Mentale Gesundheit: Stadt erstellt Konzept für Schüler

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„Ich kann nicht aufhören, mich zu ritzen.“ „Ich will nicht mehr hier sein.“ „Ich habe Angst vor der Zukunft.“ Äußerungen von Kölner Kindern und Jugendlichen, die der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst des Gesundheitsamtes gesammelt hat. Die Mitarbeitenden des Dienstes haben infolge der Pandemie eine Zunahme von mentalen Problemen festgestellt. Das geht aus einer Präsentation für den Gesundheitsausschuss hervor. Sie belegt die Notwendigkeit von Angeboten für Kinder und Jugendliche und untermauert einen aktuellen Beschluss des Schulausschusses.

Dessen Mitglieder hatten am Montag einstimmig der Verwaltung mit einem gemeinsamen Antrag den Auftrag erteilt, Angebote, die die mentale Gesundheit von Schülerinnen und Schülern fördern, zu unterstützen. Dazu soll ein Konzept entwickelt werden.

Fördertopf ist da

„Geld ist da. Wir haben vorsorglich im Haushalt einen Fördertopf für die mentale Gesundheit eingeplant“, betont Bärbel Hölzing-Clasen, schulpolitische Sprecherin der Grünen. 25 000 Euro sind im „Mental Health Fördertopf für Gesundheitsberatung an Schulen“ für das laufende Jahr veranschlagt.

Bis zum nächsten Schulausschuss Anfang März sollen konkrete Pläne vorliegen, wie das Geld verteilt wird. SPD und Linke hatten ursprünglich − wie berichtet − einen Antrag gestellt, in dem sie die Finanzierung einer Fachstelle beim Verein Rehabilitation forderten. Dieser Verein führt bereits in anderen Kommunen Präventionsmaßnahmen unter dem Titel „Verrückt? Na und!“ durch. „Uns war wichtig, dass dieses Anliegen eine Mehrheit findet, deshalb haben wir uns einem Ersetzungsantrag angeschlossen. Parteipolitisches Agieren wäre der Sache nicht angemessen“, sagt Oliver Seeck, schulpolitischer Sprecher der SPD.

82 Prozent fühlten sich belastet

Dass Distanzunterricht, Lockdown und Vereinzelung in der Pandemie Kinder und Jugendliche stark belastet haben, ist durch Studien belegt. Bei der bundesweiten „Copsy-Studie“ im Herbst 2021 gaben 82 Prozent der Befragten im Alter von sieben bis 17 Jahren eine Belastung an. Auch die Experten des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes stellen eine Zunahme von psychischen Problemen fest. So haben sich Belastungsreaktionen wie Ängste oder Zwänge zu Störungen verfestigt. Auch psychosomatische Beeinträchtigungen haben zugenommen.

„Die Schäden sind nach der Pandemie geblieben“, sagt auch Julius Amels von der Bezirksschülerinnenvertretung. Aus seiner eigenen Erfahrung im Umfeld hält der 17-Jährige es für wichtig, dass die mentale Gesundheit mehr in den Fokus genommen wird. „Ich würde mir wünschen, dass es mehr Sozialarbeiter an den Schulen gibt“, sagt Amels. Die Forderung nach einer niederschwelligen Versorgung unterstützt der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst: „Kinder und Jugendliche brauchen eine stärkere Vernetzung von Sozialarbeit, Jugendhilfe und Psychiatrie/Psychotherapie.“


Schülervertreter klagen über Leistungsdruck

Über Notendruck an den Schulen klagt Julius Amels von der Bezirksschülerinnenvertretung (BSV) Köln. Um die Zulassung in einem begehrten Studienfach zu erhalten, seien immer bessere Noten notwendig.

Unnötigen Stress verursachen nach Ansicht der BSV Nachschreibeklausuren an Samstagen. „Wir fordern klausurfreie Samstage. Wir Schüler*innen gehen fünf Tage die Woche zur Schule. Dies ist im Schulgesetz festgelegt. Leider ist es zur Regel geworden, dass versäumte Klausuren auch an eigentlich schulfreien Samstagen nachgeschrieben werden müssen“, bemängelt die BSV in einer Pressemitteilung.

Laut Schulgesetz müsse jede einzelne Nachschreibeklausur oder andere Formen von Unterricht an Samstagen durch die Schulkonferenz und den Schulträger beschlossen werden, teilt die BSV weiter mit.

Klausuren gehören laut BSV zu den „anstrengendsten Situationen, mit denen man in der Schule konfrontiert wird.“ Die Forderung der BSV ist, Nachschreibeklausuren an Samstagen ausdrücklich zu verbieten.

Eine Erholung sei nach der typischen fünftägigen Schulwoche am Wochenende wichtig. Sie biete die Möglichkeit, Abstand von „Schulstress und Leistungsdruck“ zu gewinnen.

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