Frauen haben öfter Migräne als Männer. Ein bedeutender Risikofaktor für die wiederkehrenden, anfallsartigen Kopfschmerzattacken sind hormonelle Einflüsse.

Menschen mit Migräne leiden unter gehäuft auftretenden, pochenden oder pulsierenden Kopfschmerzattacken. Begleitet sind diese häufig von einem allgemeinen Krankheitsgefühl, verstärktem Ruhebedürfnis, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Lichtscheu, Lärmempfindlichkeit oder Überempfindlichkeit gegenüber Gerüchen. Bei Frauen wirken hormonelle Einflüsse auf das Migränegeschehen ein.

Frauen leiden häufiger unter Migräne als Männer: Etwa 14 von 100 Frauen und 7 von 100 Männern haben wiederkehrende Migräneanfälle. Junge Frauen haben oft zum ersten Mal eine Migräne, wenn sie ihre erste Monatsblutung bekommen. Bei vielen Frauen bleiben die Anfälle während einer Schwangerschaft aus und verschwinden nach den Wechseljahren ganz. Das zeigt, welch großen Einfluss das hormonelle Geschehen auf die Migräne nimmt.

Das erhöhte Risiko, an einer Migräne zu erkranken, wird vererbt. Etwa zwei Drittel der Betroffenen berichten, dass auch andere Familienmitglieder betroffen sind. Zu der familiären Veranlagung kommen weitere Einflussgrößen hinzu, darunter Umweltfaktoren, Lebensstilfaktoren – und das Geschlecht. „Bei Kindern sind Mädchen und Jungen gleich häufig betroffen. Während und nach der Pubertät ergibt sich ein deutlicher Geschlechterunterschied. Frauen sind dann öfter betroffen“, erklärt Dr. Charly Gaul vom Kopfschmerzzentrum Frankfurt und Regionalbeauftragter der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e. V. (DMKG).

Priv.-Doz. Dr. med. Charly Gaul (Quelle: Privat)

Priv.-Doz. Dr. med. Charly Gaul ist Regionalbeauftragter der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), zertifizierter DMKG Kopf- und Gesichtsschmerzexperte sowie Facharzt für Neurologie und Spezielle Schmerztherapie am Kopfschmerzzentrum Frankfurt am Main.

Ein bedeutender Einflussfaktor ist die hormonelle Situation im weiblichen Körper: Die erste Regelblutung ist bei Mädchen ein typischer Zeitpunkt für das Auftreten der ersten Migräneattacken, so der Experte. Und die Periode spielt auch im weiteren Verlauf der Migränehistorie meist eine bedeutende Rolle: Viele Frauen sind besonders während der Monatsblutung anfällig für Migräneattacken. Ursache ist der Östrogenabfall zur Regelblutung, der sich als Stressor auswirkt.

Man geht davon aus, dass die hormonellen Prozesse die Nerven im Gehirn empfindlicher machen, Entzündungsprozesse begünstigen, die Durchblutung im Gehirn beeinflussen und auch die Schmerzwahrnehmung und Schmerzverarbeitung verändern. „Vor allem wenn zu der Monatsblutung weitere Trigger, etwa Stress oder Schlafmangel, hinzukommen, steigt das Risiko für Migräneattacken“, sagt Gaul. „Auch kann die Erwartungsangst, dass mit der Periode wieder die Kopfschmerzattacke kommt, die Anspannung verstärken und zum Trigger werden.“

Bei vielen betroffenen Frauen nimmt die Migräne im Laufe des Lebens an Häufigkeit und Intensität zu und ist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr besonders intensiv. Bei Frauen mit einer ausgeprägten Zyklusabhängigkeit nimmt die Migränehäufigkeit während der Wechseljahre oft nochmals zu. Dann tritt häufig erst nach den Wechseljahren eine Verbesserung ein.

„Viele Frauen berichten, dass ihre Beschwerden im höheren Alter langsam wieder abklingen und die Anfälle deutlich weniger werden. Die Annahme, dass die Migräne generell immer im Alter verschwindet, ist allerdings nicht korrekt. Ein erstes Auftreten der Migräne nach den Wechseljahren ist möglich, aber sehr selten“, sagt Gaul.

Betroffenen tun vor allem Ruhe, Dunkelheit und Schlaf gut. Körperliche Bewegung hingegen kann im Akutfall die Kopfschmerzen verschlimmern. Die Vermeidung von bekannten Triggern sowie der Umgang mit den Triggern ist bei Migräne eine wichtige vorbeugende Maßnahme. So können Frauen das Risiko unter anderem senken, wenn sie sich während ihrer Monatsblutung viel Ruhe gönnen, auf ausreichend Schlaf achten und sich keinen zusätzlichen Belastungen aussetzen. Ergänzend hilft betroffenen Frauen die medikamentöse Behandlung, die sich aus der medikamentösen Akuttherapie und der medikamentösen Vorbeugung von Migräneattacken zusammensetzt.

Bei leichten Migräneattacken kommen meist nicht-steroidale Antirheumatika, kurz NSAR, wie Ibuprofen, Diclofenac, Acetylsalicylsäure oder Naproxen zum Einsatz. Bei stärkeren Anfällen kann die Ärztin oder der Arzt ein Triptan (Migränemittel) verschreiben. Manchmal werden zusätzlich Präparate gegen die Übelkeit während der Schmerzattacke eingenommen. „Tritt die Migräne ausschließlich während der Regelblutung auf, kann eine Therapie mit einem Hormonpräparat in Erwägung gezogen werden, das durchgehend eingenommen werden kann, um die Menstruation zu unterdrücken. Dies sollte jedoch nur in Abstimmung zwischen Neurologen und Gynäkologen erwogen werden“, sagt Gaul.

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