies auf dem wankenden Biermarkt von Vorteil ist, bestätigt Nina Göllinger vom Deutschen Brauer-Bund: „Besonders mittelständische Familienbrauereien, die fest in ihrer Heimatregion verankert sind und auf beliebte Bierspezialitäten setzen, können sich erfolgreich auf dem Markt behaupten.“

Ein Überraschungserfolg ist das „Pülleken“, eine helle Sorte im Retro-Design, eingeführt im Jahr 2020. Dieses leichte Bier scheint einen Nerv bei einer jüngeren Zielgruppe zu treffen und ist laut dem Marktforschungsinstitut NielsenIQ im NRW-Ranking der Marktführer für Helles. 2025 wurde mit dem Radler namens „Zitröneken“ nachgelegt.

Nur die alkoholfreien Biere bereiten Veltins Sorgen. Denn auch wenn sie momentan voll im Trend liegen, können sie laut der Konzernspitze nur bedingt zur Stabilisierung des deutschen Biermarktes beitragen. „Alkoholfreie Biere sind allenfalls ein Pflaster, das die Schmerzen lindert. Ein Retter der strukturellen Krise der Brauwirtschaft sind sie nicht“, erklärt Vertriebschef Rainer Emig. Im Jahr 2024 konnten alkoholfreie Biere nur 36 Prozent der Marktverluste der alkoholhaltigen Sorten ausgleichen.

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