Geschichte des Aprilscherzes

Als die BBC Spaghetti an Bäumen wachsen ließ


Aktualisiert am 01.04.2025 – 05:30 UhrLesedauer: 3 Min.

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Spaghetti an Bäumen: Die BBC veräppelte in den 1950er-Jahren ihre Zuschauer, indem sie ihnen erzählte, Spaghetti würden auf Bäumen wachsen. (Quelle: Screenshot Youtube)

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Am 1. April 1957 sendete das renommierte BBC-Magazin „Panorama“ einen Beitrag zur besonders reichen Spaghetti-Ernte im Schweizer Tessin. Hunderte Briten erkundigten sich daraufhin nach Spaghetti-Bäumen.

Viele Medien denken sich regelmäßig für den 1. April skurrile Meldungen aus. So schickte etwa die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ 2012 ihre Leser in den April, indem sie ihnen berichtete, die Milchstraße werde nun in Schmidtstraße umbenannt – zu Ehren des Altbundeskanzlers Helmut Schmidt.

Die „Neue Zürcher Zeitung“ veräppelte ihre Leserschaft hingegen 2015 mit einem angeblich geplanten Handyverbot für Fußgänger. Dieses habe den Zweck, Unfälle zu vermeiden.

Als erster gezielt in Umlauf gebrachter Aprilscherz eines Mediums gilt eine Fernsehreportage der BBC von 1957 (siehe Video). Darin werden Bilder der „Spaghetti-Ernte“ im Tessin gezeigt: Erntearbeiterinnen pflücken die Nudeln von den Bäumen. Damals waren Spaghetti bei Weitem nicht so verbreitet wie heute. Viele Zuschauer gingen somit der BBC auf den Leim. Hunderte fragten nach, wo sie die Pflanzen kaufen könnten.

Aber auch Freunde und Bekannte spielen sich zum Aprilanfang gerne Streiche. Die Möglichkeiten sind dabei schier unbegrenzt – Salz in den Zuckerstreuer füllen, einen Berliner mit Senf anbieten oder die Sprache auf dem Smartphone des Partners auf Rumänisch stellen.

Woher der Brauch stammt, an diesem Tag Freunde und Bekannte zu veralbern, ist nicht eindeutig zu beantworten. Die Redewendung „in den April schicken“ wurde wohl schon 1618 in Bayern bezeugt. Möglicherweise begann der Brauch aber schon viel früher.

Eine weitverbreitete Theorie zur Herkunft des Aprilscherzes geht auf die Kalenderreform des französischen Königs Karl IX. zurück. Der französische Regent verlegte den Neujahrstag 1564 vom 1. April auf den 1. Januar. Manche Menschen sollen es amüsant gefunden haben, ihre Einladungen zu Feiern am Neujahrstag trotzdem weiterhin zum 1. April zu verschicken. Wer daraufhin tatsächlich zum scheinbaren Neujahrsfest am 1. April erschien, wurde als Narr verspottet. Von Frankreich aus sollen sich die Scherze in andere europäische Länder verbreitet haben. Vermutlich waren es Soldaten, die sie weitertrugen.

Ein anderer möglicher Ursprung hat ebenfalls mit einem König zu tun. Im 17. Jahrhundert soll der französische König, Heinrich IV., veräppelt worden sein. Er erhielt am 1. April von einer jungen Frau aus dem einfachen Volk eine Einladung zu einem Rendezvous. Heinrich IV. soll dieser nachgekommen und zu einem abgelegenen Lustschloss gefahren sein, wo die Verehrerin warten wollte.

Allerdings empfing ihn dort nicht die junge Dame, sondern seine Gemahlin, Königin Maria de Medici. Zudem soll sich der gesamte Hofstaat dort versammelt haben. Der König wurde bloßgestellt. Seine Frau bedankte sich in ironischem Ton bei ihm, dass er der Einladung zum „Narrenball“ gefolgt sei.

Eine andere Erklärung geht auf einen Erlass im Augsburger Reichstag aus dem Jahre 1530 zurück. Damals wurde beschlossen, das staatliche Münzwesen zum 1. April 1540 zu vereinheitlichen. Das rief Spekulanten auf den Plan, die Währungsschiebereien vorbereiteten. Letztlich waren sie die „Angeschmierten“ – denn der Termin wurde kurz vor dem Stichtag verschoben.

Möglicherweise geht der Brauch aber auch bis in die antike Zeit zurück und hat seinen Ursprung dort in einem römischen Fest. Die sogenannte Quirinalia soll in Erwartung des Frühlings gefeiert worden sein. Sie wird auch als Fest der Dummen und Narren bezeichnet. Zu Ehren des Gottes Quirinus zogen die Menschen dabei singend und tanzend durch die Straßen Roms. Ursprünglich feierten die Römer die Quirinalia am 17. Februar, ehe das Fest infolge mehrerer Kalenderreformen auf den 1. April verschoben wurde.

Wo wir schon einmal in der Antike sind: Im alten Germanien gehörte der Aprilscherz ebenfalls zu den Frühlingsbräuchen. Der Narr, der einem Schabernack zum Opfer gefallen war, galt als Symbol des Winters. Der bereits eingetretene Frühling konnte mit ihm machen, was er wollte.

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