„Spitzenfrauen Gesundheit“ engagieren sich für mehr weibliche…

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/Jacob Lund, stock.adobe.com

Berlin – Obwohl rund zwei Drittel der Mitarbeitenden in den Gesundheitsberufen Frauen sind, ist in den Vorständen und entscheidenden Ämtern – auch denen der ärztlichen Selbstverwaltung – die weibliche Sicht immer noch unterrepräsentiert. Das kritisiert der Verein „Spitzenfrauen Gesundheit“.

Das sei nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch der Zukunftssicherung, sagte Antje Kapinsky, Co- Vorsitzende der „Spitzenfrauen Gesundheit“ und Fachleiterin Gesundheitspolitik bei der Techniker Kranken­kasse, gestern auf der Dialogveranstaltung des Vereins in Berlin. Die junge Generation wolle nicht mehr in Hierarchien leben und arbeiten. Künftig gehe es um einen Wettbewerb um gute Chefinnen.

„Einige Verbesserungen hat es schon in den letzten Jahren gegeben“, betonte Kapinsky. Um eine Kulturverän­derung zu erreichen, seien aber noch mehr nötig. Seit drei Jahren tritt der Verein deshalb für bessere Karriere­chancen für Frauen im Gesund­heitswesen ein.

„Wir fordern, dass wesentlich mehr Frauen in Führungs­positionen gelangen“, sagte Cornelia Wanke, ebenfalls Co-Vorsitzende der „Spitzenfrauen Gesundheit und Geschäftsführerin des Vereins der „Akkreditierten Labore in der Medizin“. Momentan seien nur acht der 40 Vorstände der 17 Kassenärztlichen Vereinigungen in Deutsch­land Frauen, analysierte Wanke, „Das sind unter 20 Prozent – das kann nicht so bleiben.“

Eine Podiumsdiskussion am gestrigen Abend zum Thema „Frauen in der Berufspolitik“ zeigte, dass gesetzlich verordnete Quoten durchaus hilfreich sein können. „Wir brauchen Haltung und Gesetze“, brachte es Kirsten Kappert-Gonthert, Ärztin und Bundestagsabgeordnete für die Grünen, auf den Punkt. Die Unterrepräsentation von Frauen im Gesundheitswesen sei „eklatant“.

Verbindliche Frauenquoten in Vorstanden seien gut und überfällig gewesen, betonte die Grünen-Politikerin. Der Bundesrat hatte der Einführung von Quoten Ende Juni 2021 mit dem Zweiten Führungspositionengesetz zugestimmt.

Es sieht vor, dass in Vorständen von börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Unternehmen, die mehr als drei Mitglieder haben, mindestens ein Mit­glied eine Frau und ein Mitglied ein Mann sein muss. Dass einige Vorstände noch schnell vor Gültigkeit des Gesetzes ihre Wahlen vorgezogen hätten, zeige, wie groß die Angst sei, sagte Kappert-Gonthert.

Dies bestätigte Christiane Wessel, Vorsitzende der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin. Dass Veränderung in den Gremien als Risiko wahrgenommen werde, habe auch der erst kürzlich zu Ende gegangene 126. Deutsche Ärztetag in Bremen gezeigt.

„Es geht um Machtverlust. Dort hat es ein Mann ausgesprochen“, sagte die Gynäkologin. „Auch die Männer meines Berufsverbandes halten an der Macht fest“, erklärte sie. Nur vier der 17 Vorstände der Landesberufs­verbände ihres Fachgebiets seien Frauenärztinnen; das Etablieren einer gendersensiblen Sprache immer noch nicht gelungen. Unsere Zeitschrift heißt immer noch ,Frauenarzt‘“, so Wessel.

Neu an die Spitze eines ärztlichen Berufsverbandes geschafft hat es Nicola Buhlinger-Göpfarth. Seit März die­ses Jahres ist sie Vorsitzende des Hausärzteverbandes Baden-Württemberg. „Der Feminismus in der Medizin wird leider immer noch negativ diskutiert“, bedauerte sie als Mitglied im geschäftsführenden Vorstand der „Spitzenfrauen Gesundheit“.

Dabei böte er viele neue Chancen für alle: Es gelte, Delegationskonzepte konsequent auszubauen und die Teamarbeit mit anderen Disziplinen zu stärken. „Wir sollten mutig sein und auch mal was ausprobieren“, sagte die Hausärztin, die seit 2002 eine Praxis in Huchenfeld bei Pforzheim führt.

Etabliert hat sich die Gleichberechtigung von Mann und Frau in Schweden. Hier habe die Regierung schon in den 1970ern für die sechsmonatige Elternzeit für Männer geworben und bereits 1971 das Ehegattensplitting abgeschafft, erläuterte Christian Berg, Geschäftsführer der deutsch-schwedischen AllBright-Stiftung, die sich für mehr Frauen in Führungspositionen einsetzt.

Gesellschaftlich werde erwartet, dass auch Männer ihre Elternzeit nehmen würden. „Schweden ist sicher nicht perfekt, aber es gibt zumindest deutlich mehr Frauen in Führungspositionen im Gesundheitswesen als in Deutschland“, sagte Berg.

Sein Rezept: „Die Männer müssen umdenken und sich ändern, nicht die Frauen.“ Zu beachten seien vier Punk­te: So müssten Männer die Hälfte der Haus- und Familienarbeit übernehmen, ihre Netzwerke öffnen, „All-Mal-Panel“ torpedieren und stattdessen Frauen vorschlagen sowie mit anderen Männern über das Thema „Ge­schlechtergerechtigkeit“ reden. © ER/aerzteblatt.de

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