
Einflussreiches Sexualhormon
Was hat Östrogen mit Migräne zu tun?
Aktualisiert am 13.01.2026 – 10:15 UhrLesedauer: 4 Min.
Dass mehr Frauen als Männer Migräne haben, scheint am Sexualhormon Östrogen zu liegen. Was dafürspricht und was Betroffenen hilft, erfahren Sie hier.
Menschen mit Migräne entwickeln für gewöhnlich wiederholt anfallartige, oft einseitige und heftige Kopfschmerzen, die sich typischerweise durch körperliche Aktivität verstärken. Begleitend können unter anderem Übelkeit, Erbrechen, Lichtscheu und Lärmempfindlichkeit auftreten. Ohne Behandlung dauert ein solcher Migräneanfall 4 bis 72 Stunden.
Manchmal kündigt sich Migräne bereits bis zu zwei Tage vorher mit Symptomen wie Abgeschlagenheit, Konzentrationsstörungen und Stimmungsschwankungen an, die noch bis zu zwei Tage nach Abklingen der Kopfschmerzen anhalten können. Außerdem erleben manche Betroffene vor Beginn der Schmerzen eine Aura mit vorübergehenden neurologischen Beschwerden wie Kribbeln an Armen oder Beinen, Sehstörungen und/oder Schwindel, seltener auch mit Lähmungen.
Kein Wunder, dass Migräne den Alltag stark beeinträchtigen und zu Arbeitsunfähigkeit führen kann. Diese gesundheitliche Last ist allerdings ungleich verteilt, nämlich auf rund 8 Prozent der Männer und bis zu 20 Prozent der Frauen. Hinzu kommt, dass Migräneanfälle bei Frauen in kürzeren Abständen erfolgen und schwerer verlaufen, was die gesundheitliche Einschränkung und die Erholungsdauer erhöht. Ein Hauptgrund für die geschlechtsabhängige Häufigkeit von Migräne ist wohl Östrogen.
Migräne hat vermutlich erbliche Ursachen. Wie sie genau entsteht, ist jedoch unklar. Vieles weist darauf hin, dass der Östrogenspiegel mit den Kopfschmerzen und sonstigen Migränesymptomen zusammenhängen kann. So sind Mädchen und Jungen vor der Pubertät noch in gleichem Maße von der Erkrankung betroffen.
Erst ab der Pubertät (das heißt, wenn in den Eierstöcken die Bildung von Östrogen einsetzt) steigt die Häufigkeit von Migräne bei Frauen deutlich stärker als bei Männern. Zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr haben dann bis zu 3-mal mehr Frauen als Männer Migräneanfälle, wobei der Unterschied um das 30. Lebensjahr am größten ist.
Bei Frauen verändert sich das Risiko für Migräne demnach in einem zeitlichen Verlauf, der ihren hormonellen Lebensphasen entspricht. Dabei gilt ein durch Hormonschwankungen entstehender Östrogenmangel als Auslöser der Kopfschmerzen.
So macht sich Migräne gehäuft kurz vor oder während der Menstruation, nach einer Entbindung oder im Zeitraum um die letzte Menstruation (Menopause) herum bemerkbar – also dann, wenn der Östrogenspiegel abfällt. Bei manchen Frauen treten Migräneanfälle hauptsächlich oder sogar ausschließlich im zeitlichen Zusammenhang mit der Menstruation auf. In letzterem Fall sprechen Fachleute von einer menstruellen Migräne. Diese verläuft meist ohne Aura, aber üblicherweise besonders schwer.
Auch wer Hormone zur Verhütung einnimmt und regelmäßig pausiert, um den natürlichen Menstruationszyklus nachzuahmen, ist anfälliger für Migräne: Enthält die Antibabypille Östrogen in höheren Dosen, besteht im Zeitraum um die Menstruation herum aufgrund des starken Östrogenabfalls ein höheres Risiko für Migräneanfälle.
Werden Frauen mit Migräne schwanger, kommt es hingegen größtenteils zu einem Rückgang ihrer Migräneanfälle. Vor allem ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel stehen die Chancen gut, dass sich die Kopfschmerzerkrankung bessert. Als Hauptgrund hierfür sehen Fachleute unter anderem den dann stabileren Östrogenspiegel. In der Stillzeit melden sich die Beschwerden jedoch oft in der gleichen Häufigkeit und Schwere zurück wie vor der Schwangerschaft.



