Vincent Kompany muss nach den Ausfällen in der Abwehr umstellen und hat jetzt zwei Verteidiger weniger dabei zur Verfügung – vielleicht seine beiden besten und formstärksten. Der sportlichen Führung deshalb Fehler in der Kaderplanung zu unterstellen, ist trotzdem unangebracht. Zwei solch schwere Verletzungen zur absoluten Unzeit kann kein Sportvorstand der Welt vorhersehen oder gar mit qualitativ exakt gleichwertigem Ersatz kompensieren.
Ja, Eberl und Co. entschieden sich im Sommer, Matthijs de Ligt zu verkaufen. Und ja, eigentlich wollten sie dafür Jonathan Tah von Bayer Leverkusen als Ersatz verpflichten. Ja, dieser Wechsel, den vor allem Eberl ursprünglich vorantrieb, ist letztlich nicht nur an den fünf Millionen Euro gescheitert, die Leverkusen zusätzlich gefordert hat. Sondern auch an dem öffentlichen Scharmützel, das sich Eberl mit Leverkusens Geschäftsführer Fernando Carro lieferte.
Dennoch bietet der aktuelle Bayern-Kader zumindest quantitativ weiterhin genügend Alternativen. Min-jae Kim und Eric Dier sind nun die ersten beiden Kandidaten für die Innenverteidigung. Hiroki Itō kann neben dem Zentrum auch auf der linken Davies-Seite verteidigen, wo auch Raphaël Guerreiro noch infrage kommt. Mit Josip Stanišić steht rechts ein ähnlich flexibel einsetzbarer Spieler zur Verfügung.
Und mit Leon Goretzka, der eigentlich im Mittelfeld spielt, hat Kompany eine weitere spielstarke Alternative für die Innenverteidigung in der Hinterhand. So bitter die beiden Verletzungen für Bayern sind: Für alle genannten Spieler sind sie gleichzeitig auch eine große Chance, ihre Qualitäten unter Beweis zu stellen.
Für eine andere Position gibt es diese Alternativen nicht: Denn abgesehen von Harry Kane ist kein einziger weiterer Mittelstürmer im Kader zu finden. Kane ist für die Bayern im Moment tatsächlich unersetzbar. Wenn man Eberl also einen Planungsfehler vorhalten will, dann kann es eigentlich nur genau dieser sein. Mehr noch: Freiwillig auf einen weiteren Angreifer im Kader zu verzichten, ist fast schon fahrlässig.