Kanzler muss seine Schuhe ausziehen

Die Anerkennung ist in Ahmedabad auch entlang der Straßen sichtbar. An Merz kommt in der Metropole dieser Tage kaum einer vorbei. Hunderte großflächige Plakate zeigen mal Merz alleine, mal Merz und Modi und kündigen die Ankunft des deutschen Kanzlers an.

Nach dem Besuch des Gandhi-Ashrams fuhren Merz und Modi im selben Wagen zum traditionellen Drachenfestival, das den Übergang vom Winter- zum Sommerhalbjahr markiert und bei dem Tausende Papierdrachen in die Luft steigen. Erst danach beginnen die politischen Gespräche.

Schwierigstes Thema wird für Merz dabei Indiens Umgang mit Russland werden. Modi pflegt weiterhin gute Beziehungen zu Putin. In der UN-Vollversammlung hat Indien Russlands Angriff auf die Ukraine nicht verurteilt. Zudem importiert Indien noch immer im großen Umfang russisches Öl. Und: Das Land war jahrzehntelang einzig von Waffen aus russischer Produktion abhängig.

Um das zu ändern, will Deutschland vor allem im Rüstungsbereich enger mit Indien kooperieren. Ein Prestigeprojekt dürfte der Bau von sechs U-Booten durch Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) auf einer Werft im indischen Mumbai werden. Das Geschäft über acht Milliarden Euro steht kurz vor dem Abschluss. Im Windschatten könnten weitere Rüstungsdeals folgen.

Nach seinen politischen Gesprächen am ersten Tag der Reise reist Merz am Dienstag ohne Modi weiter in die Region Bangalore, das wirtschaftliche Zentrum des Landes. Begleitet wird der Kanzler auf seiner Reise erstmals von einer großen Wirtschaftsdelegation, der unter anderem der Chef von Siemens, Roland Busch, angehört.

Share.
Exit mobile version