Verbraucherschützerin zum Black Friday: “Einen kühlen Kopf bewahren”

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Interview

Stand: 25.11.2022 08:06 Uhr

Am heutigen Black Friday werden höhere Rabatte erwartet als üblich. Das könnte zu mehr Fake-Angebote und Preisfallen führen. Verbraucherschützerin Julia Gerhards hat im tagesschau.de-Interview ein paar Tipps parat.

tagesschau.de: Frau Gerhards, was erwarten Sie für Trends am diesjährigen Black Friday? Und glauben Sie auch, dass die Shoppingfans auf noch bessere Schnäppchen hoffen können?

Julia Gerhards: Für uns ist es schwierig, Trends für Produktkategorien vorauszusagen. Wir können uns aber gut vorstellen, dass der Tag mit den besonderen Schnäppchen noch intensiver genutzt wird als in den vergangenen Jahren, weil das Sparen bei den Menschen durch die explodierenden Preise ganz weit oben auf der Prioritätenliste steht.

Zur Person

Julia Gerhards ist Referentin für Verbraucherrecht und Datenschutz bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz e.V. Im Rahmen eines bundesweiten Projekts waren dynamische und personalisierte Preise in den vergangenen Jahren eines ihrer Arbeitsfelder.

Fakeshop-Finder der Verbraucherzentrale

tagesschau.de: Gerade in dieser Woche haben Polizei und Verbraucherzentralen vor gefälschten Shops im Internet gewarnt. Gibt es am Black Friday mehr solcher Fake-Angebote?

Gerhards: Unseriöse Anbieter arbeiten einfach unheimlich gern mit Zeitdruck, und der Black Friday schafft das auf mehrere Weisen: Man hat nur ein begrenztes Kontingent, die Rabatte gelten nur heute und man will möglichst viele Websites vergleichen. Außerdem sind Verbraucherinnen und Verbraucher an einem solchen Tag eher bereit, das erste Mal bei einem unbekannten Shop mit einem angeblich besonders tollen Angebot zu bestellen.

tagesschau.de: Wie können Verbraucher gefälschte Angebote erkennen?

Gerhards: Wir raten Verbraucherinnen und Verbrauchern dazu, auf jeden Fall in das Impressum der Website zu schauen. Denn Fakeshop hin oder her: Der Sitz eines Anbieters in Deutschland oder einem EU-Mitgliedsstaat macht es leichter, im Nachhinein aufkommende Probleme zu lösen.

Darüber hinaus hat die Verbraucherzentrale die Arbeit ein Stück weit abgenommen. Auf unserer Internetseite gibt es einen Fakeshop-Finder, bei dem ich die jeweilige URL eingeben kann. Daraufhin klappert er verschiedene Punkte wie das Impressum ab und liefert eine erste Einschätzung zur Seriosität des Anbieters in Form von verschiedenfarbigen Markierungen.

Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht

tagesschau.de: Auch bei seriösen Händlern sind die Angebote allerdings nicht immer wirklich günstig. Oft wird als Vergleich eine unverbindliche Preisempfehlung herangezogen, die willkürlich festgelegt werden kann und nichts mit den realen Preisen zu tun hat. Wie können Verbraucher trotzdem bewerten, ob sich ein Rabatt lohnt?

Gerhards: Bei vielen Produkten kann ich mir auf Vergleichsportalen anschauen, zu welchem Preis sie im Verlauf der vergangenen Monate verkauft wurden. Das gibt mir die Möglichkeit zu bewerten, ob der angebotene Preis sensationell günstig, ein regelmäßiger Durchschnittspreis oder vielleicht sogar überhaupt kein Rabatt ist. Noch eine zusätzliche Info: Manchmal gibt es absolute Preisausreißer nach oben oder unten, was auch einfach mal Datenfehler sein können.

tagesschau.de: Am Black Friday geht es vielen Händlern um Massenverkäufe. Wie versuchen sie die Kunden zu locken?

Gerhards: Es gibt viele Dinge, die Online-Shops einsetzen, um den letzten Kaufimpuls zu geben. Dazu gehört zum Beispiel die Verfügbarkeit, also, wie viele der Produkte noch auf Lager sind. Ob das stimmt, kann man im Nachhinein nur sehr schwer prüfen. Davon sollte eine Kaufentscheidung auf keinen Fall abhängen. Nur ganz selten kommt es vor, dass es dieses eine scheinbar unschlagbare Angebot wirklich nur an einem Tag gibt.

Verbraucher sollten generell immer darauf achten, ob sie genau das Produkt in dieser Menge und Ausstattung überhaupt brauchen. Vielleicht ist der Black Friday dann ein Tag, an dem sie Glück haben und ein gutes Angebot finden. Aber es ist so wie an der Börse: Zu glauben, den perfekten Zeitpunkt für den Ein- oder Ausstieg gefunden zu haben, ist einfach die falsche Strategie.

Flexibilität bei der Schnäppchenjagd

tagesschau.de: Haben Sie weitere Tipps und Tricks, auf die Verbraucher heute achten sollten?

Gerhards: Man hat höhere Chancen, heute ein Schnäppchen zu machen, wenn man eine bestimmte Flexibilität mitbringt. Zum Beispiel sollte sich im besten Fall nicht nur auf ein Smartphone fokussiert, sondern stattdessen mehrere Marken oder unbeliebtere Farben in Betracht gezogen werden. Das ist aber ein Spartipp, der das ganze Jahr gilt.

Das Wichtigste bei der Schnäppchenjagd ist es, einen kühlen Kopf zu bewahren und nicht gleich das gesparte Geld wieder auszugeben. Und: Niemals per Vorkasse zahlen! Auch gegenüber einem seriösen Händler sollten Verbraucherinnen und Verbraucher immer erst zahlen – sprich ihre Gegenleistung erbringen -, wenn sie die Ware auch erhalten haben.

Zudem könnte es hinsichtlich der Lieferzeiten schlauer sein, bei Shops einzukaufen, die man bereits kennt und von denen man weiß, dass sie seriös sind und keine Tricks anwenden. Anders können sich Verbraucher und Verbraucherinnen auch vor den aktuellen Lieferproblemen wohl kaum schützen.

tagesschau.de: Wie können unzufriedene Verbraucher vorgehen, wenn sie merken, dass das Produkt gar nicht günstiger war als sonst oder gar nicht ankommt?

Gerhards: Genau deshalb ist es so wichtig, dass man bei einem Händler einkauft, der in Deutschland oder in der EU sitzt, weil dann europäische Verbraucherrechte gelten. Das bedeutet, die Kunden haben im Online-Handel ab Erhalt der Ware zwei Wochen Zeit, einen Vertrag zu widerrufen und das Produkt zurückzusenden. Auf diese gesetzlichen Regeln können sie sich verlassen. Allerdings gibt es bestimmte Ausnahmen wie versiegelte Software. Darüber muss der Käufer aber vorher informiert werden.

Darüber hinaus sollten Verbraucherinnen und Verbraucher nur mit einem Zahlungsmittel bezahlen, mit dem das Geld zurückgeholt werden kann – am besten per Rechnung oder Lastschrift.

Das Interview führte Till Bücker, tagesschau.de.

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