Humanitäre Hilfe führt nach einer Notsituation häufig zu Entwicklungszusammenarbeit. Ebenso kann es notwendig sein, in Ländern, in denen Entwicklungsprojekte durchgeführt werden, Nothilfe zu leisten. Funktionieren diese Übergänge?
Nicht so, wie es sein sollte: Die Frage nach einer sinnvollen Verknüpfung von Nothilfe und Entwicklungshilfe beschäftigt Hilfsorganisationen und Regierungen seit Jahrzehnten – man denke nur an die immer wiederkehrenden Diskussionen in Deutschland darüber, ob das Entwicklungsministerium und das Außenministerium für Nothilfe zuständig sein sollten zusammengeführt werden.
Nichtregierungsorganisationen sind für die Entwicklungszusammenarbeit und insbesondere die Nothilfe von entscheidender Bedeutung. Funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren?
Auch hier gibt es erhebliche Unterschiede, und das aus ganz unterschiedlichen Gründen: Teilweise mangelt es einfach an der Koordination, weil Zeit und Ressourcen für Besprechungen nicht ausreichen. Manchmal stehen Interessenbindungen im Weg. Beispielsweise besteht Konsens darüber, dass lokale Organisationen vor Ort viel mehr Hilfe leisten sollten, da sie die Situation vor Ort besser kennen, effektiver arbeiten können und oft einen besseren Zugang haben. Dennoch fällt es vielen internationalen Hilfsorganisationen äußerst schwer, ein Stück vom Kuchen abzugeben, denn es geht um viel Geld und natürlich auch um Arbeitsplätze. Aber es besteht kein Zweifel: Hilfsorganisationen sind überall auf der Welt, in äußerst anspruchsvollen Kriegsgebieten und bei Naturkatastrophen, enorm wirksam – und oft unter großem persönlichem Risiko. Ziel muss es sein, die Hilfe noch besser und wirksamer zu machen – gerade weil sie heute wichtiger denn je ist.
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Ralf Südhoff ist Direktor des CHA Center for Humanitarian Action in Berlin. Das CHA ist eine Initiative humanitärer Nichtregierungsorganisationen, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Nothilfe aus Deutschland und international zu stärken.
