
„Das hat gut geklappt“
Plötzlich erhält sie den Vorzug
29.10.2025 – 09:30 UhrLesedauer: 3 Min.

Vor der EM zog Nicole Anyomi selbst die Reißleine. Nun ist sie wieder da. Gegen Frankreich wird sie prompt zur Schlüsselfigur.
Nicole Anyomi ist zurück – und wie. Nach ihrem Traumtor von der Strafraumkante am Dienstagabend in den Winkel ballte sie die Faust, die ganz große Ekstase blieb aber aus. Es war schließlich „nur“ der zwischenzeitliche 1:1-Ausgleich im Halbfinal-Rückspiel der Nations League gegen Frankreich. Doch mit diesem ebnete Anyomi den deutschen Weg ins Endspiel.
Nach einem weiteren sehenswerten Treffer von Klara Bühl mühte sich das Team von Christian Wück letztlich zu einem 2:2. Aufgrund des 1:0-Erfolgs im Hinspiel erreicht Deutschland dennoch erstmals das Endspiel. Auch dank Anyomi.
„Ich hatte mir vorgenommen, dass ich in der Box aufdrehe und schieße. Das hat gut geklappt“, sagte die Stürmerin nach der Partie. Es war ihr erstes Tor im DFB-Trikot seit zwei Jahren – ein Treffer, der gerade rechtzeitig kam. Denn hinter Anyomi liegt ein turbulentes DFB-Jahr.
Seit ihrem Debüt 2021 gegen Belgien gehörte Anyomi regelmäßig zum Nationalteam. Bei der Europameisterschaft 2022 erzielte sie im Gruppenspiel gegen Finnland ihr erstes Länderspieltor, schaffte es mit der DFB-Elf am Ende sogar ins Finale. Auch bei der WM 2023 und den Olympischen Spielen 2024 war sie dabei – und blieb doch meist eine Spielerin für die zweite Reihe. Für die Stürmerin war einfach kein Platz.
Ex-DFB-Kapitänin Alexandra Popp, die im vergangenen Jahr zurückgetreten war, galt als unangefochten, in ihrem Schatten stand Lea Schüller. Auch Laura Freigang bekam ihre Zeit in der Sturmspitze. Um Anyomi dennoch Spielzeit zu geben, stellte die damalige Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg sie sogar als Rechtsverteidigerin auf. Anyomi zählte zwar oft zum deutschen Kader, ihre Qualitäten vor dem Tor konnte die gebürtige Krefelderin jedoch kaum zeigen.
Im vergangenen Herbst änderte sich Anyomis Situation schlagartig. Im ersten Aufgebot von Bundestrainer Christian Wück, der die Frauen im Oktober übernommen hatte, setzte er noch auf die Frankfurterin. Dann die Wende: Anfang des Jahres war von ihr keine Spur mehr zu sehen. Dabei traf Anyomi bei der Eintracht fast nach Belieben, war zu der Zeit mit 14 Toren und 9 Vorlagen die beste Scorerin der Liga. Im DFB-Team blieb sie dennoch außen vor – erst wochenlang, dann monatelang. Vor der EM in diesem Jahr entbrannte sogar eine kleine Diskussion um sie.
„Es hat zuletzt kein konkreter und direkter Austausch stattgefunden“, sagte Anyomi damals im „Watson“-Interview auf die Frage nach ihrem Verhältnis zum Bundestrainer. Die Aussage schlug Wellen. Anyomi reihte sich in eine Liste von Spielerinnen, die plötzlich außen vor waren, darunter Carolin Simon und Felicitas Rauch. Bundestrainer Wück sah sich mit dem Vorwurf mangelnder Kommunikation konfrontiert.













