„Wir haben schon eine Pizzeria. Das reicht!“
Bizarrer Döner-Streit in Baden-Württemberg
01.04.2025 – 13:24 UhrLesedauer: 2 Min.
Ein 6.500-Einwohner-Ort macht bundesweite Schlagzeilen. Sogar eine Luftbrücke von Berlin aus wird gefordert – weil es in Essingen keinen Döner gibt.
In Essingen, idyllisch im Nordosten der Schwäbischen Alb gelegen, lieben sie Beständigkeit. Bürgermeister Wolfgang Hofer regiert bereits seit 1997, zuletzt wurde er 2021 mit mehr als 90 Prozent der Stimmen wiedergewählt.
Doch jetzt findet gerade so etwas wie eine Revolution in der baden-württembergischen 6.500-Einwohner-Gemeinde statt. Es geht um Döner – und die Frage, ob es diese Speise in Essingen je geben darf.
Hintergrund ist der gescheiterte Versuch eines Imbissbetreibers, im Ort Fuß zu fassen. Der wollte in einem leerstehenden Container Esslingens erste Dönerbude errichten. Aber alle sechs befragten Anwohnerfamilien meldeten Bedenken an. Sie fürchteten unangenehme Gerüche, Lärm und Abfall. Der technische Ausschuss des Gemeinderats lehnte den Antrag des Gastronomen ab.
Jetzt ist die Gemeinde gespalten. „Wir brauchen keinen Döner“, zitiert die „Bild“-Zeitung eine Rentnerin aus dem Ort. „Wir haben schon eine Pizzeria. Das reicht.“
Jüngere wollen hingegen nicht länger auf ihren Döner verzichten. Schüler Lucas Fuchs rief eine Petition ins Leben, „Döner für Essingen“ lautet die plakative Forderung. Mittlerweile haben 956 Menschen unterzeichnet (Stand 1. April 2025, 12.14 Uhr) – und es werden fast minütlich mehr. „Viel reden hilft nichts, man muss auch handeln“, erklärte Lucas Fuchs der Deutschen Presse-Agentur.
Der Essingener Dönerstreit sorgt mittlerweile bundesweit für Schlagzeilen. Bürgermeister Hofer ist zu einem viel gefragten Mann geworden. „Es ist gigantisch“, erzählte er der „Schwäbischen Zeitung“. „Ich habe heute 15 Radio-Interviews gegeben. Ich war schon bei Radio Teddy, morgen komme ich im Frühstyxradio.“
Die einen bezeichnen Essingen als eine Art gallisches Dorf, das nicht aufhöre, dem Siegeszug des Drehspießes Widerstand zu leisten. Die anderen – in diesem Fall der „Tagesspiegel“ aus Berlin – fordern „eine Döner-Luftbrücke nach Essingen, um die Jugend im Südwesten vor zu vielen Maultaschen am heimischen Esstisch zu bewahren“.
Spaß haben offenbar fast alle an dem bizarren Zoff um einen Dönerladen in der schwäbischen Provinz, rund 60 Kilometer östlich von Stuttgart. Nur Bürgermeister Hofer hofft auf eine Lösung, die seine Gemeinde nicht auseinanderreißt. Er selbst esse auch gerne Döner, wagte er den Spagat, am liebsten „ein bisschen scharf“. Für „das Dönerproblem“ finde sich bestimmt ein Standort.
Allerdings will Hofer auch die Döner-Gegner nicht vergrätzen und schränkt ein, die Auflagen für einen Imbiss seien hoch: „Man müsste zum Beispiel genügend Stellplätze vorweisen und Lärm-Grenzwerte einhalten“, sagte er. Letztlich sei es Aufgabe des Landratsamts, nach strengen baurechtlichen Kriterien zu entscheiden.