
Die Bayern erholen sich noch vom 1:5 gegen Eintracht Frankfurt. Beim letzten Champions-League-Vorrundengegner Manchester United ist die Lage aber noch deutlich brenzliger. Ein Experte erklärt, warum.
„Es gibt die Gelegenheit, auf einer der größten Bühnen der Welt eine Reaktion zu zeigen“, erklärte Bayern-Trainer Thomas Tuchel vor dem abschließenden Champions-League-Gruppenspiel bei Manchester United (Dienstag ab 21 Uhr im Liveticker bei t-online). Nach dem 1:5 bei Eintracht Frankfurt steht der deutsche Rekordmeister unter Druck, ein Erfolg auch im letztlich bedeutungslosen Spiel der längst für das Achtelfinale qualifizierten Bayern würde die Situation im und um den Klub zumindest etwas beruhigen.
Auf „einer der größten Bühnen der Welt“ also fordert Tuchel ein Zeichen seiner Spieler ein – und meint damit natürlich das Old Trafford, die legendäre Spielstätte der „Red Devils“. Im Gegensatz zu den Bayern steckt der englische Rekordmeister wirklich in einer Krise, steht aktuell nur auf Platz sechs der Premier League, kassierte in 15 Spielen bereits sieben Niederlagen. Zuletzt setzte es für die Mannschaft von Trainer Erik ten Hag ein blamables 0:3 zu Hause gegen Bournemouth. Auch in der Champions League droht das Aus in der Vorrunde, gegen die Bayern muss United gewinnen – und gleichzeitig hoffen, dass der FC Kopenhagen und Galatasaray im Parallelspiel nur unentschieden spielen.
Einer, der im englischen Fußball genau hinschaut, ist Raphael Honigstein. Der in München geborene Journalist und Autor lebt seit 30 Jahren in London, schreibt für „The Athletic“ und den „Spiegel“ über die Premier League und die Bundesliga. Im Interview mit t-online erklärt der 50-Jährige die Probleme innerhalb der Mannschaft – und den vergeblichen Kampf des Trainers.
t-online: Herr Honigstein, was läuft grundsätzlich falsch im Old Trafford?
Raphael Honigstein: Man hatte gehofft, dass der Aufwärtstrend des letzten Jahres (United belegte zum Saisonende Platz drei, Anm. d. Red.) anhält und man nicht nur wieder in die Champions League kommt, sondern auch wieder um Titel mitspielen kann – und vor allem den Rückstand auf Manchester City, auf Arsenal und Liverpool verkürzt. Das ist bisher nicht passiert. Im Gegenteil, United war in Spitzenspielen oft stark unterlegen. Die Mannschaft ist noch nicht entscheidend nach vorne gekommen. Der sehr langwierige, undurchschaubare Prozess der teilweisen Vereinsübernahme durch Investoren hat das alles nicht einfacher gemacht.
Wenn die Mannschaft nicht performt und die Ergebnisse nicht stimmen, herrscht bei einem Verein wie Manchester United natürlich latente Unruhe. In der Liga sind sie nicht gut genug, in der Champions League zittert man ums Weiterkommen.
Wie macht sich diese Unruhe bemerkbar?
Es gibt sehr viele Schuldzuweisungen, jeder sucht nach den Gründen. Bei United ist es dann leider so, dass es den einen oder anderen Spieler gibt, der die Situation dann über Berater, über Freunde, so darstellen will, dass er selbst natürlich überhaupt keine Schuld trägt, sondern der Trainer. Wenn man in der Zeitung liest, dass 50 Prozent der Mannschaft angeblich nicht mehr an den Trainer glauben, ist das maximal unruhestiftend. Allerdings sollte man diese Berichte mit Vorsicht genießen.
Trainer Erik ten Hag musste sich bereits rechtfertigen.
Ten Hag hat eingeräumt, dass es immer wieder mal ein, zwei Spieler geben wird, die ihn vielleicht nicht mögen. Einen gibt es ja aktuell, den jeder kennt: Jadon Sancho, der sich mit ten Hag überworfen hat, sich bisher auch nicht entschuldigen wollte und auch deshalb kein Teil der Mannschaft mehr ist. Sicherlich gibt es auch noch ein, zwei andere, die nicht zufrieden sind, die aber wie auch unter ten Hags Vorgängern keine Verantwortung übernehmen, sondern nur schauen, wie sie selbst aus dieser Sache gut herauskommen, und Geschichten streuen.











