Tesla-Video soll Ermittlern helfen – Mahnwache am Sonntag

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Am Sonntagnachmittag wollen ADFC und der Verein Changing Cities mit einer Mahnwache an die getötete 44-jährige Radfahrerin erinnern. Um 16 Uhr soll an der Bundesallee vor dem IBB-Hochhaus in Wilmersdorf ein Geisterrad aufgestellt werden, teilten die Vereine mit. Zuvor startet um 14 Uhr eine Fahrraddemonstration vom ADFC-Büro in der Kreuzberger Möckernstraße zur Bundesallee.

Die Frau war am Montag früh von einem Betonlaster überrollt und eingeklemmt worden. Sie erlag am Donnerstagabend in einem Krankenhaus ihren schweren Verletzungen. Über den Unfall war bundesweit berichtet worden, weil ein Spezialfahrzeug der Feuerwehr auf der Stadtautobahn im Stau steckte, der von protestierenden Klimaaktivisten ausgelöst wurde.

Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln gegen zwei Männer, die sich auf einer Autobahnbrücke festgeklebt hatten wegen „Behinderung von Rettungskräften“. Am Freitag war durch einen Bericht der Süddeutschen Zeitung bekannt geworden, dass laut einem internen Protokoll der Feuerwehr der Stau keinen Einfluss auf die Versorgung des Unfallopfers gehabt haben soll. Die Notärztin hatte demnach entschieden, auf das Anheben des Lkw durch das Spezialfahrzeug zu verzichten.

Neuere Angaben zum Unfall machte die Polizei am Sonnabend nicht. Nach einem Bericht der „Berliner Morgenpost“ könnten Videoaufzeichnungen aus einem Tesla bei der Rekonstruktion helfen. Demnach haben Bilder, die das Auto aufgezeichnet hat, auch den Täter überführt, der nach dem Unfall den Fahrer des Betonmischers mit einem Messer angegriffen hatte. Der Mann, ein Obdachloser, wurde in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen.

Wer hier an der Fahrradampel wartet, sieht das blaue Schild nicht gut. 
© Jörn Hasselmann

Aufzeichnungen eines Teslas haben den Ermittlern schon oft geholfen. Die größte Erfahrung damit hat Andreas Winkelmann, der als Oberamtsanwalt bei der Berliner Justiz die Abteilung für die Verfolgung von Autorennen leitet. Winkelmann hatte das Vorgehen kürzlich so beschrieben: Mit richterlichem Durchsuchungsbeschluss könne man sich nicht nur in die europäische Datenzentrale von Tesla in den Niederlanden einloggen, sondern auch direkt in den internen Speicher des Fahrzeugs.

Die Kameras laufen bei der Fahrt ständig. Wenn der Wagen steht werden sie durch Erschütterungen aktiviert – oder wenn sich jemand dem Fahrzeug nähert. Auf diese Weise soll die Justiz über Bilder vom Unfallort verfügen. Die Bilder seien „gestochen scharf“, berichtete Winkelmann. Tesla selbst beschreibt die Technik so: „Acht Kameras und eine leistungsstarke Bildverarbeitung ermöglichen eine 360°-Überwachung der Fahrzeugumgebung mit bis zu 250 Metern Reichweite.“

Tödlicher Fahrradunfall auf der Bundesallee
Tödlicher Fahrradunfall auf der Bundesallee
© Tagesspiegel/Rita Böttcher

Der Verein Changing Cities hatte bereits 2018 die Entschärfung der Unfall-Kreuzung gefordert, nachdem eine Radfahrerin von einem nach rechts abbiegenden Sattelschlepper schwer verletzt worden war. „Senat und Bezirk haben jedoch unsere Vorschläge ignoriert“, kritisierte Ragnhild Sørensen vom Verein. Wie berichtet, gilt am Unfallort eine Radwegbenutzungspflicht – die 44-Jährige fuhr mit ihrem Sportrad dennoch auf der vierspurigen Straße. Wer hier „legal von Süd nach Nord fahren möchte, steht an drei Ampelschaltungen (Nachodstraße, Spichernstraße Süd und Nord)“ beschrieb Changing Cities die Situation.

Dieser neu entstandene Zwei-Richtungs-Radweg entspreche nicht dem Berliner Mobilitätsgesetz, hieß es. Bei Twitter kritisierten Fahrradaktivisten, dass das Verkehrsschild, das Radfahrer auf den Radweg zwingt, klein und nicht gut zu erkennen sei. „Wenn ein Schild nicht sichtbar ist, muss es nicht beachtet werden“, sagte Arne Ludorff, Sprecher für Verkehrsrecht bei Changing Cities. Dies hänge immer vom Einzelfall ab. Wie berichtet, ist an der Bundesallee in Richtung Norden nur noch dieser etwa 100 Meter lange Abschnitt zwischen Nachodstraße und Spichernstraße benutzungspflichtig.

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