Stabilisierungsversuch: DAX zurück über 12.000

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Marktbericht

Stand: 30.09.2022 10:06 Uhr

Die deutschen Standardwerte haben den letzten Handelstag der Woche stark begonnen. Das erstaunt angesichts der sehr schwachen Vorgaben aus Amerika.

Kurz nach Handelsbeginn hat der DAX um ein Prozent auf 12.097 Punkte zugelegt. Ein echtes Kaufinteresse sei aber nicht zu beobachten, sagte Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst des Online-Brokers CMC Markets. Vielmehr lösten einige Investoren ihre Wetten auf einen weiteren Kursverfall auf.

Trotz des positiven Handelsstarts neigt sich ein tiefroter Monat dem Ende zu. Anhaltende Inflations-, Zins- und Konjunktursorgen haben das Kursbarometer seit Ende August um gut sechs Prozent nach unten gedrückt.

Viel Negatives schon eingepreist

“Positive Nachrichten bleiben weiterhin Mangelware. In der Vergangenheit war eine depressive Stimmung immer der Nährboden für eine Trendwende nach oben. Aber wann dieser Zeitpunkt ist und ob und wie sehr Kurse und Sentiment vor der Trendwende noch fallen, das lässt sich nicht prognostizieren”, kommentierte Thomas Altman von QC Partners.

Und weiter: “Im Moment sind extrem schlechte Entwicklungen auf Unternehmensseite in die Kurse eingepreist. Positive Überraschungen könnten da für eine deutliche Erleichterung auf dem Parkett sorgen”, sagte der Experte mit Blick auf die nahende Berichtssaison für das nun ablaufende dritte Quartal.

Adidas und Puma im Sog von Nike

Zu den frühen Verlierern am deutschen Aktienmarkt zählen Adidas und Puma. Der US-Rivale Nike hatte einen Gewinneinbruch gemeldet und vor weiterem Margendruck gewarnt. Die verstärkten Rabatt-Aktionen seien ein schlechtes Omen für die europäischen Sportartikel-Hersteller, kommentierte Analyst James Grzinic von der Investmentbank Jefferies. Sie würden voraussichtlich nachziehen müssen. Die Nike-Aktie war gestern im nachbörslichen US-Handel um mehr als neun Prozent eingebrochen.

Kursverluste an den US-Börsen

Die anhaltenden Befürchtungen vor einem wirtschaftlichen Abschwung durch mögliche weitere starke Zinserhöhungen der Notenbank Fed veranlassten gestern viele Anleger zum Rückzug vom US-Aktienmarkt. Robuste Konjunkturdaten schürte einmal mehr die Sorge, dass die Leitzinsen im Kampf gegen die hohe Inflation weiter steigen dürften. So sank die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche überraschend und deutlich.

Der Dow-Jones-Index fiel um 1,5 Prozent auf 29.226 Punkte. Der breit gefasste S&P 500 büßte 2,1 Prozent auf 3640 Punkte ein. Besonders stark traf es wieder einmal Technologieaktien. An der Technologiebörse Nasdaq gab der Composite-Index 2,8 Prozent auf knapp 10.738 Punkte nach. Der Technologiesektor enthält viele hoch bewertete Aktien. Entsprechend sensibel reagiert die Branche auf steigende Zinsen, denn künftige hohe Unternehmensgewinne sind dann zum heutigen Zeitpunkt weniger wert.

“Wir bewegen uns von einem Niedrigzins- zu einem Hochzinsumfeld”, sagte Andrea Cicione, Chef-Anlagestratege des Research-Hauses TS Lombard. Anleger bewerteten die Risiken für die Konjunktur und der Katalysator hierfür seien die Zinserhöhungen der Fed und anderer Notenbanken. Die Furcht vor Finanzierungsproblemen für Staaten mit hohen Leistungsbilanz-Defiziten werde sehr real.

Schwache Kursentwicklung in Asien

Aus Furcht vor einem Abschwung der Weltwirtschaft zogen sich Anleger aus den asiatischen Aktienmärkten zurück. Der japanische Nikkei-Index fiel zum Wochenschluss um 2,1 Prozent auf 25.868 Punkte. Der südkoreanische Leitindex notierte mit 2134,77 Zählern zeitweise so niedrig wie zuletzt vor knapp zweieinhalb Jahren. Die Börsen in Shanghai und Hongkong konnten ihre anfänglichen Verluste dagegen wettmachen und notierten kaum verändert.

Die Industrie leidet weiter

Die deutsche Industrie kämpft zusätzlich zu den extrem hohen Energiepreisen wieder stärker mit Materialknappheit. Im September berichteten 65,8 Prozent der befragten Firmen von solchen Problemen nach 62 Prozent im August, wie das Münchner ifo-Institut mitteilte. “Die erhoffte nachhaltige Entspannung ist leider ausgeblieben”, erklärte der Leiter der Umfragen des Forschungsinstituts, Klaus Wohlrabe. “Eine Stützung der Wirtschaft in der Rezession fällt somit erst einmal aus.”

Euro weiter deutlich erholt

Am Devisenmarkt hat der Euro derzeit Oberwasser, wenn auch im historischen Vergleich auf eher niedrigem Niveau. Die Gemeinschaftswährung hält sich am Morgen auf der Marke von 0,98 US-Dollar, nachdem sie vor wenigen Tagen noch rund drei Cent niedriger notiert hatte.

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