Kassenärztliche Vereinigung warnt

Berlin droht dramatischer Ärztemangel

23.01.2026 – 03:02 UhrLesedauer: 2 Min.

Patienten stehen in einer HNO-Praxis kurz nach der Öffnung zur Sprechstunde am Empfang (Symbolbild): In vielen ambulanten Arztpraxen in Berlin sind die Wartezeiten schon heute lang. (Quelle: Sebastian Christoph Gollnow)

Die Kassenärztliche Vereinigung Berlin schlägt Alarm: Einige Bezirke sind bereits kritisch unterversorgt. Doch das eigentliche Problem kommt erst noch.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin schlägt Alarm: Die ambulante Versorgung in der Hauptstadt gerät zunehmend unter Druck, und das Schlimmste soll demnach noch bevorstehen. „Wir müssen uns ehrlich machen“, fordert KV-Vorstandsvorsitzender Burkhard Ruppert. „Schon heute sind einige Regionen unserer Stadt kritisch unterversorgt, vor allem im Osten Berlins.“

Besonders betroffen seien Marzahn-Hellersdorf, Treptow-Köpenick und Lichtenberg. In diesen Bezirken liege die Erkrankungsrate über dem Berliner Durchschnitt, gleichzeitig wachse dort die Bevölkerung am stärksten. „Die Menschen dort sind häufiger krank, und gleichzeitig wächst die Bevölkerung rasant – eine problematische Entwicklung“, warnt Ruppert.

Der KV-Vorsitzende verwies auf eine doppelte demografische Herausforderung: „Unsere Gesellschaft wird älter – und unsere Ärzteschaft ebenfalls.“ Bereits 2025 sei über ein Drittel der Berliner Ärzte älter als 60 Jahre gewesen. Bis 2040 werde es fast die Hälfte sein. „Schönreden hilft nicht“, so Ruppert. „Die eigentliche Welle rollt erst noch auf uns zu.“

Die KV steuere bereits gegen: Neuniederlassungen und Praxisübernahmen würden mit Anschubfinanzierungen gefördert, Anstellungen und Praxisassistenzen unterstützt. Doch trotz steigender Arztzahlen verbessere sich der Versorgungsgrad kaum. „Das starke Bevölkerungswachstum in Berlin frisst unsere Erfolge auf“, erklärte Ruppert. Die Notlage aus den Ostbezirken drohe auch andere Teile der Stadt zu erreichen.

Der KV-Chef forderte einen grundlegenden Kurswechsel: „Wir brauchen einen Systemwechsel.“ Die Vorstellung, jederzeit und überall ohne Steuerung Zugang zu allen ärztlichen Leistungen zu haben, sei überholt. Notwendig sei eine verpflichtende und intelligente Patientensteuerung – orientiert am Grundsatz: „digital vor ambulant vor stationär“.

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