Ermittlungen in Würselen
Ex-Pfleger Ulrich S. soll mehr als 100 Morde begangen haben
Aktualisiert am 22.01.2026 – 12:47 UhrLesedauer: 2 Min.
Ermittler gehen von mehr als 100 Morden durch den Ex-Pfleger Ulrich S. aus. Weitere Exhumierungen sind angeordnet. Der Fall zieht jetzt weitere Kreise.
Nach der Überzeugung des Gerichts hatte der frühere Pfleger während seiner Nachtdienste in einer Klinik in Würselen schwer erkrankten Patientinnen und Patienten eigenmächtig stark überdosierte Beruhigungsmittel verabreicht. Teilweise seien diese mit Schmerzmitteln kombiniert und in einigen Fällen mehrfach gegeben worden. Als Motiv nannte das Gericht ein persönliches Störgefühl sowie eine eigene Vorstellung von Ordnung. Der Angeklagte hatte die Vorwürfe während des Prozesses bestritten. In einer Erklärung im Mai 2025 sagte er, er habe keine Medikamente mit dem Ziel verabreicht, das Leben von Patienten zu verkürzen.
Die Taten, die Gegenstand des abgeschlossenen Verfahrens waren, sollen sich zwischen Dezember 2023 und Mai 2024 ereignet haben. Bei den nun untersuchten Verdachtsfällen geht es um mögliche Tötungsdelikte aus der Zeit davor. Der deutsche Staatsbürger hatte bereits seit dem Jahr 2020 in der Klinik in Würselen gearbeitet. Schon nach dem Urteil hatte die Aachener Staatsanwaltschaft angekündigt, dass eine weitere Anklage wahrscheinlich sei.
Inzwischen liegt ein erster Überblick darüber vor, was eine neue Anklage umfassen könnte. „Die Verdachtsfälle in dem laufenden Verfahren liegen derzeit deutlich über 100“, erklärte Oberstaatsanwältin Schlenkermann-Pitts. Zugleich stellte sie klar, dass es sich bislang lediglich um einen Anfangsverdacht handele, der sich auch noch zerschlagen könne. Im Zusammenhang mit den neuen Vorwürfen seien bereits 27 Exhumierungen vorgenommen worden, weitere rund 30 stünden noch aus.
Der Fall beschränkt sich inzwischen nicht mehr nur auf Aachen. Auch in Köln wird ermittelt, da der Mann dort bis 2020 tätig gewesen war. Die Kölner Staatsanwaltschaft bestätigte bereits im Dezember, dass auch dort Exhumierungen durchgeführt worden seien.
Immer wieder lösen vergleichbare Fälle großes Entsetzen aus. Als bislang umfangreichste Mordserie der deutschen Nachkriegsgeschichte gilt der Fall des ehemaligen Krankenpflegers Niels Högel, der 2019 vom Landgericht Oldenburg wegen 85 Morden zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.
Vor dem Hintergrund der neuen Verdachtsfälle äußerte sich auch der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, kritisch. „Die Pflege und Medizin machen niemanden zu Serientätern. Jedoch machen es Pflege und Medizin Serientätern weiterhin viel zu leicht“, erklärte er. Es fehle nach wie vor an einer konsequenten Kultur des Hinsehens.
