Kanzler zu Besuch

Dresden wird Chip-Hochburg

Aktualisiert am 30.10.2025 – 04:54 UhrLesedauer: 2 Min.

Friedrich Merz (l.) und Michael Kretschmer: Der Bundeskanzler und der Ministerpräsident von Sachsen waren zu Besuch beim Halbleiter-Hersteller GlobalFoundries. (Quelle: IMAGO/Chris Emil Janssen/imago)

GlobalFoundries pumpt 1,1 Milliarden in sein Dresdner Werk. Kanzler Merz reist extra an – und spricht von einer existenziellen Frage für Deutschland.

Dresden bekommt eine Milliarden-Investition: Der Halbleiter-Hersteller GlobalFoundries baut seine Chip-Produktion in der sächsischen Landeshauptstadt massiv aus. 1,1 Milliarden Euro fließen in die Erweiterung des Werks. Bundeskanzler Friedrich Merz reiste am Dienstag persönlich nach Dresden und bezeichnete die Investition als Signal für Deutschland und Europa. „Das ist eine wirkliche Zukunftsinvestition“, sagte Merz bei seinem Besuch der Fabrik.

Das US-Unternehmen, einer der weltgrößten Chip-Auftragsfertiger, will die Fertigungskapazitäten in Dresden deutlich erweitern. Bis Ende 2028 sollen am Standort eine Million Wafer pro Jahr hergestellt werden, teilte der Chiphersteller mit. Wafer sind dünne Siliziumscheiben, auf denen in aufwendigen Verfahren Hunderte oder Tausende Mikrochips gefertigt werden. Die angekündigte Produktionsmenge würde eine erhebliche Steigerung der bisherigen Fertigung bedeuten.

Für Dresden bedeutet die Investition nicht nur den Erhalt, sondern den massiven Ausbau von Arbeitsplätzen in der Hightech-Branche. Merz betonte, die Produktionserweiterung sei ein wichtiger Schritt beim Versuch, bei der Chip-Produktion unabhängiger zu werden. Es sei ein Zeichen dafür, dass Deutschland aktiv die Entwicklung des globalen Halbleitermarktes mitgestalten wolle und könne.

Deutschland verfüge über etwa 30 Prozent der europäischen Wafer-Kapazitäten, wolle diese Position bei der Produktion von Halbleitern aber ausbauen. Dresden spielt dabei eine Schlüsselrolle. Im Weltmaßstab hinkt Europa allerdings hinter den USA und asiatischen Ländern wie China, Japan, Taiwan oder Südkorea hinterher. Die Masse der modernsten Chips wird außerhalb von Europa produziert.

Die Bundesregierung stehe mit der EU-Kommission in sehr gutem und sehr konstruktivem Austausch, was etwa das Beihilfeverfahren für GlobalFoundries angehe, fügte Merz mit Hinweis auf die staatliche Förderung für den Dresdner Standort hinzu.

Der Kanzler unterstrich die strategische Bedeutung der Dresdner Chip-Produktion. „Technologische Souveränität sei zu einer zentralen Sicherheitsfrage geworden“, sagte er. „Ob wir Europäer eine Chance haben, in dieser sich so dramatisch verändernden Zeit unsere Freiheit zu bewahren, unsere Sicherheit zu schützen, unseren Wohlstand zu erhalten und nicht zuletzt auch unsere Demokratien zu erhalten – diese Frage ist nicht beantwortet“, warnte Merz in Dresden.

Derzeit kämpfen etwa deutsche Autohersteller wegen des US-China-Zollstreits und dessen Folgen um eine ausreichende Versorgung mit Chips. Der Ausbau der Produktion in Dresden soll helfen, solche Abhängigkeiten zu verringern.

Am Tag zuvor hatten Deutsche Telekom und Nvidia ihre Pläne präzisiert, in München ein Rechenzentrum mit einem Volumen von einer Milliarde Euro bauen zu wollen. Merz verwies darauf, dass er zusammen mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron am 18. November zu einem Digitalgipfel in Berlin einlade. Mit der am Mittwoch in Berlin vorgestellten Hightech-Agenda wolle die Bundesregierung einen Schub geben.

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