Die deutsche Bundesanwaltschaft hat am Dienstag ein Ermittlungsverfahren wegen Terrorismusvorwürfen wegen eines Brandanschlags auf Hochspannungskabel eingeleitet, der zu einem Stromausfall in 45.000 Berliner Haushalten geführt hat.

Der Dienst sagte, er untersuche den Anschlag vom 3. Januar, den eine linksextremistische Gruppe online behauptet hatte, unter anderem wegen „Mitgliedschaft in einer Terrororganisation, Sabotage, Brandstiftung und Störung öffentlicher Dienste“.

Durch den Angriff am Samstagmorgen wurden mehrere Hochspannungskabel über den Teltowkanal im Stadtteil Lichterfelde durchtrennt, so dass am Dienstag noch rund 25.500 Haushalte ohne Strom waren.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner sagte, die Reparatur der 300 Meter beschädigten Kabel werde erst am Donnerstag abgeschlossen sein.

Die Berliner suchen Notunterkünfte und warme Mahlzeiten

Die linksextreme „Vulkan-Gruppe“ bekannte sich in einem von den Behörden inzwischen als authentisch verifizierten Online-Brief zu der Tat.

Berlins Innensenatorin Iris Spranger sagte, es handele sich bei dem Anschlag um „Linksterrorismus“, eine Charakterisierung, die Bundesinnenminister Alexander Dobrindt in einem Telefonat bestätigte.

„Das ist ein Terrorakt“, sagte Wegner am Dienstag auf einer Pressekonferenz. „Diese Täter haben vorsätzlich Menschenleben gefährdet.“

Die Stadt wurde zunächst dafür kritisiert, dass sie nur Notunterkünfte in Turnhallen anbot, bevor sie sich bereit erklärte, die Hotelkosten für die vertriebenen Bewohner zu übernehmen.

Wegner sagte, die Regierung werde die Übernachtungskosten „vollständig rückwirkend“ erstatten, nachdem die Bewohner Hotelrechnungen mit Adress- und Identitätsnachweisen eingereicht hätten.

Die Behörden evakuierten mehrere Hundert Menschen aus 74 Pflegeheimen, einige Einrichtungen waren jedoch auf Notstromaggregate angewiesen. Die Bundeswehr setzte Personal ein, um Polizei und Feuerwehr bei Logistik- und Notstromeinsätzen zu unterstützen.

Berlin richtete öffentliche Duschen in drei Schwimmbädern ein, richtete Lebensmitteltafeln ein, die warme Mahlzeiten verteilten, und stellte Ladebusse für die Bewohner zum Aufwärmen und Aufladen von Geräten bereit.

Supermärkte und S-Bahnen zu den Bahnhöfen Mexikoplatz, Nikolassee und Wannsee haben ihren Betrieb wieder aufgenommen.

Stromnetz Berlin-Geschäftsführer Bernhard Büllmann sagte, 17 Notstromaggregate seien in Betrieb, insgesamt seien nach Lieferungen aus Nordrhein-Westfalen 36 verfügbar.

Jeder Generatoranschluss erhöht die Anzahl der Haushalte mit Strom, allerdings müssen Ingenieure vor der Wiederherstellung des Betriebs sorgfältig die elektrische Kapazität überprüfen.

Reparaturen technisch anspruchsvoll

Polizeivizepräsident Marco Langner sagte, die Ermittler analysierten Hunderte Stunden Videomaterial und hätten acht als relevant erachtete Hinweise erhalten.

Der Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen übernommen, Landes- und Bundeskriminalpolizei kooperieren mit dem Verfassungsschutz.

In dem Brief der Vulkan-Gruppe heißt es, dass der Angriff auf ein Gaskraftwerk abzielte. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey stellte die Frage, ob es sich bei den Tätern „nur um ideologisch getriebene linke Aktivistengruppen handelte, oder steckt da mehr dahinter“ und forderte Unterstützung des Bundes bei den Ermittlungen.

Die Reparatur der Kabel stellt technische Herausforderungen dar, da die aus sieben Komponenten bestehenden Hochspannungsleitungen unter kontrollierten Bedingungen bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt verarbeitet werden müssen.

Ingenieure errichteten eine Umzäunung rund um die Baustelle, um ordnungsgemäße Umweltkontrollen aufrechtzuerhalten.

Rund drei Viertel der kritischen Strominfrastruktur Berlins werden videoüberwacht, ein Viertel im öffentlichen Raum – darunter auch die Kabel des Teltowkanals – wurde aus Datenschutzgründen nicht überwacht.

Giffey sagte, die Behörden planen, diese Kabel dauerhaft zu überwachen und KI-Überwachungsprogramme einzusetzen, um kleinere Temperaturänderungen mithilfe von Wärmebildern zu erkennen.

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