Fahnenstange gegen Polizeireiter
Böller, Vermummung, Angriffe: Pro-kurdische Demo eskaliert
21.01.2026 – 03:19 UhrLesedauer: 2 Min.
Tausende demonstrieren in Hannover wegen der Lage in Syrien. Als Teilnehmer Absperrungen durchbrechen wollen, eskaliert die Situation. Es kommt zu Angriffen.
Die Polizei hat am Dienstagabend eine pro-kurdische Demonstration in der Hannoveraner Innenstadt aufgelöst. Zuvor hatten Teilnehmer Einsatzkräfte mit Böllern beworfen, Absperrungen zu durchbrechen versucht und einen berittenen Beamten mit einer Fahnenstange attackiert. Zwei Personen wurden vorläufig festgenommen.
Der Protest richtete sich gegen die aktuelle Situation in Nord- und Ostsyrien. Dort liefern sich die Streitkräfte der neuen syrischen Führung seit Tagen Gefechte mit den kurdisch dominierten SDF-Milizen. Bereits am Montag hatten sich rund 600 Menschen zu einer unangemeldeten Versammlung am Ernst-August-Platz eingefunden. Dabei wurde Pyrotechnik gezündet und verbotene Symbole gezeigt.
Weil die Polizei Hinweise auf eine erneute Versammlung hatte, zeigte sie am Dienstag verstärkte Präsenz in der Innenstadt. Ab etwa 16.10 Uhr sammelten sich erneut Menschen am Ernst-August-Platz. Zunächst zählte die Polizei rund 1.600 Teilnehmer, im weiteren Verlauf wuchs die Menge auf etwa 3.000 Personen an.
Die Versammlung setzte sich als Aufzug in Richtung Goseriedeplatz in Bewegung. Dabei verhielten sich die Teilnehmer laut Polizei zunehmend unkooperativ und missachteten Beschränkungen. In der Schillerstraße versuchten demnach mehrere Hundert Personen, eine Polizeiabsperrung zu durchbrechen. Unbekannte vermummten sich in der Menge und bewarfen Einsatzkräfte mit Böllern. Auch verbotene Symbole und Fahnen wurden gezeigt.
Nach Einschätzung der Polizei hatte die Versammlungsleiterin zu diesem Zeitpunkt keinen Einfluss mehr auf das Geschehen. Gegen 18.20 Uhr fiel daher die Entscheidung, die Versammlung aufzulösen. Einsatzkräfte aus ganz Niedersachsen bildeten daraufhin Ketten und drängten die Menge mit körperlicher Gewalt zurück. Die Teilnehmer zerstreuten sich daraufhin in größeren Gruppen.
Gegen 19.40 Uhr nahm die Polizei zwei Personen vorläufig fest. Einem Tatverdächtigen wird vorgeworfen, einen Polizeireiter mit einer Fahnenstange angegriffen zu haben. Nur durch eine Abwehrreaktion konnte der Beamte einen Schlag gegen seinen Kopf verhindern. Eine weitere Person soll Einsatzkräfte mit einer Flasche beworfen haben. Gegen beide wurden Strafanzeigen erstattet.
Hinweise auf Verletzte lagen zunächst nicht vor. Die Polizei leitete weitere Ermittlungsverfahren ein – unter anderem wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Verstößen gegen das Versammlungsgesetz. Noch um 22.30 Uhr war am Ernst-August-Platz eine deutliche Polizeipräsenz zu sehen, wie die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ berichtet.
Nicht nur in Hannover gingen Menschen auf die Straße: In Bremen versammelten sich am selben Abend nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa rund 2.000 Demonstranten, um gegen die Gewalt an der Zivilbevölkerung in Syrien zu protestieren.
