„Der Mensch ist ein auditives Wesen“

An welchem ​​Punkt im Leben lässt sich dies beobachten?

Im Mutterleib. Die frühen Lautäußerungen von Babys veranschaulichen dies sehr deutlich: Sie erzeugen melodische und rhythmische Muster, lange bevor sich die Sprache entwickelt. Eltern auf der ganzen Welt verstehen diese Muster intuitiv und kommunizieren mit ihren Babys durch Singen. Das zeigt, wie tief das Singen in uns verankert ist. Es strukturiert Emotionen, schafft Bindungen und ist Teil unserer grundlegendsten Überlebensmechanismen.

Warum fällt es manchen Menschen also schwer, einfach mit dem Singen anzufangen?

In der westlichen Kultur neigen wir dazu, unser Inneres zu verbergen, weil wir glauben, dass wir dadurch verletzlich werden. Auch in Deutschland verbinden wir mit dem Singen bestimmte Vorstellungen von Kompetenz. In vielen Kulturen ist Singen ein selbstverständlicher Bestandteil des Alltags. Unter den ethnischen Gruppen in Afrika und den Aborigines gibt es rituelle Lieder und niemand schämt sich dafür. Sie singen genauso wie sie sprechen. Hier in Deutschland herrscht ein Anspruch auf Perfektion, der viele Menschen einschüchtert.

Was gibt Ihnen Hoffnung, wenn Sie in die Zukunft des Gesangs blicken?

Das gemeinsame Singen erlebt derzeit ein Revival. Projektchöre, offenes Gruppensingen, neue Festivals – überall entstehen offene Formate, die für alle zugänglich sind. Die Menschen suchen aktiv nach dieser Art gemeinschaftlicher Aktivität. Wenn wir die nächste Generation von Chorleitern stärken, hat der Gesang eine glänzende Zukunft.

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