„Klatsche“ für SPD
Sie gewinnt OB-Wahl deutlich – sucht aber noch eine Wohnung
Aktualisiert am 13.10.2025 – 08:33 UhrLesedauer: 3 Min.
Seit 1990 stellt die SPD das Stadtoberhaupt in Potsdam. Doch nun unterliegt ihr Kandidat bei der Wahl haushoch. Die Siegerin erregt derweil mit einer Botschaft auf ihrem T-Shirt Aufsehen.
Die SPD verliert in Potsdam nach 35 Jahren den Posten des Oberbürgermeisters. Bei der Stichwahl in der brandenburgischen Landeshauptstadt konnte die parteilose Kandidatin Noosha Aubel triumphieren: Sie bekam 72,9 Prozent der Stimmen. SPD-Kandidat Severin Fischer blieb mit 27,1 Prozent chancenlos, wie aus dem vorläufigen Ergebnis hervorgeht.
Auch in Frankfurt an der Oder siegte ein parteiloser Kandidat: In der viertgrößten Stadt Brandenburgs gewann Axel Strasser die Oberbürgermeister-Stichwahl gegen den AfD-Kandidaten Wilko Möller.
In Potsdam wurde die jubelnde Wahlsiegerin Aubel mit dem Sprechchor „Noosha, Noosha, Noosha“ empfangen. „Ich bin ehrlich gesagt überwältigt im Moment.“ Sie gewann alle 131 Wahlbezirke und wird die erste Frau an der Potsdamer Rathausspitze seit 1984. „Das macht mich unfassbar glücklich, dass die Menschen Veränderung gewählt haben.“ Vor dem spannenden Abend ging sie am Wahltag ins Kino – „das war eine ganz gute Ablenkung“.
Besonders gefeiert wurde ihr weißes T-Shirt, auf dem in pinkfarbener Schrift stand: „Wir sind Oberbürgermeisterin.“ Auf der Rückseite war gedruckt, dass sie eine Wohnung in Potsdam sucht. Für sie, ihren Mann, den sie scherzhaft als Potsdams „First Lady“ bezeichnete, und ihre Töchter steht nun ein Umzug bevor, denn aktuell arbeitet sie noch als Dezernentin in Flensburg.
Wie sollte ihre erste Bilanz aussehen? „In 100 Tagen sollte deutlich werden, dass ich das, was ich zugesagt habe, eingelöst habe, dass ich nach wie vor zum Gespräch bereit bin, greifbar bin, dass ich die ersten Beteiligungsformate entwickelt habe.“
Als Erstes wolle sie jetzt mit Kolleginnen und Kollegen im Haus sprechen, wie sie die Transformation der Verwaltung gemeinsam hinbekommen. Ganz oben auf der Agenda stehe das Thema Wohnraum. Sie möchte prüfen, wie bestehender Wohnraum besser genutzt und verteilt werden könne, sagte Aubel. „Wir werden auf jeden Fall nachverdichten müssen. Wir werden auch Neubau ertüchtigen müssen und das gemeinsam mit starken Partnern, die wir aber so binden, dass die Mieten eben bezahlbar bleiben.“
Gedrückte Stimmung herrschte beim Wahlverlierer: „Es ist schon Enttäuschung da“, sagte der SPD-Kandidat Severin Fischer. Allerdings sei er angesichts der Abwahl des früheren SPD-Oberbürgermeisters im Mai dieses Jahres mit einer „Hypothek“ in den Wahlkampf gegangen. Ist für den Berliner Wirtschaftsstaatssekretär damit die Episode Potsdam abgehakt? „Ein Stück meines Herzens gehört dieser Stadt“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa.
