In diesen Bundesländern darf man ab 16 wählen

Schleswig-Holstein machte 2017 den Anfang mit Wählen ab 16. Politikwissenschaftler Thorsten Faas von der FU Berlin befasste sich seither in mehreren Studien mit dem Thema. Sein Fazit: „Der Flickenteppich an Wahlaltersgrenzen, den wir aktuell haben und der nun mit der Europawahl auf der Bundesebene ankommt, erzeugt Enttäuschung.“

Faas‘ Hinweis an die Politik: „Ich würde das Wahlalter 16 als Chance sehen, nicht als Problem.“

Immanuel Kant, der Philosoph der Aufklärung, verknüpfte das Wahlrecht mit der Autonomie. Dabei ging es unter anderem um wirtschaftliche Unabhängigkeit als Voraussetzung für eine freie Entscheidung. So viel zur Theorie.

Wahlforscher Faas räumt nach etlichen Studien mit einem Vorurteil auf. „Das Argument mangelnder Reife lässt sich für das Wahlalter mit 16 empirisch nicht belegen“, so Faas.

Der Politologe hat gemeinsam mit Arndt Leininger von der TU Chemnitz für die gewerkschaftsnahe Otto-Brenner-Stiftung die Auswirkungen einer Absenkung des Wahlalters erforscht. Das Fazit der Studie: Es „zeigt sich erneut, dass es praktisch keine Unterschiede hinsichtlich des politischen Wissens und des politischen Interesses zwischen 15-, 16-, 17-, 18-, 19- und 20-Jährigen gibt. Im Durchschnitt sind sie alle gleichermaßen interessiert und wissend. ‚Reife‘-Argumente gegen eine Absenkung des Wahlalters, denen zufolge es bei Minderjährigen an Interesse und Wissen mangele, finden in unseren Daten keine Bestätigung.“

Im Klartext: Jugendliche sind genauso gut oder schlecht über Politik informiert wie die Generation 60+.

Wahlen auf unterschiedlichen Ebenen lassen sich schwer vergleichen. Bei der Europawahl 2024 galt erstmals auf Bundesebene ein Wahlalter von 16 Jahren.

Damals war die Wahlbeteiligung bei den Jüngeren eher unterdurchschnittlich. Am niedrigsten lag sie mit 57,7 Prozent bei den 21- bis 24-Jährigen, gefolgt von den 16- bis 20-Jährigen mit 60,3 Prozent. Am höchsten lag die Beteiligung bei den 60- bis 69-Jährigen: 68,9 Prozent von ihnen gingen zur Wahl. Auch die 50- bis 59-Jährigen nahmen mit 68,2 Prozent überdurchschnittlich an der Wahl teil. Insgesamt lag die Wahlbeteiligung bei der Europawahl bei 64,7 Prozent, so hoch wie seit 1979 (65,7 Prozent) nicht mehr.

Und wie sieht es aus mit den Parteipräferenzen? In der Altersgruppe der 16- bis 24-Jährigen war die AfD stärkste Kraft mit 15,5 Prozent (gesamt: 15,9) vor der CDU mit 12,4 Prozent (gesamt 23,7 Prozent) und den Grünen mit 11,4 Prozent bei den Jungen (gesamt 11,9). Die SPD erzielte mit 8,7 Prozent (gesamt 13,9) in der Alterstruppe ein unterdurchschnittliches Ergebnis. Punkten in der Erstwählerschaft konnten aber die Linke mit 6,9 Prozent bei den 16- bis 24-Jährigen (gesamt 2,4) und die FDP mit 6,8 Prozent bei den Jungen (in allen Altersgruppen 5,2 Prozent).

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