ifo-Index gestiegen: Stimmung in Firmen hellt sich auf

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Stand: 24.11.2022 11:32 Uhr

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im November unerwartet deutlich verbessert. Der Pessimismus in den Chefetagen lässt nach. Die Rezession dürfte weniger schwer ausfallen als befürchtet.

Die Stimmung in den Chefetagen deutscher Firmen hat sich im November überraschend deutlich aufgehellt. Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg auf 86,3 Zähler von revidiert 84,5 Punkten im Vormonat, wie das Münchner ifo-Institut heute zu seiner Umfrage unter rund 9000 Führungskräften mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich 85,0 Punkte erwartet.

Mit den laufenden Geschäften waren die Unternehmen zwar weniger zufrieden, der Pessimismus mit Blick auf die kommenden Monate ließ aber merklich nach. “Die Rezession dürfte weniger tief ausfallen als viele erwartet haben”, sagte ifo-Präsident Clemens Fuest.

Materialengpässe nehmen ab

Die Aufwärtstendenz beim Geschäftsklima zog sich durch alle Branchen – vom Verarbeitenden Gewerbe, über Dienstleistungen bis hin zum Handel und dem Bauhauptgewerbe. Außerdem wurde der Wert für den Vormonat nach oben revidiert. Demnach war das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer bereits im Oktober erstmals seit Mai gestiegen.

Ein Grund dafür sind abnehmende Materialengpässe in der Industrie: Im November klagten noch 59,3 Prozent darüber, nach 63,8 Prozent im Oktober. “Wir sehen einen langsamen, aber kontinuierlichen Rückgang der Lieferengpässe”, sagte ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe. “Das hilft der Industrie ein bisschen, aber es ist auch noch deutlich Luft nach oben.”

Trotz der schwächeren Weltkonjunktur sind auch die Exporterwartungen der Unternehmen gestiegen. Sie lägen nunmehr wieder im positiven Bereich, “wenn auch nur minimal”, so Wohlrabe. Das Gastgewerbe entwickelte sich ebenfalls unerwartet positiv. “Trotz hoher Inflation gibt es offenbar den Wunsch, gut essen zu gehen.” Auch der Handel sende kleine Hoffnungssignale aus. “Die staatlichen Hilfen könnten hier Wirkung zeigen”, meinte der Experte.

Noch kein Grund zur Entwarnung

“Die deutsche Wirtschaft sendet Hoffnungssignale aus. Sie schlägt sich besser als erwartet”, so Wohlrabe. Die Winter-Rezession könnte demnach mild ausfallen. In den vergangenen Monaten hatten eine hohe Inflation und Probleme mit Lieferketten das Geschäftsklima stark belastet.

“Die Rezession verliert ihren Schrecken”, kommentierte Chefvolkswirt Ulrich Kater von der Dekabank. Seiner Einschätzung nach gehen vor allem die Unsicherheit über die Energieversorgung und damit die Sorgen wegen der Produktionsbedingungen in den kommenden Monaten zurück. Die Bundesbank hatte zuletzt darauf hingewiesen, dass eine Gasmangellage in Deutschland wahrscheinlich vermieden werden könne.

“Die Rezession mag mild bleiben, die langfristigen Herausforderungen für die deutschen Unternehmen sind es nicht”, sagt Kater. Aus Sicht von LBBW-Ökonom Jens-Oliver Niklasch gibt es ebenfalls noch keinen Grund zur Entwarnung: “Wir rücken vor aus der Zone der Untergangsangst in den Bereich normaler Rezessionssorgen. Die Erwartungen waren katastrophal, jetzt sind sie nur noch düster.”

Auch Einkaufsmanagerindex und Inflationsvorboten positiv

Nach Einschätzung der Bundesregierung, der Bundesbank und vielen Ökonomen steht Deutschland kurz vor einer Rezession. In den Sommermonaten war die Wirtschaft angesichts der Aufhebung vieler Corona-Maßnahmen zwar noch gewachsen: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Juli bis September um 0,3 Prozent zu. Für das aktuelle Winterquartal dürfte das BIP aber wohl deutlich sinken.

Anlass zur Hoffnung hatte gestern auch der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft – Industrie und Service-Sektor zusammen – gegeben. Das an den Finanzmärkten vielbeachtete Barometer stieg im November um 1,3 auf 46,4 Punkte, wie der Finanzdienstleister S&P Global mitteilte. Es gebe Anlass zur Hoffnung, dass der Rückgang der Wirtschaftsleistung schwächer ausfallen könnte als zunächst befürchtet, so S&P-Ökonom Phil Smith.

Gleichzeitig sinkt der Anteil der Unternehmen, die ihre Preise in den kommenden drei Monaten heraufsetzen wollen. Im November lag der Anteil bei 46,7 Prozent, nach 51,3 Prozent im Vormonat. Auch die Erzeugerpreise waren jüngst erstmals seit 2020 nicht weiter gestiegen. “Der Preiserhöhungsdruck nimmt etwas ab”, sagte ifo-Fachmann Wohlrabe. “Aber es ist noch zu früh, um Entwarnung bei der Inflation zu geben.”

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