Mann soll sechs Frauen ausgebeutet haben

Aufgrund der anderen Liebschaften von D. soll die Zeugin daher versucht haben, noch mehr Umsatz in den Saunaclubs zu machen – in der Hoffnung, dass der Kölner eines Tages nur noch Augen für sie haben würde. Wohl ein Fehlschluss: D. soll zu diesem Zeitpunkt bereits auch andere Frauen in die Prostitution gezwungen haben, im Rheinland aber auch in Berlin und anderen Städten. Dabei ist er wohl wie ein sogenannter „Lover Boy“ vorgegangen.

Unter der „Loverboy“-Masche verstehen Ermittler den Versuch, insbesondere junge Frauen über eine vorgetäuschte Liebesbeziehung emotional an sich zu binden, um sie nach einiger Zeit in die Prostitution zu zwingen. Eine andere Frau, zum Zeitpunkt der Taten jünger als 21, soll ebenfalls für ihn im Rheinland und in Berlin gearbeitet haben, bis er im Dezember 2019 festgenommen wurde.

Sie soll ihm rund 108.000 Euro in dieser Zeit eingebracht haben, einer anderen hatte D. laut der Staatsanwaltschaft zunächst eine Brust-OP finanziert und sie dann massiv zur Rückzahlung der Kosten genötigt. Auch sie musste sich dann für ihn in Saunaclubs und anderen Etablissements anbieten.

Allein 2018 und 2019 hat D. laut der Staatsanwaltschaft über die von ihm ausgenutzten Frauen rund 700.000 Euro eingenommen haben – unversteuert. Deshalb wird ihm neben Zwangsprostitution, Menschenhandel, Körperverletzung, räuberischer Erpressung und dem Verstoß gegen ein Drogengesetz auch Steuerhinterziehung vorgeworfen.

Vor Gericht ließ D. über seinen Anwalt erklären, sich zu den Vorwürfen in dem Verfahren äußern zu wollen. Doch dazu kam es am Montag im Landgericht nicht mehr: Für ein Rechtsgespräch zum weiteren Verfahrensverlauf musste die Öffentlichkeit den Saal verlassen.

Auf dem Gang kommt es daraufhin zu einer skurril anmutenden Szene: D. schlendert an den vor dem Saal wartenden Reportern vorbei und fragt freundlich, ob er denn die Fotos einmal sehen dürfte, die sie von ihm gemacht hatten. Als ihm die Bilder gezeigt werden, meint D. schmunzelnd: „Oh, da hätte ich den Bauch ja besser einziehen sollen“ – dann geht er in die Freiheit davon. Eine für einen Teil seiner Vergehen ausgesprochene Haftstrafe hat er bereits abgesessen.

Das Verfahren am Landgericht wird vermutlich am Freitag fortgesetzt. Dann will das Gericht auch klären, ob die von D. wohl ausgenutzten Frauen überhaupt aussagen müssen – oder ob ihnen, so die Richterin, „das erspart“ werden kann.

Share.
Exit mobile version