“Black Friday”: Rabatte gegen den Konsumfrust

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Stand: 24.11.2022 08:16 Uhr

Die Rabattschlacht am “Black Friday” wurde jahrelang immer beliebter. Kann das mit knappen Kassen und gedämpfter Kauflust so weitergehen? Dafür locken wahrscheinlich höhere Rabatte als in der Vergangenheit.

Es ist wieder so weit, der “Black Friday” steht vor der Tür. Mit einer wahren Rabattschlacht wollen Händler in diesem Jahr das so wichtige Weihnachtsgeschäft ankurbeln. Es ist vieles anders an diesem “Black Friday”, denn die Inflation zwingt den Handel zum Umdenken, wie Christina Vieth vom Vergleichsportal Idealo erklärt: “Viele Händler haben einen erhöhten Lagerbestand und werden daher höhere Rabatte als üblich anbieten.”

Viele Winterjacken blieben hängen

Volle Lager, da in den letzten Wochen und Monaten weniger gekauft wurde: Deswegen gehen die Preisbeobachter davon aus, dass sich Verbraucher auf eine schnäppchenreiche “Black Friday”-Woche freuen können. Noch viel Ware hat auch Sabrina Reschke im Kaufhaus Henschel in Darmstadt noch: Der Oktober war warm, die Kaufzurückhaltung groß. Vor allem die Winterjacke hat es hart getroffen. Aus diesem Grund gibt es in der “Black Week” hier 20 Prozent auf alle Winterjacken. Damit sollen die Lager geräumt und das Weihnachtsgeschäft in Schwung gebracht werden.

Und auch die goldenen Zeiten des Corona-Gewinners Fahrrad sind vorbei. Monatelang lag die Nachfrage bei Mountainbikes, E-Bikes und klassischen Drahteseln deutlich über dem Angebot, an Rabatte war nicht zu denken. Das sieht mittlerweile anders aus, bestätigt Julian Hermes von Fahrrad XXL im südhessischen Griesheim: “Die Lager sind gefüllt, die Kauflaune ist gesunken. Die Preise in der Fahrradbranche werden wieder reduziert.” Bei ihm startet die Aktionswoche bereits eine Woche vor dem “Black Friday” und endet mit dem “Cyber Monday”. Auf Rabatte von bis zu 60 Prozent können sich die Kunden freuen.

Wie hoch ist die Ersparnis?

Welche Kategorien und Produkte am stärksten im Preis heruntergesetzt wurden, hat das Preisvergleichsportal idealo.de in den vergangenen Jahren ermittelt. Danach ist der “Black Friday” grundsätzlich ein guter Tag, um günstiger einzukaufen. Von 100 Produkten waren im vergangenen Jahr 90 Produkte tatsächlich günstiger als im Vormonat. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die durchschnittliche Ersparnis bei gerade mal fünf Prozent lag – im Gegensatz zu den auf Werbeplakaten angekündigten Rabatten. Das könnte in diesem Jahr anders aussehen, sagt Christina Vieth: “Einerseits sind trotz Inflation viele beliebte Kategorien sogar günstiger geworden und andererseits haben Händler signalisiert, dass die Rabatte dieses Jahr höher ausfallen könnten.”

Ob der “Black Friday” an den Erfolg der vergangenen Jahre tatsächlich anknüpfen kann, ist dennoch ungewiss. 2021 wurde die Rekordsumme von 4,9 Milliarden Euro umgesetzt. Trotz Inflation und knapper Kassen wollen gut zwei Drittel der Verbraucher zwar auch in diesem Jahr wieder auf Schnäppchenjagd gehen, das geht aus einer repräsentativen Erhebung der Unternehmensberatung PwC unter mehr als 2000 Bundesbürgern hervor. Die Kauflust liegt damit auf Vorjahresniveau. Der Umfrage zufolge wollen die Einkäufer allerdings im Durchschnitt etwa 20 Prozent weniger, nämlich 289 Euro pro Person, ausgeben.

Blick auf die Preis-Historie sinnvoll

Und die wollen die Verbraucher gezielt investieren. Doch um die echten Angebote zu erkennen, sollten sie Preissuchmaschinen nutzen, die oft auch eine Preis-Historie bieten. Erst wenn sich ein Angebot am “Black Friday” auch in der langfristigen Preisentwicklung nicht unterbieten lässt, liegt tatsächlich ein echtes Schnäppchen vor.

Wer längerfristig plant, sollte unbedingt die Preise für bestimmte Waren über das komplette Jahr beobachten. Nur wer den marktüblichen Preis kennt, kann aufgeblasene “UVP-Rabatte” enttarnen.

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