Geld auf Abruf
Deutsche schichten Milliarden Euro in Tagesgeld um
23.11.2025 – 15:13 UhrLesedauer: 2 Min.

2025 floss so viel Geld aus Festgeldern ab wie zuletzt im Krisenjahr 2008. Auf Tagesgeldkonten landen im Gegenzug Rekordsummen. Bringen sich Sparer in Position?
Deutsche Anleger verschieben in großem Stil ihr Erspartes: Bis Ende September 2025 zogen sie laut Broker XTB und Barkow Consulting rund 33 Milliarden Euro aus Festgeldkonten ab – der höchste Wert seit der Finanzkrise. Gleichzeitig verzeichneten Tagesgeldkonten einen Rekordzufluss von 66 Milliarden Euro.
Für Jens Chrzanowski, Deutschland-Chef von XTB, deutet alles auf ein „historisches Umschichten“ hin. Viele Sparer wechselten unter anderem deshalb von Festgeld auf Tagesgeld, weil die Zinsunterschiede zu gering geworden seien, um sich langfristig zu binden.
In der Tat bringt ein dreijähriges Festgeld laut dem Geldratgeber „Finanztip“ aktuell maximal 2,7 Prozent Zinsen pro Jahr, während ein gutes Tagesgeld unbefristet derzeit um die 2 Prozent pro Jahr abliefert. Kurzfristige Angebote von einigen Monaten locken mit drei Prozent pro Jahr und mehr.
Ein anderer Grund für das Umschichten sei laut Chrzanowski auch, dass Anleger kurzfristige Beweglichkeit bevorzugen, um bei steigenden Zinsen schnell reagieren oder bei Kursrückgängen am Aktienmarkt gezielt einsteigen zu können. Angesichts der hohen Bewertungen vieler Aktien, insbesondere im Technologiesektor, rechnen manche Börsianer mit einer baldigen Kurskorrektur.
Mit Blick auf den Vermögensaufbau sieht Chrzanowski die Umschichtungen in Tagesgeld als problematisch an. Laut einer XTB-Analyse zum Weltspartag Ende Oktober hätten Sparer wegen der Inflation bis dahin rund 33 Milliarden Euro an Kaufkraft verloren – trotz Zinsen. Rechne man bis Jahresende weiter, könne der Verlust sogar 40 Milliarden Euro betragen.
Kaufkraft verliert das Ersparte immer dann, wenn die Inflation höher ist als die Sparzinsen. Im Oktober 2025 betrug die Teuerungsrate in Deutschland 2,3 Prozent. Angenommen, Sparer ließen ihr Geld unverzinst auf dem Girokonto liegen, so wären 10.000 Euro nach einem Jahr nur noch 9.770 Euro wert – 230 Euro weniger.
Chrzanowski warnt daher: Wer auf sichere Einlagen setzt, verliere durch steigende Lebenshaltungskosten letztlich Geld. Durch die Anlage in Aktien oder günstige Aktienfonds, etwa ETFs, könnten Anleger dagegen ihr Vermögen auf die lange Sicht steigern. Fürs Investieren statt fürs Sparen plädiert auch der Geldratgeber „Finanztip“.
„Inflation frisst Kaufkraft. Ohne Rendite wird Dein Geld über Jahrzehnte real weniger wert. Nur mit Investieren wächst Dein Vermögen wirklich“, heißt es in einem aktuellen Instagram-Post. Eine Rechnung soll dies verdeutlichen: Wer 40 Jahre lang jeden Monat 200 Euro bei 2 Prozent Zinsen pro Jahr aufs Sparkonto legt, hat am Ende 146.000 Euro. „Klingt viel – ist es aber nicht, wenn man die Inflation einrechnet.“
„Hätte man dasselbe Geld in einen weltweiten Aktien-ETF investiert, wären es bei einer angenommenen Rendite von 6 Prozent pro Jahr im Schnitt am Ende rund 380.000 Euro – mehr als doppelt so viel.“ Aktienkurse können kurzfristig schwanken. Berechnungen zeigen jedoch, dass sich bei einem breit aufgestellten Aktienkorb solche Schwankungen auf die lange Sicht ausgleichen.