Tragödie in Istanbul

Hamburger Großvater fordert Aufklärung nach Tod der Familie

20.11.2025 – 18:56 UhrLesedauer: 2 Min.

Istanbul (Symbolbild): Eine vierköpfige Familie kam ums Leben. (Quelle: Onur Dogman/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa/dpa-bilder)

Nach dem Tod seiner Angehörigen in Istanbul kämpft ein Hamburger für Gerechtigkeit. Acht Verdächtige wurden bereits verhaftet.

Der Vater des in Istanbul gestorbenen Hamburger Familienvaters fordert eine lückenlose Aufklärung des Todes seines Sohnes, seiner Schwiegertochter und der beiden Enkelkinder. „Ob mein Leben ausreicht oder nicht“, er werde so lange kämpfen, wie er könne, sagte Yilmaz Böcek der Deutschen Presse-Agentur.

Die vierköpfige Familie war am 9. November nach Istanbul gereist. Am 12. November wurden sie erstmals mit Verdacht auf Lebensmittelvergiftung in einem Krankenhaus behandelt. Alle vier starben später. Die Behörden gehen inzwischen von einer chemischen Vergiftung im Hotel aus. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, dass dort am 11. November ein Zimmer wegen Schädlingen behandelt wurde.

Der Hamburger Böcek erklärte, sein Enkel hätte an diesem Donnerstag Geburtstag gehabt und wäre sechs Jahre alt geworden. Der 58-Jährige hält sich noch in der Provinz Afyonkarahisar auf, wo die Familie beigesetzt wurde.



Wie eine Kerze, die man anzündet, vor meinen Augen geschmolzen. Das war das Allertraurigste.“


Yilmaz Böcek, Vater des Verstorben Familienvaters


Böcek flog am 13. November von Hamburg in die Türkei. Zu diesem Zeitpunkt kämpfte die Familie bereits um ihr Leben. Am selben Tag starben beide Enkelkinder, einen Tag später die Schwiegertochter. Sein Sohn lag im künstlichen Koma. Die Ärzte teilten ihm mit, dass die Organe seines Sohnes versagt hätten und sie nichts mehr für ihn tun könnten. Böcek beschreibt den Anblick seines sterbenden Sohnes: „Wie eine Kerze, die man anzündet, vor meinen Augen geschmolzen. Das war das Allertraurigste.“ Sein Sohn starb am 17. November.

Die Behörden haben acht Verdächtige verhaftet, darunter Lebensmittelverkäufer und den Schädlingsbekämpfer, der im Hotel eingesetzt worden sein soll. Der Schädlingsbekämpfer gab laut Anadolu in seiner Aussage an, er habe keine spezielle Zertifizierung zur Ausbringung der Chemikalien besessen. Ein Kollege habe ihm gesagt, das sei nicht nötig.

Überwachungsbilder, die türkische Medien veröffentlichten, sorgen für Empörung. Die Aufnahmen zeigen die Familie, die nachts im Hotel eingeschlossen war, während ein Notarztwagen vor der Tür wartete. Ein Mann versuchte, die verschlossene Tür der Lobby zu öffnen und hielt dabei eines seiner Kinder im Arm. Er versuchte auch, die Tür einzuschlagen. Der Rezeptionist hatte laut Anadolu das Gebäude abgeschlossen, um essen zu gehen.

Böcek will die Verantwortlichen hinter Gittern sehen, auch wenn das seinen Schmerz nicht lindere. „Sie kommen irgendwann wieder frei, meine Familie aber ist für immer fort“, sagte er der dpa. Um sich zu schützen, verzichtet er darauf, Medien zu konsumieren, da die Berichte über seine Familie allgegenwärtig sind. „Der Schmerz ist groß, aber als Familienvater muss ich geradestehen und stark sein, egal was kommt.“

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