
Auf Anfrage von t-online hat der DWD am Dienstag ausführlich Stellung zur Kritik genommen. Wetterwarnungen würden „immer nach bestem Wissen und Gewissen“ herausgegeben, teilte eine Sprecherin mit. Täglich würden die Warnungen mehrfach mit sechs Außenstellen und der Vorhersage- und Beratungszentrale abgestimmt. „Wir können in der Regel sehr gut vorhersagen, wie das Wetter sich entwickelt“, stellte die Sprecherin klar.
Tatsächlich trafen jedoch nicht alle Warnungen auch ein: Für Berlin und Brandenburg etwa hatte der DWD für Freitagmorgen vor Schneeverwehungen gewarnt. Schnee blieb dort aber überwiegend aus, von Chaos oder gar „Gefahr für Leib und Leben“, wie es geheißen hatte, konnte keine Rede sein. Später hob der DWD die Warnungen wieder auf.
Die DWD-Sprecherin räumte ein: „Im Nordosten und Osten des Landes, zum Beispiel auch in Berlin, fielen sie [die Schneefälle und Verwehungen, Anm. d. Red.] schwächer aus als erwartet.“ Es lasse sich leider nie vermeiden, dass es „Bereiche gibt, in denen die Wetterentwicklung später von den Berechnungen abweicht“.
Allerdings nimmt der DWD auch die Medien in die Pflicht: „Die Diskrepanz zwischen der teils dramatischen Kommunikation im Vorfeld des Ereignisses und der tatsächlichen Wetterlage war auch eine Folge von übertriebener Berichterstattung, die nicht vonseiten des DWD stattfand.“
Viele Bürger und Städte hätten zudem bereits präventiv auf die Warnungen reagiert: Durch die „hervorragenden Streueinsätze“ seien viele glatte Straßen und Wege vermieden worden, so die Sprecherin. Dementsprechend hatten auch die meisten Unfallkliniken deutlich weniger zu tun als befürchtet, wie eine Abfrage von t-online ergab. Ein Sprecher der Asklepios-Kliniken sagte t-online: „Wir hören und spüren, dass besonders gefährdete Menschen eher zu Hause geblieben sind – da haben die offiziellen Warnungen offensichtlich Wirkung gezeigt.“
Tatsächlich ging Schneesturm „Elli“ aber nicht überall glimpflich aus: Durch glättebedingte Unfälle starben am Donnerstag und Freitag mindestens vier Menschen, Dutzende weitere wurden verletzt. Mehrere Lastwagen fuhren sich auf Autobahnen fest und lösten so ein Verkehrschaos aus. Vielerorts wurde der Nahverkehr wegen glatter Straßen eingestellt. In Hannover entgleisten zwei Stadtbahnen, als Ursache wurde festgedrückter Schnee und Eis im Gleisbereich vermutet. Und auch die Bahn musste ihren Fernverkehr in Norddeutschland wegen zu großer Schneemassen einstellen. Trotz beheizter Weichen blockierten Eisbrocken die Strecke und mussten manuell geräumt werden. Tagelang waren einzelne Verbindungen davon betroffen.
Der DWD will seine Warn-Strategie nach eigenen Angaben beibehalten. Die Warnungen würden „ständig verifiziert“ – auch um „Ermüdungserscheinungen“ bei der Bevölkerung vorzubeugen. „Insofern vermeiden wir es möglichst, zu viel zu warnen“, stellt die Sprecherin klar.



