
Unpünktlich sein
Ein altes Sprichwort besagt: „Fünf Minuten vor dem Zeitplan ist die Pünktlichkeit eines Deutschen.“ Fristen, Termine, Zeitpläne und sogar Termine haben in Deutschland die Bedeutung feierlicher Eide. Eine Verspätung kommt einem Vertragsbruch gleich. Es sei denn natürlich, Sie haben eine wirklich gute Ausrede. Für die meisten Menschen ist es jedoch in Ordnung, wenn Sie sie vorher darüber informieren.
Lärm machen
Das Leben erzeugt Lärm. Überall und sogar in Deutschland. Hier gibt es jedoch wegen Lärm feste Sprechzeiten. Sie machen sich sehr unbeliebt, wenn Sie zwischen 22 und 7 Uhr, in der Mittagszeit oder an Sonn- und Feiertagen den Rasen mähen, Ihre Bohrmaschine benutzen oder die Heavy-Metal-Band Ihres 16-jährigen Neffen zum Üben einladen. Es gibt nur eine Ausnahme: Wenn Kinder Lärm machen, gilt das als „gesellschaftsverträglich“.
Spontaner Besuch
Sie sollten niemals unangemeldet vor einer deutschen Haustür stehen – es sei denn natürlich, Sie warnen die Nachbarn, dass ihr Haus brennt. Deutsche möchten sowohl geistig als auch körperlich vorbereitet sein. Sie genießen das positive Gefühl, alles geregelt zu haben – mit reichlich Kaffee und Kuchen und einem aufgeräumten Zuhause, das nicht mehr wie eine gerade eingeschlagene Bombe aussieht.
Überqueren Sie die Straße, wenn die Ampel rot ist
Auch wenn kein Auto in Sicht ist und wie lange es dauert: Bei Rot ist es besser, anzuhalten und abzuwarten – vor allem, wenn Eltern mit Kindern in der Nähe sind. Sie werden es sehr übel nehmen, wenn Sie ihrem Nachwuchs ein schlechtes Beispiel geben. Auch das Überqueren der Straße bei Rot ist eine Ordnungswidrigkeit. An der Ampel steht garantiert ein selbsternannter Gesetzeshüter, der schimpfend darauf hinweist.
Ich rufe spätabends an
Telefonate nach 20 Uhr gelten als Störung der sorgfältig choreografierten Abendroutine, die für viele Deutsche noch immer auf den drei Säulen Abendessen, Sofa und kleiner Bildschirm basiert. Der denkbar ungünstigste Zeitpunkt für einen Anruf ist am Samstag zwischen 18 und 19 Uhr, wenn die wichtigsten deutschen Sportnachrichten laufen, oder zwischen 20.15 und 21.45 Uhr am Sonntag, wenn ein neuer Tatort ausgestrahlt wird. Begleitet werden diese übrigens von regen Kommentaren in den sozialen Medien, denn Nachrichten auf WhatsApp, Instagram oder Facebook sind in Deutschland rund um die Uhr akzeptabel.
Missachtung der Mülltrennungsvorschriften
Die Regeln zur Mülltrennung sind in Deutschland strenger als in einem Kloster. Wehe dem, der Altpapier in der Biotonne entsorgt. Auf mehreren Richtlinienseiten wird beschrieben, welcher Abfall in welche Tonne, welchen Beutel oder Behälter geworfen werden muss. Doch die Strenge zahlt sich aus: Beim Recycling liegt Deutschland weltweit an erster Stelle.
Heben Sie Ihr Glas, ohne Augenkontakt herzustellen
In anderen Ländern können Sie vielleicht einfach Ihr Glas heben und „Prost“ sagen. Aber nicht in Deutschland. Hier sollten Sie Ihrem Gegenüber besser direkt in die Augen schauen, sonst haben Sie Pech in der Liebe. Auch das Verschränken der Arme während eines Trinkspruchs gilt als schlechtes Omen. Das gilt inzwischen sogar in Wirtschaftskreisen.
Parken am Radweg
Obwohl Deutschland ein Automobilland ist, erobern Radfahrer mittlerweile auch die Städte. Autofahrer, die auf Radwegen parken, müssen mit zerkratzten Karosserien rechnen. Und Fußgänger, die im Weg stehen, müssen mit harten Beleidigungen rechnen.
Fragen, wie es jemandem geht
Trivialer Smalltalk ist keine deutsche Kernkompetenz. Hier kommen Sie direkt zur Sache. Fragen nach dem Gesundheitszustand einer Person, die in den USA beispielsweise als höfliche Begrüßung gelten, können von Deutschen als Gelegenheit verstanden werden, offen und ausführlich zu sprechen – über die Probleme ihrer Kinder in der Schule, den Leistenbruch des Schwiegervaters oder das Leid in der Welt im Allgemeinen. Nehmen Sie sich also genügend Zeit, wenn Sie wirklich wissen wollen: „Wie geht es Ihnen?“
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