IG Metall: Forderung nach acht Prozent mehr – Arbeitgeber üben Kritik

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Wirtschaft Inflationsausgleich

IG Metall fordert bis zu acht Prozent mehr Lohn und Sondersteuer für Unternehmen

Warnstreik in Ilsenburg Warnstreik in Ilsenburg

Beschäftigte der Ilsenburger Grobblech GmbH beteiligen sich an einem Warnstreik

Quelle: pa/dpa/Matthias Bein

Die Gewerkschaften sehen trotz Krise und Inflation eine gute Ertragslage in den Betrieben. Arbeitgeber sprechen hingegen von verantwortungslosen Forderungen der IG Metall. Dabei wäre die Lohn-Forderung beinahe noch deutlich höher ausgefallen.

Die IG Metall ist Deutschlands mächtigste Gewerkschaft. Und traditionell sind es die Metaller, die mit ihrer Lohnforderung das Signal auch für andere Branchen im Land geben. In dieser Tarifführerschaft liegt eine große Verantwortung. In diesem Jahr gilt dies im besonderen Maße. Denn die wirtschaftliche Lage ist nicht nur von den Nachwehen der Coronakrise und den weitreichenden Folgen des Krieges in der Ukraine geprägt, sondern auch von einer rekordverdächtig hohen Inflation.

Mit der vom Gewerkschaftsvorstand beschlossenen Forderungsempfehlung von sieben bis acht Prozent Lohnplus versucht IG-Metall-Chef Jörg Hofmann den Spagat. Einerseits sind nach dem dürftigen Corona-Notabschluss im vergangenen Jahr die Erwartung der 3,7 Millionen Arbeitnehmer der Metall- und Elektroindustrie auf eine kräftige Gehaltserhöhung groß. Andererseits droht bei übermäßigen Tarifschlüssen die Lohn-Preis-Spirale so richtig in Schwung zu kommen – was am Ende nur eine noch höhere Inflation zur Folge hätte.

Aktuell liegt die Teuerungsrate in Deutschland bereits bei 7,9 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit fast 50 Jahren. Für das Gesamtjahr erwartet die Bundesbank eine Inflation von 7,1 Prozent. Gemessen daran hält die Gewerkschaftsspitze die genannte Spanne der angepeilten Lohnerhöhung für durchaus moderat. Bei einem vollen Inflationsausgleich wäre die Zahl zweistellig ausgefallen, heißt es bei den Gewerkschaftern. Schließlich gehe es sowohl um das aktuelle Jahr, das mit der Einmalzahlung keineswegs abgegolten sei, als auch um 2023.

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Die Arbeitgeber in Deutschlands bedeutendster Branche, zu der auch die Autoindustrie und der Maschinenbau gehören, werten die Forderung dagegen als verantwortungslos. Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf fordert mehr Rücksichtnahme auf die Betriebe, die unter historischen Kostensteigerungen ächzen und zudem noch immer nicht das Vor-Corona-Niveau erreicht haben.

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In einer aktuellen Umfrage von Gesamtmetall erklärten 94 Prozent aller Betriebe, von der Kostenexplosion betroffen zu sein, 80 Prozent in substanziellem Umfang. Gerade einmal ein Prozent aller Metall- und Elektro-Firmen sei in der Lage, die Kostensteigerungen durch Preiserhöhungen vollständig an die Kunden weiterzugeben. Jedes fünfte Unternehmen sieht sich durch diese Entwicklung gar in der Existenz bedroht.

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Gewerkschaftschef Hofmann schätzt die Lage der Branche indes weitaus günstiger ein. So hätten Betriebsräte bei einer Umfrage ihren Unternehmen überwiegend eine gute Ertragslage bescheinigt.

Die Auftragsbücher seien voll wie nie. Hofmann erinnert außerdem daran, dass die Beschäftigten pandemiebedingt in diesem Jahr lediglich eine pauschale Einmalzahlung erhalten hätten, die nicht tabellenwirksam sei, also keine dauerhafte Lohnerhöhung bedeute. Entsprechend anspruchsvoll sei jetzt die Erwartung der Beschäftigten.

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Allerdings macht Hofmann auch klar, dass die Tarifpolitik nicht allein in der Lage sei, die hohe Inflation für die Beschäftigten zu kompensieren. Vielmehr sei auch der Staat gefordert, die Belastungen für die Bevölkerung abzufedern, wie dies auch schon mit den bisherigen zwei Entlastungspaketen getan worden sei.

So erhält jeder Arbeitnehmer im September 300 Euro, für jedes Kind gibt es zudem 100 Euro. Hier seien weitere Schritte nötig, betont Hofmann. Die IG Metall dringt zudem auf eine Sondersteuer für Unternehmen, die von der aktuellen Krisenlage sogar profitieren. Dies sei beispielsweise in der Stahlbranche der Fall, die momentan hohe Preise am Markt durchsetzen können.

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Das Votum des Vorstands ist nicht endgültig, sondern wird erst in den kommenden Wochen von den regionalen Tarifkommissionen beraten und abschließend im Juli dann vom Vorstand bestätigt. Die regionalen Tarifkommissionen weichen in aller Regel allerdings nicht mehr von der Vorstands-Empfehlung ab. Die Friedenspflicht endet im Oktober. Bis November dürfte sich die Tarifrunde hinziehen.

Bundeskanzler Olaf Scholz strebt im Kampf gegen die Inflation eine konzertierte Aktion von Gewerkschaften, Arbeitgebern und Regierung an. Hofmann stellt für die IG Metall allerdings klar, dass seine Gewerkschaft mit der aktuellen Lohnforderung schon genügend Verantwortungsbewusstsein zeige. Sollte Scholz auf freiwillige Lohnzurückhaltung gehofft haben, dürfte ihn das Signal der IG Metall enttäuschen.

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