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Politik

Herr Chrupalla hat doch völlig recht

wochentlich.deVon wochentlich.de7 Februar 20254 Min Gelesen
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Herr Chrupalla hat doch völlig recht
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Herr Chrupalla hat doch völlig recht

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Christian Lindner reklamiert beim TV-Duell plötzlich die Neuwahl für sich. Der Linken-Chef fährt Chrupalla an. Das Publikum verhält sich auffällig.

Christian Lindner scheint den Bruch der Ampelkoalition nun doch als eigenen „Verdienst“ hinstellen zu wollen. Auf den Vorwurf „Sie haben schlecht regiert“ des AfD-Co-Vorsitzenden Tino Chrupalla entgegnete der FDP-Chef am Donnerstagabend im ZDF-TV-Duell: „Weiß ich nicht. Ich habe ja dafür gesorgt, dass wir jetzt eine Neuwahl haben. Das zeigt ja, dass es mir mit Veränderung ernst ist.“

  • Felix Banaszak, Grünen-Chef
  • Tino Chrupalla, AfD-Vorsitzender
  • Alexander Dobrindt, Vorsitzende der CSU-Landesgruppe
  • Jan van Aken, Linken-Spitzenkandidat
  • Sahra Wagenknecht, BSW-Spitzenkandidatin

Bundeskanzler Olaf Scholz hatte Lindner im Streit um den Bundeshaushalt entlassen. Der geschasste Bundesfinanzminister warf dem Regierungschef daraufhin einen „kalkulierten Bruch“ der Ampel vor. Ob Lindners Aussagen zur AfD im „Schlagabtausch“ ebenfalls wohlbedacht waren? Der FDP-Chef ließ hier jedenfalls gleich zweimal aufhorchen, nachdem seine Fraktion mit Union und AfD im Bundestag für eine Verschärfung der Migration gestimmt hatte.

„Herr Chrupalla hat doch völlig recht“, sagte Lindner in der Runde aus Grünen, AfD, CSU, Linkspartei und BSW, als es um die Abschiebung von Straftätern in ihre Heimatländer ging. Dabei müsse auch mit Taliban-Machthabern in Afghanistan verhandelt werden, sagte der FDP-Chef.

Zu Beginn des TV-Duells hatte sich Lindner zwar von der AfD distanziert – sie zugleich aber auf dieselbe Stufe wie andere Parteien gestellt. „Ich teile die Haltung der AfD genauso wenig wie der Linken und Teilen der Grünen“, sagte der FDP-Parteichef, als es um den Migrationsantrag der Unionsfraktion ging.

Deutlich auf Konfrontation zu Chrupalla – der kurzfristig seine Co-Vorsitzende Alice Weidel vertrat – ging im TV-Duell hingegen Linken-Chef Jan van Aken. Als Chrupalla bei van Akens Redebeitrag wiederholt dazwischenredete, fuhr ihn der Linke an: „Jetzt halten Sie doch mal ihren rechten Rand.“

Van Akens „Sorry“ ging im lauten Applaus des Studiopublikums unter. Das war im Gegensatz zur Politikerrunde weniger ausgewogen zusammengestellt. Die Zuschauer schienen auffallend jung zu sein; jedenfalls jene, die hinter den Spitzenkandidaten saßen und häufiger von den Kameras eingefangen wurden.

Die Lautmeldungen der Zuschauer, die fast immer bei van Aken und häufig beim Grünen-Parteichef Felix Banaszak, ansonsten aber kaum klatschten, zogen in sozialen Netzwerken die Aufmerksamkeit ab von den Inhalten der Debatte. Auch, weil hinter Chrupalla auffallend oft verschränkte Arme, demonstratives Gähnen oder Feixen zu sehen war.

Der „Schlagabtausch“ war kurzfristig um 30 Minuten verlängert und um einen Gast von den Grünen erweitert worden war (ob für Weidels Absage eine Rolle gespielt hat, dass statt Kanzlerkandidat Robert Habeck „nur“ der Grünen-Parteivorsitzende kam?). In mehreren Schnellfragerunden konfrontierte Moderator Wunn („ZDF-Morgenmagazin“) die Gäste jeweils eine Minute lang mit Fragen, die Zuschauer vorab dem ZDF geschickt hatten. Während der Grüne Banaszak allgemeine Fragen zur Wirtschaft und zum Klima gestellt bekam, wurde Sahra Wagenknecht gefragt, ob sie denn nun mittlerweile in der Ukraine gewesen sei.

Hatte die BSW-Co-Vorsitzende früher allgemeine Sicherheitsbedenken gegen eine Reise in das Kriegsgebiet angeführt, wurde sie dieses Mal ganz konkret: „Ich glaube nicht, dass ich dort hinfahren kann, solange mir von ukrainischen Funktionären quasi, ja, der Tod angedroht wird.“

Einig waren sich Wagenknecht und Chrupalla in der Forderung, Deutschland solle Gas und Strom beim günstigsten Anbieter einkaufen – auch, wenn das Russland ist. „Ich gehe da vollkommen mit, auch mit dem BSW“, sagte Chrupalla. Deutschland solle wieder Export- und nicht Moralweltmeister werden. „Putin-Hörigkeit“, nannte das CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt.

Um Russland ging es auch in Chrupallas Schnellfragerunde. Ein Zuschauer fragte: Wie will die AfD verhindern, dass Russland die Ukraine nach einem Waffenstillstand oder Friedensabkommen erneut angreift? „Wenn ein Waffenstillstand vereinbart ist, dann gibt es auch keinen weiteren Angriff“, antwortete der Parteichef.

Inhaltlich wartete dieser „Schlagabtausch“ vor der vorgezogenen Bundestagswahl nicht mit Überraschungen auf, auch nicht im ersten Teil der Sendung zur Migration. Insbesondere dort wurde wiederholt auf den späteren ZDF-Faktencheck zur Sendung verwiesen – insbesondere, als Wagenknecht auf einen angeblich massiven Anstieg bei der Gewaltkriminalität verwies. „Die sind gesunken, die Gewalttaten“, widersprach ihr ehemaliger Parteifreund van Aken vehement.

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