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You are at:Home»Finanzen»Schnitzel, Steak und Pommes – das wird teuer
Finanzen

Schnitzel, Steak und Pommes – das wird teuer

wochentlich.deBy wochentlich.de12 Dezember 2023Keine Kommentare4 Mins Read
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Schnitzel, Steak und Pommes – das wird teuer
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Die Gastronomie ist ein sozialer Ankerpunkt der Menschen – ein Ort zum Verweilen. Die Rückkehr zur alten Mehrwertsteuer könnte das ändern.

Aufatmen bei deutschen Bars, Hotels und Restaurants: Der Umsatz legte laut Statistischem Bundesamt im September um 2,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat zu. Auch preisbereinigt lag das Umsatzwachstum immer noch bei zwei Prozent. Doch mit diesem Schwung könnte es schnell wieder vorbei sein: Ab 1. Januar 2024 soll die Mehrwertsteuer auf Speisen wieder auf 19 Prozent angehoben werden. Wird das Essen im Restaurant im nächsten Jahr für Normalverdiener also unbezahlbar?

Verband kritisiert die Entscheidung

Die Steuererhöhung auf den Normalsatz von 19 Prozent ist aus Sicht des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) eine „Katastrophe für die Betriebe“. Seiner Ansicht nach führt das zu einem Preisschock für die Gäste. 12.000 Betrieben drohe das Aus, mahnte Dehoga-Präsident Guido Zöllick.

„Wir wollen, dass Gastronomie bezahlbar bleibt sowie die kulinarische Vielfalt und Esskultur in unserem Land erhalten werden.“ Deshalb fordert der Verband, die verringerte Mehrwertsteuer von 7 Prozent dauerhaft beizubehalten.

Die damals regierende Koalition aus CDU und SPD hatte aufgrund der harten Einschnitte für die Branche infolge der Pandemie die Mehrwertsteuer für Essen in Restaurants und Gaststätten zum 1. Juli 2020 zunächst für ein Jahr auf 7 Prozent gesenkt und diese Regelung dann bis Ende 2023 verlängert. Dem Finanzministerium entgingen dadurch geschätzte 3,4 Milliarden Euro.

Preise sind gestiegen

Dass Schnitzel, Pommes und Co. 2024 teurer werden könnten, liegt aber nicht allein an der Mehrwertsteuer. Gestiegene Personalkosten, Inflation, höhere Energie- und Einkaufspreise sind mindestens genauso verantwortlich für die teils enormen Preissteigerungen. Fleisch für Schnitzel hat sich seit 2019 um 25 Prozent verteuert, Pommes um 68 Prozent, der Preis für Paniermehl hat sich verdoppelt.

Der Mindestlohn wird im kommenden Jahr von 12 Euro auf 12,41 Euro steigen – das sind gerundet zwar nur 3,42 Prozent, aber das Personal ist knapp. Gastronomen müssen mehr bieten als den Mindestlohn. Nur die Lage im Energiesektor hat sich etwas entspannt. In Summe hat sich der Wareneinsatz für ein klassisches Schnitzelgericht um 33 Prozent erhöht.

Schnitzel und Pommes bald 20 Euro?

Mit 73 Prozent ist das Schnitzel das Lieblingsgericht der Deutschen, gefolgt von Rouladen und Braten. Kostete ein Schnitzel mit Pommes vor der Corona-Pandemie durchschnittlich noch 13,50 Euro, werden heute in einigen Restaurants bereits 18 Euro dafür verlangt. Steigt nun die Mehrwertsteuer auf 19 Prozent, müsste das Gericht 20 Euro kosten – und hier sind die höheren Personalkosten noch nicht einberechnet.

Was die nun anstehende Steueranpassung konkret für die Preise in der Speisekarte bedeutet, wird an weiteren Beispielen deutlich.

  • Ein Salat für jetzt 10,70 Euro kostet bald 11,90 Euro.
  • Für ein Nudelgericht für aktuell 15 Euro sind bald 16,68 Euro fällig.
  • Der Preis für beispielsweise ein Steak erhöht sich von 25 Euro auf 27,80 Euro.

In jedem Restaurant stehen Gerichte auf den Speisekarten mit höheren und niedrigeren Margen. Üblich sind zwischen 17 und 36 Prozent. Doch je höher die Fixkosten eines Betriebes sind, desto geringer ist der Verdienst. Die Getränke sollen die geringen Gewinnmargen ausgleichen, aber das funktioniert schon lange nicht mehr, wenn zu viele Gerichte unrentabel werden.

Vergünstigung ist sozial problematisch

Ökonomen begrüßen die Anhebung der Mehrwertsteuer von 7 auf 19 Prozent. Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass die Argumente der Gastrobranche für eine Entfristung der Steuersubventionen schwach und widersprüchlich seien. „Diese sehr teure Vergünstigung ist sozial problematisch, weil sie besonders den Wohlhabenden zugutekommt“, sagte Heinemann.

Ebenso kritisch äußerte sich die Vorsitzende des Sachverständigenrates, Monika Schnitzer. „Es ist einfach nicht gut zu vermitteln, dass eine bestimmte Branche jetzt dauerhaft so stark unterstützt wird, indem man die Mehrwertsteuer absenkt“, sagte die Wirtschaftweise im Deutschlandfunk. Man müsse sich fragen, welche Branchen in der neuen Situation dauerhaft Schwierigkeiten hätten und nur mit Subventionen überleben könnten. „Da muss es dann schon einen Strukturwandel geben“, sagte die Ökonomin. Das müsse auch für die Gastronomie gelten.

Gründe für Optimismus

Ob sich das Sterben der Dorfgasthäuser beschleunigt und ob die Gäste sich das Essen lieber nach Hause liefern lassen, statt ins Restaurant zu gehen, wird das kommende Jahr zeigen. Grund für Optimismus gibt es aber genug: Nach zahlreichen Lohnerhöhungsrunden haben die Menschen wieder mehr Geld in der Tasche, die Inflation ist auf dem Rückzug und die Energiepreise sinken.

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