Treffen zum Fachkräftemangel: Mehr Einwanderung, mehr Weiterbildung

0
33

Stand: 07.09.2022 20:16 Uhr

Die Regierung will mit einer Reihe von Maßnahmen den Fachkräftemangel entschärfen. Bei einem Treffen mit Wirtschafts- und Gewerkschaftsvertretern kündigte Arbeitsminister Heil an, Erleichterungen bei der Einwanderung zügig auf den Weg zu bringen.

Fachkräfte fehlen in fast allen Branchen – im Handwerk, in der Pflege und im Dienstleistungsbereich. Fast die Hälfte der Unternehmen hierzulande gibt an, von dem Mangel an gut ausgebildeten Mitarbeitenden betroffen zu sein. Die Regierung will nun mit einer “Fachkräftestrategie” gegensteuern. Das erklärten Arbeitsminister Hubertus Heil, Wirtschaftsminister Robert Habeck und Bildungsministerin Bettina Stark-Watzinger nach einem Treffen mit Wirtschafts- und Gewerkschaftsvertretern in Berlin. Laut der Nachrichtenagentur Reuters sind in dem 41-seitigen Entwurf zahlreiche Ansatzpunkte genannt – etwa mehr Weiterbildung und eine Ausbildungsgarantie, bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, flexible Übergänge in die Rente und mehr Einwanderung.

Einwanderung soll neu geregelt werden

So soll die seit langem geplante Modernisierung des Einwanderungsgesetzes noch in diesem Jahr auf den Weg gebracht werden, wie Heil sagte. Dabei geht es darum, die Zuwanderung von Fachkräften aus Staaten außerhalb der Europäischen Union zu vereinfachen. “Das wird dann wahrscheinlich Anfang nächsten Jahres beschlossen werden.”

Gemeinsam mit Innenministerin Nancy Faeser will Heil Eckpunkte für eine Modernisierung des Einwanderungsrechts vorlegen. Ein Bestandteil soll die Einführung eines Punktesystems sein, Heil spricht von einer “Chancenkarte”. Auf der Grundlage eines jährlich festzulegenden Kontingents sollen dann Arbeitssuchende aus Drittstaaten nach Deutschland kommen können, wenn sie drei von vier Kriterien erfüllen. Das seien Ausbildung, Sprachkenntnisse, Alter und Berufserfahrung, sagte Heil.

Stark-Watzinger nannte in diesem Zusammenhang Erleichterungen bei der Anerkennung von Berufsabschlüssen. “Wir sind ein Einwanderungsland für Fachkräfte, und da geht es ganz besonders darum, die bürokratischen Hürden zu senken”, sagte die FDP-Politikerin.

Heil kündigte zudem an, eine Ausbildungsgarantie zu schaffen und die Weiterbildung stärken zu wollen. Er verwies auf geplante Instrumente wie ein Qualifizierungsgeld, mit dem die Bundesagentur für Arbeit die betriebliche Weiterbildung fördern soll.

Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Habeck nannte es aus wirtschaftspolitischer Sicht nicht akzeptabel, wenn es Blockaden im Zusammenspiel von Familie und Beruf gebe. “Wenn man sich privat entscheidet, sich mehr um seine Kinder zu kümmern als zu arbeiten, ist das völlig in Ordnung”, sagte der Grünen-Politiker. “Wenn es politische oder in der Arbeitswelt bestehende Hürden gibt, die eine Beteiligung an der Arbeitswelt verhindern, dann ist das ökonomisch nicht richtig.”

Der Arbeitgeberverband BDA sieht ebenfalls Handlungsbedarf im Bereich der Gleichstellung. Es brauche “eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf – so können wir die Erwerbsbeteiligung vor allem von Frauen deutlich erhöhen”, sagte BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter der “Rheinischen Post”.

Gewerkschaften setzen auf Tarifbindung

Vor dem Spitzentreffen zum Fachkräftemangel hatten die Gewerkschaft ver.di und der Beamtenbund DBB mehr Beschäftigte und bessere Bedingungen für den öffentlichen Dienst gefordert. So lasse sich der Fachkräftemangel im Gesundheits- und Altenpflegebereich nur mit mehr Personal und einer flächendeckenden Tarifbindung beheben, sagte ver.di-Chef Frank Werneke.

Die IG Metall forderte, dass die Vorhaben der Regierung zügig umgesetzt werden müssen. Entscheidend seien die drei Faktoren Ausbilden, Weiterbilden und die Tarifbindung zu stärken. So seien Fachkräfte mit guten Löhnen und guten Arbeitsbedingungen zu gewinnen.

Zunehmende Alterung der Gesellschaft

Hauptgrund für den Fachkräftemangel wird laut einer vom Arbeitsministerium beauftragten Studie die zunehmende Alterung der Gesellschaft sein. Die bis 2026 errechnete Fachkräftelücke von rund 240.000 Personen aus Neubedarf und Neuangebot fällt aber weniger als halb so groß aus wie noch im vorigen Jahr erwartet (540.000 Personen). Dies wird mit dem höheren Arbeitskräfte-Angebot etwa durch Geflüchtete aus der Ukraine und dem geringeren Wirtschaftswachstum begründet.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein