Einheitliche Zelle für Elektroautos auf der ganzen Welt
Europäische Automobilhersteller haben inzwischen eine Reihe von Konzepten zum Aufbau eigener Produktionsökosysteme entwickelt. In diesem Zusammenhang hat Volkswagen nun den außergewöhnlichen Ansatz gewählt, auf eine Einheitszelle und Gigafabriken zu setzen und plant, neben dem Werk in Salzgitter bald zwei weitere Werke zu eröffnen. Die Einheitszelle basiert auf einer standardisierten Architektur, was den Einsatz in allen Automodellen weltweit ermöglicht und damit zu einer erheblichen Senkung der Fahrzeugpreise führt. Darüber hinaus ist die Einheitszelle mit allen derzeit diskutierten chemischen Batterieprozessen kompatibel.
Die Branche wird immer optimistischer, dass Europa eine Trendwende für die Zellproduktion und das gesamte Ökosystem herbeiführen könnte. „Bemühungen, Lücken in Materialkreisläufen zu schließen und die lokale Versorgung sicherzustellen, haben eine neue Investitionswelle ausgelöst“, sagt Ciara Cook von New Automotive, einer britischen Denkfabrik. Darüber hinaus hat die EU-Kommission einen sogenannten Battery Booster im Wert von 1,8 Milliarden Euro angekündigt, der für mehr Unabhängigkeit von chinesischen Produkten und eine bessere Diversifizierung der Lieferkette sorgen soll. Im neuen EU-Haushalt könnten mehr Mittel bereitgestellt werden.
Es gibt noch einen weiteren Bereich, in dem Deutschland verlorenes Terrain zurückgewinnen könnte: die Forschung. Die Fraunhofer-Einrichtung für Batteriezellproduktion FFB in Münster konnte die erste Lithium-Ionen-Batteriezelle herstellen, die ausschließlich mit europäischer Produktionstechnologie hergestellt wurde. Der Bund investierte 750 Millionen Euro in dieses Projekt, das Land Nordrhein-Westfalen steuerte weitere 320 Millionen Euro bei. „Batterien sind für eine klimaneutrale Mobilität und Energieerzeugung unerlässlich. Deshalb stellt die erste FFB PreFab-Batteriezelle einen wichtigen Meilenstein auf unserem Weg zu Batterien made in Germany dar“, sagt Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt.
Der Markt für Elektroautos kommt wieder in Schwung
Sarah Michaelis vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) weist darauf hin, dass die Fertigungsprozesse zwar allgemein als technisch komplex gelten, die europäischen Maschinen- und Anlagenbauer jedoch über das nötige Know-how verfügen, um den gesamten Prozess der Batteriezellenfertigung abzudecken. „Um eine nachhaltig wettbewerbsfähige Wertschöpfung gewährleisten zu können, brauchen wir jetzt Aufträge von Kunden und politische Unterstützung.“
PowerCo profitierte von dieser Art der Unterstützung: Planung, Genehmigung und Umsetzung verliefen in einem beeindruckenden Tempo. Dadurch konnte in nur drei Jahren ein neues Unternehmen gegründet werden, das ein wettbewerbsfähiges Produkt entwickelte und eine komplette Zellfabrik inklusive der dazugehörigen Lieferkette aufbaute. Von diesem hohen Tempo dürfte mittelfristig nicht nur die europäische Automobilindustrie, sondern auch Volkswagen selbst profitieren, da sich der Elektroautomarkt in Deutschland im Jahr 2025 spürbar erholt hat und die meistverkauften batterieelektrischen Automodelle vom VW-Konzern gebaut wurden.
