Besonders zwei Bereiche leiden

„Stagniert vor sich hin“: Stimmung in deutscher Wirtschaft schlechter

24.11.2025 – 13:00 UhrLesedauer: 2 Min.

Clemens Fuest: Der Ifo-Chef berichtet von eingetrübter Stimmung in der deutschen Wirtschaft. (Quelle: IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON/imago)

Für ihre künftigen Geschäfte sind die deutschen Unternehmen skeptischer. Das hat Auswirkungen auf die Stimmung in der Industrie.

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich überraschend verschlechtert. Experten verweisen unter anderem auf Unsicherheiten mit Blick auf die Verwendung der milliardenschweren Investitionen des Staates, die eigentlich für Infrastruktur und Rüstung vorgesehen. Im November fiel das Ifo-Geschäftsklima um 0,3 Punkte auf 88,1 Punkte, wie das Münchner Forschungsinstitut am Montag mitteilt. Analysten hatten hingegen mit einem Anstieg auf 88,5 Punkte gerechnet.

„Die deutsche Wirtschaft zweifelt an einer baldigen Erholung“, kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest das Ergebnis der Umfrage. Ifo-Experte Klaus Wohlrabe sagte der Nachrichtenagentur Reuters: „Es fehlt an Dynamik, die Wirtschaft stagniert vor sich hin.“ Gesunken ist etwa die Stimmung im Handel. „Vorfreude auf das Weihnachtsgeschäft sieht anders aus“, sagte der Ifo-Umfragechef dazu. Die Daten signalisierten einen enttäuschenden Start in die für viele Händler so wichtige Zeit, in der sie einen Großteil ihres Jahresumsatzes einfahren.

„Früher konnte sich Deutschland aus Krisen herausexportieren“, sagte Wohlrabe. „Das fällt nun weg.“ Die Exporterwartungen der Unternehmen seien gesunken. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit gerate unter die Räder. „Unser Wirtschaftsmodell steht strukturell unter erheblichem Druck.“

Ausschlaggebend für den Rückgang des wichtigsten deutschen Konjunkturbarometers war die schlechtere Einschätzung der künftigen Geschäfte. Insbesondere in den Industriebetrieben haben die Erwartungen einen deutlichen Dämpfer erhalten. Die rund 9.000 befragten Unternehmen haben die aktuelle Lage aber etwas besser eingeschätzt als im Vormonat.

Eine bessere Stimmung zeigte sich auch im Bereich Dienstleistungen. Hier hat sich die Stimmung insgesamt weiter aufgehellt, wobei es eine deutliche Verbesserung in der Tourismusbranche gab. Im Bereich Handel und in der Bauwirtschaft verzeichnete das Ifo-Institut dagegen jeweils Stimmungsrückgänge.

Mit den Ifo-Daten werde deutlich, dass die Unternehmen weiterhin eher mit einer Stagnation der deutschen Wirtschaft rechnen, sagte Chefvolkswirt Ulrich Kater von der Dekabank. „Die Diskussionen über eine Zweckentfremdung von Investitionsmitteln zugunsten von konsumtiven Ausgaben im Bundeshaushalt dürften nicht förderlich gewesen sein.“

Auch nach Einschätzung des Chefvolkswirts Thomas Gitzel von der VP Bank kann von einem Konjunkturoptimismus mit Blick auf das Jahr 2026 kaum eine Rede sein. Der im längerfristigen Vergleich niedrige Stand des Ifo-Geschäftsklimas deute darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr nur verhalten wachsen dürfte.

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