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You are at:Home»Panorama»Das war das wirklich schlimmste Jahr aller Zeiten
Panorama

Das war das wirklich schlimmste Jahr aller Zeiten

wochentlich.deBy wochentlich.de14 Dezember 2023Keine Kommentare3 Mins Read
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Das war das wirklich schlimmste Jahr aller Zeiten
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2020 ist aufgrund der Corona-Pandemie wohl vielen als ein besonders schlimmes Jahr in Erinnerung geblieben. Doch das schlimmste Jahr in der Menschheitsgeschichte ist ein anderes.

Ein mysteriöser Nebel legte sich über Europa, den Nahen Osten und Asien. 18 Monate lang versank fast die gesamte Nordhalbkugel der Erde in Dunkelheit. Mitten im Hochsommer kämpfte man in China mit Schneefällen. Ernteausfälle, Krankheiten und verhungernde Menschen: All das geschah im wohl schlimmsten Jahr der Menschheitsgeschichte.

Geht es nach dem Historiker Michael McCormick, ist die Antwort auf die Frage nach dem schlimmsten Jahr der Geschichte klar. 2018 nominierte der US-amerikanische Wissenschaftler das Jahr 536 als „worst year being alive“ (zu Deutsch: „das schlimmste Jahr, um am Leben zu sein“).

Seine Begründung: Nicht nur, was in diesem Jahr passierte, sondern auch das, was folgte, war besonders verheerend. „Wie die Zeitgenossen bemerkten, war 536 der Beginn einer Kette von negativen Entwicklungen“, sagte McCormick 2021 dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Ein Schleier über der Nordhalbkugel

Dass Mitte des 6. Jahrhunderts Dunkelheit über Europa herrschte, war bereits überliefert. „Die Sonne, ohne Strahlkraft, leuchtete das ganze Jahr hindurch nur wie der Mond und machte den Eindruck, als ob sie fast ganz verfinstert sei“, heißt es in einer Schrift des byzantinischen Geschichtsschreibers Prokopius von Caesarea. Der Grund für die Dunkelheit war allerdings lange Zeit ein Mysterium.

Erst 2018 gelang es Wissenschaftlern, den Auslöser für den verdunkelten Himmel zu identifizieren. Auf Island war ein Vulkan ausgebrochen, und riesige Mengen Asche und Schwefel legten sich wie ein Schleier über die Nordhalbkugel. Das ergab die Analyse eines Gletscherkerns, berichtete damals Michael McCormick zusammen mit dem Gletscherforscher Paul Mayewski im Fachmagazin „Antiquity“. Die Folgen der Dunkelheit waren verheerend.

Der Beginn einer „Kleinen Eiszeit“

In Europa, dem Nahen Osten und fast ganz Asien, ging das Getreide ein. Die Missernten führten zu einer Hungersnot, in deren Folge unzählige Menschen starben. Die Temperaturen fielen durchschnittlich um 1,5 bis 2,5 Grad Celsius. Dies leitete die kälteste Dekade der vergangenen 2.300 Jahre ein. „Wie wir heute aus westeurasischen Temperaturrekonstruktionen wissen, war 536 der Beginn einer spätantiken Kleinen Eiszeit, die bis 660 oder 680 andauerte“, erklärte McCormick dem RND.

Auch die Jahre nach 536 hatten es in sich. Zwischen 536 und 539 herrschte in Irland eine Brotkrise. 541 brach an einem römischen Hafen im heutigen Ägypten die Beulenpest aus. Fast die Hälfte der Bevölkerung des östlichen Römischen Reichs fiel dieser zum Opfer. Diese sogenannte „Justinianische Pest“ beschleunigte den späteren Fall der Supermacht, wie Michael McCormick dem Magazin „Science“ erklärte. Für die Jahre 540 und 549 ließen sich im Gletscherkern noch zwei weitere Vulkanausbrüche nachweisen, die wohl direkte Folge des Ausbruchs von 536 waren.

In der Geschichtswissenschaft gilt die Mitte des 6. Jahrhunderts als Übergangszeit von der römisch-griechisch geprägten Antike zum christlich geprägten Mittelalter in Europa. Bislang wurde der Epochenwechsel stets an politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen wie der Verbreitung des Christentums und dem Niedergang des römisches Imperiums festgemacht. Dass sich die Forschung inzwischen den klimatischen Turbulenzen jener Zeit widmet, hängt auch mit der Klimakrise in unserer Gegenwart zusammen. So zeigen McCormicks Erkenntnisse, wie bedrohlich ein instabiles Klima für die menschliche Zivilisation ist.

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