Missbrauchsopfer klagt gegen Kirche

„So widerwärtig, dass man es kaum erzählen kann“


11.12.2025 – 17:07 UhrLesedauer: 2 Min.

Millionenklage gegen das Erzbistum Köln

Hardy bei der Pressekonferenz am Donnerstag: Er beschuldigt mehrere Priester aus dem Erzbistum Köln, ihn sexuell missbraucht und gequält zu haben. (Quelle: Oliver Berg/dpa/dpa-bilder)

Dem Erzbistum Köln droht eine erneute Missbrauchsklage. Die Vorwürfe gegen mehrere Priester erreichen eine neue Dimension.

Hardy senkt zunächst häufig seinen Kopf, dann weint er bitterlich. Wenn seine Anwälte von den Gräueltaten erzählen, die er seinen Peinigen vorwirft, kommen sichtlich Erinnerungen hoch. Mehr als acht Jahre lang, zwischen seinem neunten und siebzehnten Lebensjahr, soll er von mehreren Pfarrern und Priestern im Erzbistum Köln missbraucht worden sein. In ihrer Klage sprechen die Anwälte von mehreren Tausend Fällen von sexuellem Missbrauch. „Es ist so schlimm, so widerwärtig, dass man es kaum erzählen kann“, sagt sein Anwalt Manfred Schmitz.

Gemeinsam mit Lothar Jaeger, ehemaliger Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht Köln, kämpft Schmitz für Gerechtigkeit für Hardy. Die beiden Anwälte fordern dabei ein Schmerzensgeld in einer Dimension, die selbst für den Missbrauchsskandal innerhalb der katholischen Kirche einmalig ist: Rund eine Million Euro soll das Erzbistum Köln an Schmerzensgeld an Hardy zahlen.

Seinen richtigen Namen möchte der 70-Jährige nicht nennen. Er hofft aber, dass durch die Klage weitere Opfer Mut finden, an die Öffentlichkeit zu gehen. „Mich stört, dass das Erzbistum immer nur von Einzelfällen redet. Dabei habe ich es selbst erlebt, dass mehrere Kinder von mehreren Priestern missbraucht worden sind.“ Laut Angaben seiner Anwälte sei Hardy teilweise mehrmals die Woche, in einigen Zeiträumen sogar täglich, von Priestern missbraucht worden.

Für die Taten einiger der genannten Priester hat sich das Erzbistum Köln bereits vor einigen Jahren öffentlich entschuldigt, dennoch gehen Experten von einer hohen Dunkelziffer an Fällen aus. „In der Fülle sind die nun erhobenen Vorwürfe neu und einmalig“, sagte Lothar Jaeger bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Die Anwälte hätten ihre Klage am Mittwoch beim Landgericht Köln eingereicht, erklärten sie weiter.

Hardy wirft dem Erzbistum vor, jahrelang missbraucht und teils auch anderen Priestern zur Prostitution angeboten worden zu sein. Die Täter sollen ihn dann in einem Wohnwagen missbraucht haben. Die Anwälte stützen ihre Anschuldigungen auf teils umfassende und detaillierte Schilderungen von Hardy. So soll es auch Missbrauchsfälle in Belgien, den Niederlanden oder dem Ruhrgebiet gegeben haben.

Hardy hat nach eigenen Angaben bereits 60.000 Euro als freiwillige Entschädigung vom Erzbistum Köln bekommen. Diese Summe hält er angesichts der Vielzahl der von ihm geschilderten Taten für viel zu niedrig. Sollte die Klage Erfolg haben, wäre es die bis dato höchste Schmerzensgeldzahlung im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland.

Das Erzbistum Köln teilte auf Anfrage mit: „Der Fall ist dem Erzbistum grundsätzlich bekannt und wird von den zuständigen Stellen sorgfältig behandelt. Wir bitten um Verständnis, dass wir uns zu laufenden Verfahren nicht äußern. Die Klage ist bei uns bisher nicht eingegangen.“

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