
Claude Lanzmann: ein Meister der Überzeugung
„Man kann viel über die Arbeitsweise von Claude Lanzmann lernen“, sagt Frau Lewinsky. Wer sich die 90 Minuten aufgezeichneten Materials anhört, wird erfahren, wie Herr Lanzmann in jahrelanger Recherchearbeit sowohl Opfer als auch Täter davon überzeugt hat, mit ihm zu sprechen. Seine damalige Assistentin Irena Steinfeldt-Levy erinnert sich, wie seine Art, Fragen zu stellen, denjenigen, mit denen er sprach, dabei half, ihre Geschichten zu erzählen, und dass es entscheidend gewesen sei, niemanden zu verurteilen. „Die Leute, mit denen er sprach, waren es gewohnt, sich abzuschotten“, fügt Corinna Coulmas hinzu. Sie war auch als Assistentin an der Produktion des Films beteiligt. Claude Lanzmanns großes Wissen, seine präzisen Fragen und seine große Geduld erweckten Vertrauen, auch bei den Tätern, mit denen er sprach. Keiner von ihnen beschwerte sich nach der Filmpremiere, da Herr Lanzmann niemanden dazu drängte, sich selbst zu belasten.
Greifbare Forschungsarbeit
In einer Zeit, in der wir von Bildern überflutet werden, ist die Ausstellung eine Gelegenheit, die Augen zu schließen und den Gesprächen von Claude Lanzmann zu lauschen. An den sechs Hörstationen können Besucher seine Themenschwerpunkte und seine Forschungsarbeit nachvollziehen. Besonders interessant sind die Gespräche, die Herr Lanzmann mit Menschen führte, die sich später weigerten, gefilmt zu werden.
Das israelische Außenministerium hatte Claude Lanzmann ursprünglich 1973 gebeten, einen Film über die Shoah zu drehen. Am Ende arbeitete er zwölf Jahre lang an dem Film. Herr Lanzmann hielt den Film für äußerst wichtig, weil er befürchtete, dass die Menschen 20 Jahre später leugnen könnten, dass die Shoah jemals stattgefunden habe. Das gleiche Ziel verfolgt auch das Auswärtige Amt, das die Ausstellung mitfinanziert hat. Die Ausstellung läuft bis zum 12. April 2026.










