Schokoladen-Gigant
Ritter Sport verklagt kleine Firma – das ist der Grund
18.11.2025 – 05:21 UhrLesedauer: 4 Min.
Ein kleiner Snack-Hersteller aus Mannheim bringt eine Schokolade mit Lokalbezug auf den Markt. Doch dann erhält er plötzlich Post von einem Großunternehmen.
Der Haferriegel schmeckt süß, ist weich, mit Stücken von Kakaobohnen. Er enthält laut dem Hersteller Wacker getrocknete Datteln, Vollkorn-Haferflocken und Haselnussmus. Auf der Verpackung steht „Monnemer Quadrat Bio“. „Die Mannheimer Innenstadt ist ja in Quadraten angeordnet“, sagt Matteo Wacker, Gründer der Wacker GmbH in Mannheim. „Wir fanden die Idee einfach cool, zu sagen, es gibt ein Mannheimer Quadrat, also dieses Quadrat in der Innenstadt, zum Snacken.“
Die Verpackung des quadratischen Haferriegels erinnert allerdings an die der quadratischen Ritter-Sport-Tafel, obwohl sie kleiner als die klassische 100-Gramm-Version ist und die Seitenlaschen länger. Vor einem Jahr brachte das Familienunternehmen Wacker mit seinen rund 30 Mitarbeitern das Produkt auf den Markt. Im Januar erhielten sie Post vom Schokoladenhersteller Ritter Sport aus Waldenbuch, wie Wacker erzählt.
Ritter Sport sieht nach eigenen Angaben seine dreidimensionale Marke bedroht. Eine Klage auf Unterlassung folgte. Heute wird der Fall vor dem Landgericht Stuttgart (11.00 Uhr) verhandelt.
Laut Gericht verlangt Ritter Sport unter anderem, dass Wacker sein Produkt mit der aktuell verwendeten quadratischen Verpackung nicht mehr verkauft sowie den Rückruf der bereits verkauften Produkte.
„So eine Klage ist natürlich extrem belastend“, sagt Wacker. 2017 hat der Wirtschaftsinformatiker mit seiner Frau Melanie das Unternehmen mit der Marke „bleib wacker“ gegründet. Die Idee sei gewesen, möglichst unverarbeitete Lebensmittel herzustellen, erzählt der 33-Jährige im Kapuzenpullover mit Firmenlogo. Mittlerweile habe das Unternehmen mehr als 120 Produkte im Angebot – von Fertigsuppen bis Fruchtriegel.
„Wir stehen für all das, was wir tun“, sagt Wacker. Vor allem: „Wir haben schon ein gewisses Gerechtigkeitsbewusstsein, meine Frau und ich. Und wenn jemand einfach was Unrechtes von uns fordert, dann müssen wir uns dagegen wehren.“ Immerhin verkauften sie einen Haferriegel und keine Schokolade.
Das „Monnemer Quadrat Bio“ wird südlich von Ulm hergestellt, in Mannheim abgepackt und von dort ausgeliefert. Am Anfang verkaufte das Unternehmen nach eigenen Angaben 12.000 der Haferriegel in rund zwei Monaten – vor allem online. Mittlerweile haben Wackers die Produktion wegen des Rechtsstreits zurückgefahren.
„Das Risiko ist natürlich immens für uns“, sagt Wacker zu der Klage. „Allein die Prozesskosten wären, wenn es bis zur dritten Instanz ginge, bei um die 80.000 Euro.“ Viel höher könnten demnach mögliche Schadensersatzforderungen sein, zudem gäbe es Kosten für Rückruf und Vernichtung. Zum Umsatz der GmbH macht Wacker keine Angaben. Das Unternehmen sei profitabel, sagt er.
