So trickst Lidl Verbraucher aus

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Fast 200.000 Mitarbeiter*innen, knapp 12.000 Filialen und einen Jahresumsatz von über 100 Milliarden Euro – Lidl gilt als der größte Discounter der Welt. Als wichtigste Marke der Schwarz-Gruppe, zu der auch Kaufland gehört, soll Lidl das “Geiz ist geil”-Image aber ablegen. Stattdessen möchte Lidl sich als ökologisch nachhaltiger Supermarkt etablieren: Hier kauft man nicht nur billig, sondern auch biologisch und gesund.

Das ZDF hat in der Sendung “Lidl: Die Insider” Menschen zu Wort kommen lassen, die bei Lidl arbeiten oder gearbeitet haben.  Eine von ihnen ist “Ina”, eine ehemalige Marketingmanagerin, die Lidl die bewusste Täuschung seiner Kund*innen vorwirft. “Ich hatte schon das Gefühl, die Leute ein bisschen zu verarschen”, sagt die Frau, die in der Dokumentation anonym bleibt. Doch was genau wirft sie dem Discounter vor?

“Bio-Washing” bei Lidl: So macht das Unternehmen mit Bio höhere Gewinne

Es geht um Bioland-Produkte – und wie die qualitativ hochwertigen Lebensmittel genutzt werden, die eigenen Produkte besser dastehen zu lassen und das eigene Image aufzupolieren. Offensiv wirbt Lidl mit Bioland-Produkten. Denn diese haben einen guten Ruf. Wer das Bioland-Siegel bekommt, muss sich an Richtlinien halten, die wesentlich strenger sind, als die allgemeinen EU-Vorgaben im Bereich “Bio-Produktion”.

Doch von den knapp 4200 Produkten in einem durchschnittlichen Lidl sind nur 85 Bioland-Produkte, so eine Stichprobe in der ZDF-Dokumentation. 320 Produkte werden hingegen durch das “Bio-Organic”-Label gekennzeichnet – ein Siegel, das Lidl selbst eingeführt hat und zur Kennzeichnung der Bio-Eigenmarken verwendet. Das aber auch zusätzlich direkt auf den Bioland-Produkten abgebildet wird.

Dieses “Bio-Organic”-Label, so die Ex-Marketingmanagerin, sieht dem Bioland-Label nicht zufällig sehr ähnlich. Und es ist auch keineswegs zufällig, dass Bioland-Produkte eng neben diesen “Bio-Organic”-Produkten stehen. Im Gegenteil: In den Köpfen der Menschen soll eine Verbindung zwischen beiden Siegel hergestellt werden. Wer nicht genau hinschaut, greift dann im Glauben, hochwertige und regionale Bioland-Produkte zu kaufen, schnell zum “Organic”-Produkt. In Wirklichkeit handelt es sich bei den Bio-Organic-Produkten jedoch häufig um Produkte aus allen Ecken der Welt, die gerade mal die nicht besonders hohen Mindeststandards der EU beim Thema Bio erfüllen.

Für Lidl, so “Ina”, geht es für Lidl um zwei Dinge: Einerseits möchte das Unternehmen sich als nachhaltigen Lebensmittelhändler darstellen, der auf regionale und biologisch hergestellte Produkte setzt. “Bio-Washing” nennt dies die Ex-Marketingmangerin. Andererseits geht es natürlich um den Gewinn: Denn während Bioland-Produkte im Einkauf sehr teuer sind, können “Bio-Organic”-Produkte oft billig eingekauft werden und die Gewinnmarge ist dementsprechend hoch.

 

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