Im Falle eines Unglücks

Welcher Sitzplatz im Zug ist am sichersten?


28.07.2025 – 10:41 UhrLesedauer: 2 Min.

Ein Nahverkehrszug in Hessen: Häufig finden Reisende nicht einmal einen Sitzplatz. (Quelle: IMAGO/Zoonar.com/Stefan Ziese/imago)

Züge gelten als sehr sichere Verkehrsmittel. Wer es ganz genau nehmen will, kann bei der Wahl des Sitzplatzes einige Überlegungen einfließen lassen.

Zugreisen gelten im Allgemeinen als sehr sichere Form der Fortbewegung. Im Jahr 2022 verletzten sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nur 250 Fahrgäste im Zusammenhang mit Zugunglücken, acht starben. Zum Vergleich: Im selben Jahr starben in Deutschland 2.788 Menschen bei Unfällen mit Autos.

Dass sich in den Fahrgasträumen ein Passagier verletzt oder gar ums Leben kommt, ist selten. Deshalb lässt sich pauschal auch kein sicherster Sitzplatz benennen, so die „Initiative der Mitteldeutschen Regiobahn (MRB)“. Es hängt nicht nur vom konkreten Unfallgeschehen ab, sondern auch von der Art des Zuges, so die Experten.

Bei einem Frontalzusammenstoß seien die hinteren Waggons in der Regel am wenigsten betroffen, da der Großteil der Aufprallenergie bereits weiter vorn abgefangen wurde. Kommt es hingegen zu einem Auffahrunfall, sind die vorderen Bereiche des ersten Zuges tendenziell besser geschützt.

Manchmal entgleist auch der mittlere Teil des Zuges und kippt um. In diesem Fall können Sitzplätze an den Fenstern die gefährlichsten sein. Eine generelle Empfehlung ist also schwierig. Anders als im Flugzeug, wo es klare Daten zu besonders sicheren Sitzplätzen gibt (lesen Sie dazu hier weiter), fehlen für Züge verlässliche Studien oder Statistiken zu diesem Thema.

Es gibt jedoch einige Überlegungen, die dabei helfen können, einen möglichst sicheren Platz auszuwählen:

Ja. Seit 2008 gilt in Europa die Norm DIN EN 15227, die Sicherheitsanforderungen an den Wagenkasten festlegt und damit an den strukturellen Aufbau der Züge. Diese Norm schreibt unter anderem vor, dass Züge bestimmte Belastungstests bestehen müssen, etwa bei Kollisionen mit Objekten.

Je nach Zugtyp – S-Bahn, Regionalzug oder Hochgeschwindigkeitszug – gelten unterschiedliche Crashanforderungen. Komponenten wie besonders stabile Rahmen, Energieabsorber und Puffer sollen gewährleisten, dass Aufprallkräfte gezielt aufgenommen und abgeleitet werden.

Bei den Crashtests wird ein Zug mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten gegen Hindernisse gelenkt. Dabei wird gemessen, wie gut das Fahrzeug die Kräfte verkraftet. Auch nach der Zulassung gibt es regelmäßige Sicherheitsüberprüfungen.

Nicht zwangsläufig. Denn alle Züge, egal welchen Baujahrs, unterliegen in Deutschland strengen Wartungs- und Prüfintervallen. Dabei wird kontrolliert, ob sie den aktuellen Sicherheitsstandards entsprechen. Werden Mängel festgestellt, werden sie behoben. Nur technisch einwandfreie Fahrzeuge dürfen fahren.

Sicherlich könnten Sicherheitsgurte bei bestimmten Unfällen Verletzungen verhindern. Allerdings ist davon auszugehen, dass viele Fahrgäste sie nicht benutzen würden. Der Komfort beim Zugfahren, vor allem die Bewegungsfreiheit, zählt für viele Reisende zu den größten Vorteilen.

Zudem wäre eine Gurtpflicht in vollen Zügen kaum durchsetzbar: In überfüllten Wagen stehen viele Menschen ohnehin. Ein verpflichtender Gurt würde also zu einer ungleichen Verteilung der Sicherheit führen.

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