Was die Lieferung des stärksten Panzers der Welt für die Ukraine bedeutet

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Nun also doch. Die USA werden 31 Kampfpanzer vom Typ M1 Abrams an die Ukraine schicken. Das gab die US-Regierung am Mittwochabend MEZ bekannt. Die Lieferung steht in Zusammenhang mit der Lieferung von Leopard-Panzern durch Deutschland.

Die Lieferung der Abrams könnte laut Berichten von Reuters und dem „Wall Street Journal“ vom Dienstagabend mehrere Monate bis zu einem Jahr dauern. Was aber kann der Abrams M1, der in den USA gerne als stärkster Panzer der Welt bezeichnet wird, auf dem Schlachtfeld ausrichten, und welche Hürden müssen bei Lieferung überwunden werden?

Was kann der M1 Abram auf dem Schlachtfeld leisten?

„Der Abrams besitzt die beste Panzerung der Welt. Seine Fähigkeit, nach einem feindlichen Treffer weiterzukämpfen, ist nur eines der Merkmale, die ihn so besonders machen“, erklärte der ehemalige US-General und Befehlshaber der US-Armee in Europa, Ben Hodges, gegenüber dem gut informierten Fachmagazin „DefenseNews“.

Das Feuerkontrollsystem und die 120-mm-Kanone könnten Ziele in mehr als drei Kilometer Entfernung anvisieren und treffen. Der Abrams „kann alles aufspüren und treffen, was die Russen besitzen, bevor sie überhaupt bemerken, dass sie entdeckt wurden“, beschreibt Hodges weitere Vorteile auf dem Schlachtfeld.

Gemeinsam mit den zugesagten Infanterie-Kampffahrzeugen und Panzerartillerie wäre die Ukraine, laut Hodges, womöglich in der Lage, „die die russischen Verteidigungslinien zu durchbrechen“.

Insbesondere nach den beiden erfolgreichen Offensiven der Ukraine im Sommer und Herbst, begann Russland damit, seine eroberten Gebiete durch massivere Verteidigungslinien abzusichern – unter anderem durch Schützengräben und Panzersperren aus Beton – sogenannte Tetrapoden. Um dagegen anzukommen, braucht es die Feuerkraft westlicher Kampfpanzer, sind sich Experten einig. So auch bei einer möglichen Rückeroberung der Krim, wie Hodges in einem Gastbeitrag für den Tagesspiegel analysierte.

Plötzlich keine Rede mehr von den vielen Problemen

Im Zuge der wochenlangen Panzerdebatte wies das Weiße Haus auf diverse, teils unüberwindbare Hindernisse bei möglichen Abrams-Lieferungen hin: der Spezialtreibstoff für die Antriebsturbine, der hohe Trainingsaufwand am Gerät, die komplexe Versorgung mit Ersatzteilen sowie das zu hohe Gewicht des Panzers für die Infrastruktur in der Ukraine wurden als Argumente genannt.

Davon ist nun keine Rede mehr, und auch Militärexperten halten die Herausforderungen für lösbar. So lässt sich die 1500 PS-starke Turbine, die normalerweise mit Flugzeugtreibstoff betrieben wird, sehr wohl auch mit herkömmlichem Diesel betreiben. Zudem könnten die Turbinen der Abrams laut den Experten des US-Magazin „Foreign Policy“ verhältnismäßig leicht ausgebaut und so von US-Ingenieuren außerhalb der Ukraine gewartet werden.

Wartungszentren für gelieferte westliche Waffen gibt es bereits unter anderem in Polen und der Slowakei.

 Sie wissen, wie man sie einsetzt, und haben in diesem Krieg gezeigt, dass sie dies besser können als fast jede andere Armee auf dem Planeten.

Mick Ryan, ehemaliger Zwei-Sterne-General der australischen Armee

Was die taktischen Fähigkeiten anbelangt, so glauben Experten, hat die Ukraine ihre Lernfähigkeit in Bezug auf westliche Waffensysteme bereits unter Beweis gestellt.

„Sie wissen, wie man sie einsetzt, und haben in diesem Krieg gezeigt, dass sie dies besser können als fast jede andere Armee auf dem Planeten“, schreibt der australische Ex-General Mick Ryan in seiner Analyse zu den US-Panzerlieferungen.

Und auch beim Training glaubt Ryan, der selbst einst eine australische Brigade mit M1 Abrams führte, sei bereits viel Wissen innerhalb der ukrainischen Armee vorhanden. Viele der bestehenden Ausbildungssysteme müssten zwar angepasst werden, seien in ihrer Struktur jedoch bereits existent.

Zuletzt scheint auch die Frage des Gewichts der Abrams für die USA keine Hürde mehr dazustellen. Befürchtet wurde, die Brücken in der Ukraine würden dem 70 Tonnen schweren Panzer womöglich nicht standhalten. Abrams sind jedoch bereits in anderen Ländern wie Australien, Ägypten, Irak, Kuwait, Marokko und Saudi-Arabien im Einsatz. Also zum Teil in Ländern mit ebenfalls schlechter Infrastruktur.

Kein Lieferdatum für die Ukraine-Panzer

Unklar ist bisher, welche Variante des seit 1978 produzierten Panzers für die Ukraine vorgesehen ist und wann die Panzer ausgeliefert werden sollen. Wie das Nachrichtenportal „Politico“ berichtet, sollen die Panzer nicht aus bestehenden US-Beständen kommen. Insgesamt halten die USA 3500 Abrams-Panzer auf Lager.

Müssten die Abrams jedoch erst am Produktionsstandort in Lima, Ohio, hergestellt werden, wäre eine zeitnaher Einsatz an der Front in der Ukraine ausgeschlossen.

Unterdessen handelt es sich bei den 30 zugesicherten Abrams um eine verhältnismäßig kleine Lieferung. In einem Interview mit dem „Economist“ erklärte Walerij Saluschnyj, Oberkommandeur der ukrainischen Truppen, sein Land benötige neben anderen Fahrzeugen insgesamt 300 Kampfpanzer, um das von Russland unrechtmäßig eingenommene Territorium zurückzuerobern. Eine Zahl, die von Experten als durchaus plausibel eingeordnet wird.

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